
Fotos: Valentum Planspiele
Annweiler – „Ein Politiker braucht sehr viel Durchsetzungsvermögen, Geduld und Kompromissfähigkeit“, erklärt Nils, Schüler des Evangelischen Trifels-Gymnasiums Annweiler und für einen Tag erster Vorsitzender im Europäischen Parlament.
Am 12. und 13. September durften 63 Schüler in die Rollen der politischen Akteure der Europäischen Union schlüpfen. Als Mitglieder der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, des Ministerrats oder als Vertreter verschiedener Interessensgruppen und der Presse gestalteten die Teilnehmer in Eigenregie die europäische Politik.
Alle waren mit Elan bei der Sache und spürten, wie schwierig es sein kann, die unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen der politischen Lager in einem Kompromiss zu vereinen.
Miguel Vicente zu Besuch
Als besonderes Highlight des Planspiels bekamen die Schüler am ersten Tag der Veranstaltung Besuch des rheinland-pfälzischen Landesbeauftragten für Migration und Integration, Miguel Vicente, an den sie direkt ihre persönlichen Fragen zur Asyl- und Flüchtlingspolitik stellen konnten. Da sich die Schüler bereits zuvor in ihre zugeloste Planspielrolle einfinden mussten, stellten viele auch konkrete Fragen zur ihrer politischen Rolle.
Eine Stunde lang ergab sich dadurch eine interessante Diskussion, die die Schüler nutzten, um sich zur realen Politik der Europäischen Kommission, der Flüchtlings- und Integrationssituation in ihrer Heimat und dem aktuellen Rechtsruck in Europa zu informieren und mit dem Landesbeauftragten darüber zu debattieren.

Hitzige Diskussion, aber Kompromiss gefunden
Gemeinsam verhandelten die Teilnehmer im Anschluss besonders hitzig verschiedene Probleme, mit denen die europäischen Länder durch die Flüchtlingswelle konfrontiert sind. Debattenschwerpunkt war dabei die Ausgestaltung der Flüchtlingsquote und die Arbeit der Agentur Frontex.
Die Schlussabstimmung verlief im „Ministerrat“ und im „Europäischen Parlament“ sehr positiv. Die beiden Gremien einigten sich auf die den Kompromiss, zum einen die Flüchtlingsquote durchzuführen und bei Problemen wirtschaftlich schwächere Länder finanziell zu unterstützen. Zum anderen sollen die Grenzen weiterhin kontrolliert werden, allerdings nicht durch Frontex, sondern durch eine neue Agentur, die streng nach den Vorgaben der EU handelt und „nicht die Menschenrechte verletzt.“
Ziel des Planspiels war es, ein besseres Verständnis für politische Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene unter Einbezug von verschiedenen Standpunkten und Ansichten zu vermitteln. „Ich hätte nicht gedacht, dass man bei einem Planspiel so viel Praktisches macht. Es hat wirklich viel Spaß gemacht“, so die Vorsitzende der Europäischen Kommission.

Möglich gemacht wurde das Planspiel vom Landesbüro Rheinland-Pfalz/Saarland der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Bei der Simulation erfahren die jungen Leute hautnah, wie schwierig es ist, im demokratischen System für die eigene Meinung in Debatten einzutreten und Kompromisse auszuhandeln“, berichtet Dr. Martin Gräfe von der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Besonderes Lob gebührte an diesem Tag den „Vorsitzenden“ und „Vizevorsitzenden“ der Institutionen. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. „Ich war zum Einen die Vorsitzende und zum Anderen auch Vertreter meines Landes, diese Doppelrolle war ziemlich anstrengend.“, berichtet Amira, im Planspiel Vorsitzende des Ministerrats und Vertreterin von Italien. (red)


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