
Flüchtlingslager – oft die letzte Möglichkeit zu überleben. Die Zustände sind meist katastrophal.
Foto: Hallil Abdullah
Berlin – Angesichts der Bürgerkriege in Syrien und dem Irak und dem jüngsten Vormarsch der Kämpfer des „Islamischen Staats“ (IS) ist unter deutschen Politikern eine Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen entbrannt.
In der großen Koalition gibt es dabei Unstimmigkeiten – insbesondere in Bezug auf Flüchtende aus dem Irak. Während Innenminister Thomas de Maizière (CDU) die Aufnahme im großen Stil ablehnt, fordert SPD-Vize Ralf Stegner mehr Verantwortung für Menschen in Not ein. „Waffen: Ja, Flüchtlinge: Nein. Das darf nicht die richtige Maxime deutscher Außenpolitik sein“, sagte Stegner dem „Tagesspiegel“.
Zuvor hatte bereits die grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt die Aufnahme von mindestens einer halben Million Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien in Europa gefordert. Gegenüber „Bild am Sonntag“ sprach sie sich für ein entsprechendes Sofortprogramm aus. Zugleich müssten die Hilfen vor Ort aufgestockt werden.
Auch Politiker der Großen Koalition drängen darauf, ein Kontingent für Irak-Flüchtlinge einzurichten. Der Innenausschussvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) sprach sich für eine rasche Prüfung des Bundes mit den Ländern aus.
Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Gabriele Fograscher, forderte, dass sich die EU-Länder auf ein Flüchtlingskontingent verständigen, „an dem sich Deutschland selbstverständlich beteiligt und zusätzliche Flüchtlinge aufnimmt“.
Die deutsche Bevölkerung ist laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ mehrheitlich für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien. 51 Prozent von 500 befragten Personen hätten sich demnach dafür ausgesprochen, 43 Prozent dagegen.
Innenminister de Maizière rechnet derweil mit einem starken Anstieg der Asylanträge. „Insgesamt rechne ich in diesem Jahr mit rund 200.000 Asylanträgen. Das wären circa 70.000 mehr als im vergangenen Jahr und die höchste Zahl seit Anfang der 90er Jahre“, sagte er.
Nach Überzeugung des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly (S PD) werden sich die Deutschen wieder an mehr Flüchtlinge gewöhnen müssen. Der Präsident des Deutschen Städtetags: „Die Zahl der Flüchtlinge wird sich über Jahre auf diesem hohen Niveau halten.“
Es sei Aufgabe der Politik, dies den Bürger klarzumachen und Ängsten entgegenzuwirken.
Seit dem Beginn des syrischen Bürgerkrieges sind in Deutschland bereits 50.000 Flüchtlinge und Asylbewerber aus Syrien aufgenommen worden. (dts Nachrichtenagentur)
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