Mittwoch 19.August 2026

Michael Landgraf feierte 65. Geburtstag – Ein Leben für Bildung, Kultur und die Pfalz

24. Juli 2026 | Kategorie: Leute-Regional, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional, Regional

Michael Landgraf mit König Bansah und dessen Frau Gabi.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Neustadt. Am 22. Juli feierte Michael Landgraf mit Familie, Freunden und Wegbegleitern seinen 65. Geburtstag. Der Neustädter ist weit über die Region hinaus in unterschiedlichen Funktionen bekannt: als Studienleiter und Pfarrer im Schuldienst, als Direktor des Pfälzischen Bibelmuseums, als engagierter Kommunalpolitiker und Stadtrat, als überregional bekannter Kulturakteur und Generalsekretär des PEN Deutschland.

Mit über 140 veröffentlichten Buchtiteln, darunter Romane, Kinder- und Jugendliteratur, Fachbücher für Religionspädagogik und Theologie sowie zahlreiche Bücher über seine Heimat, die Pfalz, ist er ein erfolgreicher Schriftsteller sowie der meistübersetzte Autor in Rheinland-Pfalz.

Landgraf ist Kulturbotschafter von Neustadt an der Weinstraße und Träger renommierter Auszeichnungen wie dem Neustadter Kulturpreis (2022), dem internationalen Comenius Award (2018 und 2020) sowie dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2018).

Im Interview spricht Michael Landgraf über sein vielseitiges Wirken, prägende Stationen seines Lebens und darüber, was ihn auch mit 65 Jahren antreibt.

Lebensstationen
Quelle: Einladung

PEX: Herr Landgraf, wenn Sie Ihre Porträt-Fotos der vergangenen Jahre auf Ihrer Geburtstagseinladungskarte ansehen, welche Gedanken kommen Ihnen da?

M.L.: Erinnerungen an die Jahrzehnte kommen auf, in denen ich viel ich erleben und bewirken, aber auch vielen Menschen begegnen durfte. 65 Jahre zu erreichen ist ein Geschenk, und es ist aber auch ein Alter, ab dem man bewusster auf seine Kräften achten und darüber nachdenken sollte, wo man diese genau einsetzt.

PEX:  Auf der Einladung steht auch Ihr Wunsch: Keine Geschenke, dafür soll Geld für ein Hilfsprojekt in Ghana gespendet werden. Was hat es damit auf sich?

M.L.: Vor über 20 Jahren war ich das erste Mal in Ghana, im Rahmen pädagogischer Projekte mit der Partnerkirche der Evangelischen Kirche der Pfalz. Ich schrieb das Kinderbuch „Akwaaba“ und konnte das Land kennenlernen, mit den wunderbaren Menschen, aber auch mit seinen Problemen.

Daher kenne ich die Situation, besonders im Osten Ghanas. Cephas Bansah bin ich bereits als Kind in einem Ludwigshafener Sportverein begegnet, als er noch kein König war. Unser gemeinsames Projekt ist der Bau einer Schule mit Sanitäranlagen und einem Trinkwasserbrunnen in der Region Hohoe, seinem Territorium, das ungefähr die Größe von Rheinland-Pfalz hat.

Ziel ist es, das Projekt in den nächsten beiden Jahren gemeinsam mit den Neustadter Lions und dem Lions Distrikt Mitte-Süd umzusetzen, auch in meiner Funktion als Lions-Distrikt Governor 2027-2028. Daher geht es mit der Sammelaktion nun erst richtig los. Spenden sind herzlich willkommen über das Spendenkonto der Lions Hilfe e.V. Neustadt Weinstraße, IBAN: DE13 5465 1240 1000 7113 49, Sparkasse Rhein-Haardt, BIC: MALADES1DKH, Stichwort: Schule in GHANA

PEX: Langeweile kommt bei Ihnen nie auf. Auf welche Projekte, bzw. Tätigkeiten sind Sie besonders stolz, was ist Ihnen wichtig?

M.L.: Da kommt einiges zusammen: meine berufliche Tätigkeit als Leiter des Religionspädagogischen Zentrums, die Publikationen, Kulturprojekte sowie die ehrenamtliche Tätigkeit in Vereinen und der Kommunalpolitik. Als Religionspädagoge habe ich ein erfülltes Berufsleben mit vielen guten Begegnungen hinter mir, überregionale Ämter habe ich abgegeben, auch die Lehraufträge an der Uni, denn bald steht die Pension an.

Als Schriftsteller freue ich mich über inzwischen 140 Buchtitel, von Romanen über Lyrik, Kinder- und Schulbücher bis zu Reiseführern über die Pfalz. Schreiben ist für mich ein wichtiger kreativer Akt. Dass Werke von mir in 35 Sprachen übersetzt vorliegen und rund um die Welt zu haben sind, hat schon was. Es gibt immer noch Dinge, die mich reizen, sie niederzuschreiben und in Buchform zu präsentieren, und Verlage fragen an, das ist fein.

Kulturprojekte, von der großen Festivalmoderation und der Orga eines Leseweltrekords bis zu kleinen Kulturveranstaltungen auf lokaler Ebene reizen mich sehr. Ich bin gern mit Vorträgen oder Lesungen unterwegs, oft auch mit musikalischer Begleitung.

Damit solche Projekte überhaupt umgesetzt werden können, bin ich in Vereinen und Stiftungen sowie kommunalpolitisch aktiv. Bei mir fing es mit der Jugendarbeit an, seit ich 1999 nach Neustadt kam, durfte ich das Bibelmuseum aufbauen und nun rund 25 Jahre leiten.

Meine Ehrenämter sind vielfältig, herausfordernd ist die Arbeit beim deutschen PEN als Generalsekretär, Spaß macht mir vor allem die Kulturarbeit in Neustadt, wo ich viele Akzente setzen konnte.

Michael Landgraf mit seiner Mutter (stehend), die in Griechenland lebt und für den Geburtstag ihres Sohnes nach Deutschland gekommen ist.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

PEX: Können Sie überhaupt noch ausspannen und wenn ja, wie?

M.L.: Ich spanne gerne bei Gedankenreisen aus, die gerne dann in Papierform erscheinen. Schon als Kind brauchte ich immer eine Burg oder eine Sehenswürdigkeit als Ziel, wenn man mich zu einer Wanderung nötigte (lacht).

PEX: Sie sind ja ein echter Pälzer Bu und ein anerkannter Experte für die Pfalzgeschichte und den Pfälzer Dialekt. Was ist denn der Reiz der Region und des Dialekts? Was macht ihn so besonders?

M.L.: Die Pfalz ist für mich ein Phänomen: es gibt sie in der Form gerade mal 200 Jahre, und dennoch entstand ein Pfalzgefühl, deutlich erkennbar in Kleidungsstücken, mit denen gezeigt wird, dass man zur Pfalz gehört. Auch strömen inzwischen viele zu Pfälzer Bands wie die Anonyme Giddarischde oder Woifeschdkänisch und singen frenetisch uff Pälzisch die Lieder mit. Das werde ich in meinem neuen Buch „Kleine Geschichte der Pfalz“, das am 15. September in der SGD Süd in Neustadt präsentiert wird, herausarbeiten, denn unter Pfalz verstand man viele Jahrhunderte etwas anderes.

Das Pfälzische, das sich aus dem Rheinfränkischen ableitet und mit vielen lateinischen, jiddischen und französischen Begriffen gespickt ist, ist meine Muddersprooch. Die spreche ich sehr gerne und vermittle sie auch anderen in Form von Büchern, Filmen, Seminaren, Volkshochschulkursen oder Unterhaltungsabenden. Daher war ich sehr dankbar, dass ich den Pfälzisch-Band des Duden-Verlags verfassen durfte. Das Pfälzische ist für mich ein wichtiger Aspekt eines Lebensgefühls, das ich mit der Region verbinde – offen und herzlich, schnörkellos und nahbar.

PEX: Im Alter von 15 Jahren haben Sie sich schon in der Jugendarbeit und Kinderkirche engagiert. Was hat Sie denn dazu bewogen, später beruflich den Weg einzuschlagen? Welche Motivation oder Philosophie steckt dahinter?

M.L.: Beruflich bin ich da gelandet, wo ich viel mit Menschen zu tun habe und wo mir große Lebensfragen begegnen: Wo komme ich her, wo gehe ich hin und welchen Sinn hat es zwischendrin. Über solche Fragen mit Kindern und Jugendlichen zu philosophieren sowie in der Lehrerfortbildung oder an der Uni Menschen auf solche theologisierenden Gespräche vorzubereiten, macht mir eine große Freude. Theologie und Philosophie tun gut daran, nicht an Antworten zu kleben, sondern sich an Fragen der Menschen zu orientieren.

PEX: Gibt es Wünsche, die Sie sich zukünftig erfüllen möchten?

M.L.: Mir liegt noch ein großer historischer Roman in der Nase wie der 2016 erschienene „Der Protestant“. Da der allerdings viel Zeit braucht, um ihn rund werden zu lassen, muss ich ruhigere Zeiten abwarte. Nach der Pension bin ich erst einmal ein Jahr Governor bei den Lions, dann schaumermal. Ich lasse gerne Dinge auf mich zukommen.

PEX: Das Resümee eines Lebens kann und soll jetzt noch nicht von Ihnen gezogen werden, aber vielleicht gibt es Erkenntnisse, die auch anderen Menschen hilfreich sein können.

M.L.: Für mich gibt es da nur eins: „Carpe diem“ – „nutze“ oder besser „pflücke den Tag“. Ich finde es spannend, was jeder Tag bietet, man muss die vielen Früchte, die einem auf dem Weg des Lebens begegnen, dankbar annehmen.

Landgraf im Kreis der Gäste. Bis zum Abend hatten ihm etwa 200 Personen persönlich gratuliert.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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