Konstanz – Der Erpresser, der in der vergangenen Woche damit gedroht hatte, Lebensmittel in deutschen Geschäften zu vergiften, ist offenbar gefasst worden.
Die bundesweite Erpressung verschiedener Handelskonzerne, die am 16. September mit einer E-Mail an mehrere Handelskonzerne und weitere Adressaten (darunter auch die Polizei) begonnen hatte, endete am Freitagabend mit der Festnahme des 53-jährigen in einer Gemeinde im Landkreis Tübingen, teilten der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger Polizeivizepräsident Uwe Stürmer mit. Der Verdächtige soll ein Einzelgänger und bereits polizeibekannt sein.
Die Ermittlungsbehörden kamen auf die Spur des Mannes, nachdem mehrere konkrete Hinweise auf die Person beim Callcenter des Polizeipräsidiums Konstanz eingegangen waren.
Insgesamt gingen bei der Polizei etwa 1.500 Anrufe und zirka 400 E-Mails ein. In den meisten Fällen handelte es sich um besorgte Bürger, die nachfragten, worauf sie beim Einkauf von Lebensmitteln achten sollen. Allerdings konnten auch rund 300 Hinweise mit unterschiedlicher Qualität entgegengenommen werden, die priorisiert an die Sonderkommission weitergeleitet wurden.
Die konkreten Hinweise aus der Bevölkerung führten zu zielgerichteten Ermittlungs- und Überprüfungsmaßnahmen, die letztlich in der vorläufigen Festnahme des 53-Jährigen durch Spezialkräfte der Polizei mündeten. Anschließend wurde der Tatverdächtige der Sonderkommission in Friedrichshafen überstellt.
Während der Mann sich zuerst ausschwieg, hatten die Ermittler in seiner Wohnung Beweismittel gefunden und sichergestellt.
Verdächtiger gesteht
Mittlerweile hat er die Tat gestanden. Bei der heutigen Vorführung beim Amtsgericht Ravensburg habe er die im Haftbefehlsantrag der Staatsanwaltschaft Ravensburg genannten strafrechtlichen Vorwürfe eingeräumt, teilte die Polizei am Samstagabend mit. Darüber hinaus gab der 53-Jährige vor dem Haftrichter an, keine weiteren vergifteten Lebensmittel in den Handel gebracht zu haben. Gegen den mutmaßlichen Erpresser wurde Untersuchungshaft angeordnet, er kam in eine Justizvollzugsanstalt.
Noch sei viel Ermittlungsarbeit erforderlich, um diesen „bedeutsamen Erpressungsfall“ aufzuarbeiten, so Stürmer und Boger.
Zu Spitzenzeiten waren in der „Besonderen Aufbauorganisation des Polizeipräsidiums“ (BAO Apfel), die eigens zur Bewältigung der Erpresser-Lage eingerichtet wurde, weit über 200 Beamten eingesetzt. Rund um die Uhr sei mit einem „sehr hohen Aufwand“ an diesem Fall gearbeitet worden, um Gefahren für die Verbraucher zu verhindern und den mutmaßlichen Erpresser festzunehmen.
Die Ermittlungsbehörden bedankten für die vielen Hinweise aus der Bevölkerung, ohne deren Mithilfe der rasche Ermittlungserfolg nicht möglich gewesen wäre.
„Leider kann noch keine endgültige Entwarnung geben werden, was das Vorhandensein eventuell weiterer vergifteter Lebensmittel im Handel angeht. Bislang ist nicht sicher bekannt, ob der mutmaßliche Täter nicht doch weitere Produkte vergiftet und in den Handel gebracht hat. Bürgerinnen und Bürger werden daher weiterhin um erhöhte Aufmerksamkeit beim Kauf von Lebensmittelprodukten gebeten. Bei Verpackungen ist nach wie vor auf eventuelle Beschädigungen zu achten“, so die Polizei.
(red)

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