Politiker-Streit über Schülerdemos gegen Klimawandel

10. März 2019 | 4 Kommentare | Kategorie: Politik

Christian Lindner
Foto: dts Nachrichtenagentur

Berlin  – Wenige Tage vor den großen internationalen Schülerstreiks spalten die Klimademonstrationen die Politik. FDP-Chef Christian Lindner plädierte jetzt dafür, die Proteste in die Freizeit zu verlegen.

„In der Unterrichtszeit sollten sie sich lieber über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren“, sagte Lindner der „Bild am Sonntag“.

Er sei für Realitätssinn. „Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“

Ganz anders sieht das Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Der Sonntagszeitung sagte sie: „Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht.“

Der Weckruf der Schüler käme gerade noch rechtzeitig, noch ließe sich der Schalter umlegen. „Ich bin dafür dankbar.“ Die Ministerin hatte im Februar einen ersten Entwurf für ein Klimaschutzgesetz vorgelegt, welches Lindner jetzt scharf kritisiert: „Svenja Schulze versucht sich an ihrem Schreibtisch mit weltfremden Ein-Jahres-Plänen für den Klimaschutz. Das ist schlimmer als in der DDR“, sagte er.

„Wenn wir die Menschen bei diesem Thema nicht mitnehmen, werden viele Autofahrer ihre Gelbwesten in Zukunft nicht nur bei Pannen anziehen, sondern auch zum Demonstrieren.“

Der FDP-Vorsitzende verlangte einen „marktwirtschaftlichen und damit günstigeren Weg, um das Klima zu retten“. Als Beispiel nannte er eine Besteuerung von „Klimagasen“. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ findet eine Mehrheit von 55 Prozent der Deutschen es richtig, dass die Schüler während der Schulzeit demonstrieren, 44 Prozent halten das für falsch.

Gleichzeitig sagen 63 Prozent, dass Deutschland zu wenig tut, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Nur 22 Prozent finden, Deutschland tut genug, acht Prozent denken, Deutschland tut zu viel. Unterstützung bekommen die Schüler auch vom Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer: „Die protestierenden Schüler haben recht: Es ist dringend. Wir müssen bis 2030 die Klimawende schaffen. Sonst hat das Folgen für Jahrhunderte.

Es geht um Generationengerechtigkeit. Wir Erwachsenen sind verantwortlich für das Problem, wir müssen es lösen.“ Kritik an den Protesten übte dagegen der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor. Er plädierte dafür, die Proteste außerhalb der Schulzeit abzuhalten und schloss sich der prinzipiellen Kritik Lindners an.

„Die Antworten auf den Klimawandel sind zu komplex für ein Protestplakat. Man muss aufpassen, dass man nicht unrealistisch wird. Wir sind eine der modernsten Industrienationen der Welt. Da kann man nicht einfach alle Kraftwerke durch Sonne, Wind und ein bisschen Kuhmist ersetzen“, sagte Amthor. (dts Nachrichtenagentur)

Print Friendly, PDF & Email
Zur Startseite

Zu den Kommentaren

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

4 Kommentare auf "Politiker-Streit über Schülerdemos gegen Klimawandel"

  1. Wolfgang Richter sagt:

    Es war wohl gar kein Zufall, dass an dem Tag, an dem Greta Thunberg erstmals statt in die Schule zu gehen demonstrierte, ein Buch ihrer Mutter veröffentlicht wurde . Es ist auch kein Zufall, dass Greta von Greenpeace „betreut“ wird. Das scheint alles gut organisiert zu sein. Bundeskanzlerin Merkel äußerte kürzlich erst den Verdacht, dass Russland oder China dahinterstehe.
    Und dann stand gerade in der FAZ-online, dass die „deutsche Greta Thunberg“, die 21-jährige Luisa Neubauer auf ihrer Facebook-Seite mit vielen Fernreisen „angibt“, also genau das Gegenteil von dem lebt, was eigentlich im Sinne einer CO2-Reduzierung sinnvoll wäre:
    (…)
    Wasser predigen – aber Wein trinken!

    Anmerkung der Redaktion: Externe Links sind nicht gestattet.

  2. Wolfgang Richter sagt:

    Hallo Redaktion, ich habe eben erst gesehen, dass Sie keine Links in den Kommentaren wollen. Das ist zwar schlecht, weil man dann ggf. die bezogene Informationsquelle nicht nachweisen kann, doch so ist es nun mal bei ihnen festgelegt.
    Entfernen Sie deshalb bitte den Link aus meinem vor einigen Minuten abgeschickten Kommentar.

    mfg
    W. Richter

    • Redaktion sagt:

      Hallo Herr Richter,

      das ist korrekt – es hat mit möglicher Haftung zu tun.
      Sie können natürlich auf einen Artikel mit den entsprechenden Tags hinweisen, Interessierte dürften dann keine Schwierigkeiten haben, den Artikel selbst zu finden.

      Beste Grüße,

      die Red.

  3. tobi sagt:

    Lindner so: „Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“

    Politik ist was für Profis und nichts für gescheiterte Unternehmer!

Schreibe einen Kommentar

Beachten Sie unsere Kommentarregeln! (Hier klicken)

Die maximale Textlänge beträgt 800 Zeichen.
Links sind künftig in den Kommentaren nicht mehr gestattet.

Pfalz-Express ist keine Plattform für Beleidigungen, Anschuldigungen und falsche Tatsachenbehauptungen. Wir ersuchen um sachliche und themenrelavante Beiträge. Unterlassen Sie Beleidigungen, Aufforderung zu Straftaten, Unterstellungen, Anschuldigungen oder allgemeine Verunglimpfung von Personen oder Gruppen!

Ihr Pfalz-Express-Team

Directory powered by Business Directory Plugin