
Mit dem Stück „FREI(T)RÄUME(N)- AD(D)E“ verabschiedeten sich die Schüler von ihrer Schulleiterin.
Fotos: v. privat
Maximiliansau – „Nach einem Leitsatz von Willy Brandt (früherer Bundeskanzler), der lautete: „Lasst unter dem Berg von Akten und dem Druck von Arbeitsabläufen die Menschlichkeit nicht ersticken“ habe ich versucht zu arbeiten und meine Schule zu leiten“ sagt Rektorin Rita Witzel, die jetzt nach über 20 Jahren Schulleitung an der Grundschule Maximiliansau und insgesamt 37 Jahren Schuldienst in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Für Witzel typisch war die besondere, etwas andere Form dieser Feierstunde. Die Kinder der Theater AG führten das im Laufe des Schuljahres gemeinsam mit der Theaterpädagogin Marianne Stein erarbeitete Stück FREI(T)RÄUME(N) auf. Dieses gab einen kleinen Einblick in die Höhen und Tiefen eines Lehrer- und Schulleiterlebens – mit Humor und Ironie.
„Wir wollten ein bisschen etwas Anderes machen“ erzählt Marianne Stein. „Deshalb haben sich die Kinder der Theater AG – sie wurde letztes Jahr in Berlin ausgezeichnet – in diesem Schuljahr lange bis zur Weihnachtszeit mit der Arbeit, den Aufgaben und Problemen einer Schulleiterin, dem Schulleiteralltag, auseinandergesetzt und ihre Schulleiterin intensiv beobachtet.“
Sie haben aber auch überlegt, wie es ist, wenn man in Rente geht – wie man so schön sagt. Dabei wurde gemeinsam über Träume, Ängste, Sorgen, Ziele oder Ausdauer und Power diskutiert und in der Schule, im Elternhaus oder bei den Großeltern nachgeforscht.
„Für Abschiedsreden, die bei solchen Anlässen nie fehlen dürfen, bleibt eigentlich keine Zeit – aber derer bedarf es nach diesem Theaterstück sicherlich nicht mehr“ hieß es in der Einladung – tatsächlich sprachen nur Stefan Büchner (ADD) und Harald Seiter (Bürgermeister)
Die in Offenbach geborene Schulleiterin studierte nach dem Abitur am heutigen Max-Slevogt-Gymnasium in Landau zuerst an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule in Koblenz die Fächer Deutsch und Grundschulpädagogik mit den Schwerpunkten Vorschulerziehung/Eingangsstufe, ehe sie nach Landau wechselte.
Hier legte sie 1977 ihr Erstes Staatsexamen für Grund- und Hauptschulen ab. An der Realschule in Kandel gab sie ein halbes Schuljahr als nebenberufliche Lehrkraft 13 Stunden Deutschunterricht in den 7. Und 8.Klassenstufen. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Paul kennen.
Nach dem Vorbereitungsdienst am Studienseminar Trier und der dortigen Grundschule „Heiligkreuz“ kam sie wieder mit einem 13-Stunden-Vertrag an die Realschule Kandel und unterrichtete Deutsch und Ethik, bevor sie im Februar 1980 mit 21 Stunden als Lehrkraft im Angestelltenverhältnis an der Grundschule Kandel unterrichten konnte. Dort erhielt sie im Jahr darauf ihre Planstelle.
Schon bald zeigte sie ihre besonderen Interessen bei Fort- und Weiterbildungen im musisch-künstlerischen Bereich (Marionetten bauen und spielen, Musiktheater). Sie wurde Mitglied im örtlichen Personalrat und Schulbuchgutachterin und besuchte auch Fortbildungsveranstaltungen zur Organisations- und Verwaltungsstruktur in der Schule.
Im Mai 1993 wurde sie dann zur Konrektorin ihrer Schule ernannt, ehe im Dezember 1994 die Ernennung zur Rektorin in der Grundschule Maximiliansau folgte, als ihr Vorgänger Erwin Muth in Pension ging.
„Damals trat der grundlegende Wandel in den Grundschulen ein von einer Lernstätte in eine Lern- und Lebensstätte“ erzählt Witzel. „Schulhaus und Klassenzimmer wurden umgestaltet um den Schülern ein positives Lebensgefühl zu geben, dass Schule mehr heißt als nur lernen.“
Danach sei in der Grundschule aufgrund des gesellschaftlichen Wandels (Familie und Beruf) die volle Halbtagsschule als verlässliche Grundschule, in der alle Schüler bis 13 Uhr bleiben konnten, eingeführt worden.
Ihr folgte die betreuende Grundschule. „Im Schuljahr 2004/2005 kam dann bei uns in Maximiliansau der größte Einschnitt – die Ganztagsschule. Ich habe im Kollegium Überzeugungsarbeit leisten müssen, es war ein Umdenken für alle. Aber wir haben uns in der Gesamtkonferenz mehrheitlich dafür ausgesprochen.“
Bald hätten auch alle die positiven Elemente der Ganztagsschule erkannt, meint die Rektorin: Man habe mehr Zeit für die Kinder, lerne sie besser kennen und im musisch-technischen Bereich sei viel mehr möglich. „Der Vormittag allein ist zu wenig um alles durchzuführen, was gelernt werden muss.“
Witzels Vision geht allerdings noch weiter. Sie würde gerne wie fast in allen europäischen Ländern die verpflichtende Ganztagsschule haben („Ganzheitliche Bildung für alle“). Die Grundschule Maximiliansau ist mit 56 Schülern gestartet, nach zehn Jahren Ganztagsschule besuchen sie 160 von 270 Schülern (63 Prozent).
„Wir haben unsere Schule als Lebensraum weiter entwickelt. Der Pausenhof ist gestaltet, ein grünes Klassenzimmer und eine Bibliothek eingerichtet worden. Dazu wurde ein Förderverein gegründet, der vor allem die Theaterarbeit unterstützt.
Das pädagogische/didaktische Konzept der Schule wurde verändert mit selbstständigem und eigenverantwortlichem Lernen, auch durch schulinterne Fortbildungen nach dem Klippert-Konzept. Heute zehren wir mit unseren Arbeitstechniken wie Lernspiralen davon“ schwärmt Witzel regelrecht. „Unseren Kindern geht es gut. Manche würden nicht da stehen, wo sie heute stehen.“
Sie sieht aber auch, dass eine veränderte Gesellschaft in den letzten zehn Jahren in die Schule hinein getragen wurde. Deshalb sei ein Schwerpunkt die sozialen Kompetenzen zu schulen. Eine große Erleichterung sei 2013 mit der Einführung der Schulsozialarbeit gekommen, wozu auch die Elternberatung großgeschrieben werde.
Durch individuelle Hilfen, Mathe-AGs und verschiedene Wettbewerbe würden aber auch leistungsstarke Schüler ab der zweiten Klasse gefordert. Dazu komme auch die Unterstützung durch zwei FSJ-Kräfte und Praktikanten ab der 11.Klasse. „Dafür hat mein Kollegium immer als Team gestanden.“ Jetzt stehe der vom Stadtrat beschlossene Bau einer Mensa mit einem Ruheraum an.
Die Rektorin möchte sich in Zukunft mehr ihren musisch- kreativen Neigungen widmen, die zu kurz gekommen sind – malen, zeichnen, Gitarre spielen. Sie möchte aber auch die vielen geschenkten Bücher endlich lesen, Italien weiter kennen lernen, öfter nach Paris fahren, Konzerte, Vernissagen, Ballette und Opern mit ihrem Mann zusammen besuchen.
Außerdem rufe der Garten und das Wandern, Radfahren und Tennisspielen sollen wieder mehr gepflegt werden – also auf keinen Fall wird Langeweile eintreten. (lumi)

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