
Simulation: Eine Schwerverletzte wird notärztlich versorgt – eine von vielen.
Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht
Kreis Germersheim/Rheinzabern – Zwei Autos krachen frontal ineinander, mehrere nachfolge Fahrzeuge kollidieren mit den Unfallfahrzeugen. Schwerverletzte, weniger schwer Verletzte, Schreie, Feuer, Rauch, Durcheinander – ein Szenario, wie es tagtäglich auf deutschen Straßen vorkommt.
Damit Rettungskräfte untereinander künftig schneller agieren und sich Informationen mitteilen können, hat der Landkreis Germersheim nun das digitale System „RescueWave“ eingeführt. Es wurde am Montag nach einer zweijährigen Entwicklungs- und Testphase an der IGS Rheinzabern vorgestellt – inklusive einer spektakulären Darstellung eines solchen Unfalls, eines „MANV“ (Massenanfall von Verletzten).
Hat man bislang vor Ort mit Patientenkarten, Handys und Funkgeräten hantiert, ist man mit Rescue-Wave nun deutlich schneller. Das alte System sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Thomas Bleck, einer der Leitenden Notärzte, bei der Präsentation des Systems.
Das bestätigte auch der organisatorische Leiter Jürgen See. Von der Papierwelt in Digitales einzusteigen, mache alles sehr viel schneller und einfacher, weil der manuelle Meldeweg wegfalle.

Alles auf einen Blick
Im Grundsatz geht es bei dem System darum, die Anzahl von Verletzten, die Schwere der Verletzungen und die Verletzungsmuster für alle Einsatzkräfte einheitlich, übersichtlich und zeitgleich zu Verfügung zu stellen.
Auch die Zuteilung der Patienten auf die entsprechenden Rettungsmittel und Kliniken sind damit möglich. So muss zum Beispiel ein schwer verletzter Traumapatient schnellstmöglich in eine Spezialklinik transportiert und innerhalb einer Stunde einer medizinischen Behandlung zugeführt werden, sonst sinken seine Überlebenschancen rapide, erklärte Bleck. Ein MANV könne übrigens auch jederzeit im Kreis Germersheim passieren, warnte er.
Schreie und Blaulicht auf dem Schulhof
Bei der anschließenden Schauübung auf dem IGS-Schulhof beteiligten sich Mitglieder aller Organisationen des Katastrophenschutzes. Dafür wurde ein Unfallszenario mit Autowracks aufgebaut. Zum Einsatz kamen auf „verletzt“ geschminkte (und vor „Schmerzen“ schreiende) Mimen, Rettungswagen, Notärzte, Feuerwehren. Die Zuschauer machten große Augen, kann man doch selten aus solcher Nähe ein derartiges Schauspiel betrachten – und sich dabei sicher fühlen, denn es war ja alles nicht „echt“.
Die Vorführung dauerte etwa 45 Minuten, was ungefähr der Echtzeit bei einem derartigen Vorfall entspreche, sagte Jürgen See, der die Geschehnisse über Mikrofon erklärte.
Bei der Präsentation zuvor gab es Grußworte von Landrat Dr. Fritz Brechtel, IGS-Schulleiter Axel Weinstein, Dr. Stefan Heuer (Leiter Produktmanagement und Forschung von VOMATEC, Dr. Alexander Huber (Geschäftsbereichsleiter Medizintechnik von ITK, Dr. Thomas Bleck und Jürgen See.
Brechtel dankte allen Ehrenamtlichen, die sich innerhalb des neues Systems einsetzen: „Das lässt sich nicht mit Geld aufwiegen.“ Bleck erklärte, dass es sich um eine sehr große Gruppe ehrenamtlich handelnder Notärzte handele. (cli)

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