
Privataudienz von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei Papst Franziskus.
Bilder: L’Osservatore Romano
Rom – Tief beeindruckt zeigte sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach der Privataudienz, die ihr Papst Franziskus im Vatikan gewährt hat.
„Papst Franziskus ist ein überaus kluger, lebenserfahrener und einfühlsamer Mann, den die Nöte und Sorgen der Menschen zutiefst berühren und dem nichts Menschliches fremd ist“, sagte die Ministerpräsidentin.
Das halbstündige Vier-Augen-Gespräch mit dem Papst habe ihr die Gelegenheit gegeben, ihm das Land Rheinland-Pfalz und seine Menschen näherzubringen.
Die Ministerpräsidentin erläuterte Papst Franziskus auch die Grundzüge ihrer Politik: „In Rheinland-Pfalz praktizieren wir eine inklusive Politik. Wir arbeiten dafür, dass jeder Mensch seinen Platz mitten in der Gesellschaft findet – gleichgültig woher er kommt.“
Der Heilige Vater habe Ministerpräsidentin Malu Dreyer darin gestärkt, ihre Politik weiter in diesem Sinn fortzusetzen. Sie berichtete dem Papst auch von dem guten Verhältnis zwischen der Landespolitik und den Kirchen in Rheinland-Pfalz. Malu Dreyer: „Wir schätzen dieses enge und vertrauensvolle Verhältnis sehr.“
„Wir haben auch über die Situation der Flüchtlinge gesprochen und ich habe dem Papst versichert, dass das Land Rheinland-Pfalz alles dafür tut, dass die Menschen, die Zuflucht suchen, bei uns Schutz finden“, sagte die Ministerpräsidentin.
Als Zeichen dafür hatte sie dem Papst ein besonderes Gastgeschenk mitgebracht: Sie habe den katholischen Bischöfen in Rheinland-Pfalz vorgeschlagen, gemeinsam zu einem Fonds zur Unterstützung syrischer Familien in Rheinland-Pfalz aufzurufen.
In Deutschland haben syrische Familien die Möglichkeit, bedrohte Familienangehörige aufzunehmen, wenn sie sich verpflichten, die Lebenshaltungskosten für sie alle zu übernehmen. Mit Geldern aus diesem Fonds sollen die betroffenen Familien unterstützt und ihnen damit die Entscheidung erleichtert werden, ihre Familien im sicheren Deutschland zu beherbergen.
Als weiteres Gastgeschenk überreichte die Ministerpräsidentin dem Papst einen persönlichen Brief einer Frau aus Boppard. Bei ihrer Familie wohnte der Papst während seines Aufenthaltes in Boppard. Papst Franziskus lernte 1985 für zwei Monate Deutsch am dortigen Goethe-Institut. „Der Papst zeigte sich sehr gerührt von diesem persönlichen Brief“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Er habe sich gut an diese Zeit erinnert und habe noch sehr positive Erinnerungen.
Die Ministerpräsidentin nutzte das Gespräch zudem, um kirchliche Themen, die in Deutschland in den vergangenen Wochen im Zusammenhang mit der Außerordentlichen Bischofssynode auch öffentlich diskutiert wurden, anzusprechen.
Dabei drückte sie ihre Hoffnung auf die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten aus. „Der Ausschluss von den Sakramenten ist für viele Betroffene und ihre Familien eine harte lebenslängliche Sanktion. Dies sollte überdacht werden.“
Auch das Problem der Diskriminierung von homosexuellen Menschen sieht die Ministerpräsidentin mit der Bischofssynode nicht gelöst. Darüber hinaus habe sie die Stellung der Frauen in der Katholischen Kirche angesprochen, die aus ihrer Sicht dringend am berechtigten Anspruch der Frauen auf Gleichberechtigung in allen Bereichen ausgerichtet werden müsse.
„Papst Franziskus steht wie kein anderer seiner Vorgänger dafür, den Lebensalltag der Menschen wieder näher an die Kirche zu bringen. Für diese Aufgabe hat er meine volle Unterstützung“, sagte die Ministerpräsidentin.
Im Anschluss an die Audienz traf Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Begleitung der Deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, zu einem Gespräch mit dem Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zusammen. Auch hier war das Thema die Situation der Flüchtlinge.
Außerdem stellte die Ministerpräsidentin die besondere Partnerschaft von Rheinland-Pfalz und Ruanda vor. „Uns verbindet seit 1982 eine Graswurzelpartnerschaft, die auf allen gesellschaftlichen Ebenen gewissermaßen von den Menschen für die Menschen gelebt und stetig ausgebaut wird“, sagte die Ministerpräsidentin.
Zuvor hatte die Dreyer Gelegenheit zu einem Gespräch mit Kardinal Kasper, dem emeritierten Kurienkardinal und ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen, in dem sie erneut bekräftigte, dass ihr als Christin die Ökumene besonders am Herzen liegen.
Die Romvisite gab der Ministerpräsidentin anschließend die Möglichkeit zum Besuch der berühmten Sixtinischen Kapelle.
Begleitet wurde Malu Dreyer von einer Delegation, der Bildungsministerin Doris Ahnen, der Leiter des Katholischen Büros am Sitz der Landesregierung in Mainz, Dieter Skala, und ihr Ehemann, der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, angehörten. (stk/red)


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