Berlin – Die Terror-Organisation „Islamischer Staat“ (IS) hat in den vergangenen Wochen offenbar mehrfach Giftgas in Syrien und dem Nordirak eingesetzt.
Ziel sollen kurdische Sicherheitskräfte und syrische Zivilisten gewesen sein. Westliche Geheimdienste gehen nach Informationen der „Welt“ bereits seit Monaten davon aus, dass die IS-Terroristen über chemische Kampfstoffe verfügen.
Sie sollen zumindest teilweise aus Restbeständen des syrischen Regimes stammen, aber von den Dschihadisten selbst hergestellt worden sein.
Am 11. August kam es in Sultan Abdullah, rund 60 Kilometer südwestlich von Erbil im Nordirak, zu einem Angriff des IS mit Mörsergranaten auf Stellungen der kurdischen Peschmerga. Rund ein Dutzend Milizionäre litt anschließend an Verätzungen der Haut und Blasenbildung, ein Indiz für den möglichen Einsatz von Chlor- oder Senfgas.
Die Bundeswehr, die in Erbil die Ausbildung der Peschmerga-Einheiten leitet, verfügt nach Aussage eines Sprechers bislang über keine eigenen Erkenntnisse zu dem Angriff. „Spezialisten der US-Streitkräfte sind vor Ort und prüfen“, teilte ein Bundeswehr-Sprecher mit. „Ein Ergebnis liegt noch nicht vor.“
In Lageberichten der Bundeswehr wird allerdings nach Informationen der „Welt“ schon seit längerem vor derartigen Angriffen des IS mit chemischen Waffen gewarnt.
Die Terroristen hätten nicht nur Giftgas erbeutet, sondern verfügten auch über „Produktionsstätten für chemische Waffeneinheiten“, heißt es in den Analysen unter Berufung auf Geheimdienst-Informationen.
Schon vor einigen Wochen wurde daher die „ABC-Lage“ für die deutschen Soldaten verschärft. Zusätzlich sollen Experten die Gefährdung in der Region neu bewerten.
„Bereits im Vorfeld des 11. August 2015 wurde entschieden, im Zeitraum 30. August – 6. September 2015 zwei ABC-Abwehrstabsoffiziere in den Einsatz zu verlegen, um die ABC-Bedrohungs- und Risikoanalyse vor Ort fortzuschreiben“, sagte Bundeswehr-Sprecher Dietmar Jeserich. Die Bundeswehrsoldaten verfügen zudem schon seit Beginn ihres Einsatzes im Nordirak über ABC-Schutzmasken, von denen auch 1.000 Stück an die Peschmerga geliefert wurde.
„Diese schützen unter anderem auch zuverlässig gegen technisch industrielle Gase wie Chlor“, so Jeserich.
Das US Central Command wollte sich auf Nachfrage nicht zu seinen Erkenntnissen über die Chemiewaffen des IS äußern. „Wir kennen die Berichte über den Einsatz chemischer Waffen durch den IS“, teilte eine Sprecherin der US-Streitkräfte mit. Die Angriffe seien als „abscheulicher Akt“ zu verurteilen.
„Wir waren stets besorgt über die Bestrebungen des IS, an jede Form von chemischen Waffen zu gelangen. Und wir werden dies weiter verfolgen.“ (dts Nachrichtenagentur)

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