
Nord-Stream-Anbindungsleitung EUGAL
Foto: über dts Nachrichtenagentur
Berlin – Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hält die Kritik an Russland im Zusammenhang mit der angespannten Lage auf den weltweiten Gasmärkten für ungerechtfertigt.
Russland falle „als Feindbild für einen kalten Gaskrieg aus“, schreibt Schröder in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“. Hauptursache für den stark gestiegenen Gaspreis sei die wachsende Nachfrage Chinas.
Er gehe davon aus, „dass sich die Situation auf dem Gasmarkt allmählich erholen wird“. Schröder ist Verwaltungsratsvorsitzender der Gaspipeline-Gesellschaften Nord Stream und Nord Stream 2 sowie des russischen Mineralölunternehmens Rosneft.
Er pflegt enge persönliche Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die aktuelle Situation mache deutlich, dass sich der Handel mit Gas mittlerweile immer stärker globalisiere. „Europa steht hier in einer scharfen Konkurrenz zu anderen Weltregionen, deren Energiehunger ungestillt ist“, schreibt Schröder.
„Auch wenn wir unsere ambitionierten Klimaschutzziele erreichen wollen, brauchen wir für die Übergangszeit – die voraussichtlich drei Jahrzehnte dauern wird – Erdgas als den fossilen Energieträger, der das Klima am besten schont.“
Schröder verteidigte die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2. Sie sei wie jede andere zusätzliche Pipeline gut für den europäischen Markt. „Je mehr Bezugsquellen und Lieferwege wir haben, umso besser ist es für die Europäische Union, aber vor allem für den Endkunden. Denn je besser das Angebot ist, umso niedriger sind die Preise“, schreibt der frühere Bundeskanzler.
Schröder kritisiert die Rolle der USA als Exporteur von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG). „Auf der einen Seite fordern die USA, dass Europa seinen Handel mit China einschränken soll, aber auf der anderen Seite nutzen sie die Möglichkeit, um Erdgas nicht nach Europa, sondern lukrativ nach China zu verkaufen.“
Die USA haben ihre LNG-Lieferungen nach China nach den Worten Schröders in den vergangenen Monaten vervierfacht. (dts Nachrichtenagentur)
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