Dienstag, 18. Februar 2020

Landauer Zoo bemüht sich um mehr Barrierefreiheit – demnächst Führungen für Gehörlose

17. August 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Landau
V.li.: Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel, Gebärdendolmetscherin Silke Gold, Zoodezernent Rudi Klemm beim Pressetermin im Zoo. Foto: Stadt Landau

V.li.: Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel, Gebärdendolmetscherin Silke Gold, Zoodezernent Rudi Klemm beim Pressetermin im Zoo.
Foto: Stadt Landau

Landau – Er ist eine der Vorzeigeeinrichtungen der Stadt Landau – und soll künftig allen Besuchern gleichermaßen zugänglich sein: Der Landauer Zoo.

Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel hat mit dem Beigeordneten und zuständigen Dezernenten Rudi Klemm die Bemühungen des Zoos um mehr Inklusion und Barrierefreiheit vorgestellt.

„Es ist ein hoher Anspruch, den wir an uns selbst stellen“, betonte Heckel. „Nicht alle Maßnahmen, die wünschenswert sind, können auch sofort umgesetzt werden – schon alleine aus finanziellen Gründen. Mittel- und langfristig wollen wir aber eine inklusive Einrichtung werden, von deren Angeboten alle Menschen profitieren können.“

Erste Schritte auf diesem Weg sei man bereits gegangen, so Heckel weiter. Entstanden sei ein Maßnahmenkatalog, den man jetzt Schritt für Schritt abarbeiten wolle.

Unter anderem hat der Zoo bereits den bestehenden Zooplan überarbeitet, um Steigungen und Treppen für Menschen mit Rollstuhl besser erkennbar zu machen; er hat Tastobjekte von Tierspuren anfertigen lassen, Leuchtstreifen an Hinweisschildern angebracht und einige „Stolperfallen“ beseitigt. Auch wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Führung speziell für Gehörlose angeboten, die in diesem Jahr am 21. August wiederholt wird. „Wir sind auf einem guten Weg“, befand Heckel. „Auch wenn es natürlich noch viel zu tun gibt.“

Um über die Führung am 21. August zu informieren, war auch Diplom-Gebärdendolmetscherin Silke Gold nach Landau gekommen. Sie wird die von Revierinspektor Gregor Müller gehaltene Führung simultan in Gebärdensprache übersetzen.

Gold klärte auch über die Welt der Gehörlosen auf. „Menschen ohne Gehör bilden eine eigene Kultur- und Sprachgemeinschaft. Die Gebärdensprache ist mittlerweile als vollwertige Sprache anerkannt, hat eine eigene Grammatik und eine eigene Kultur. In Deutschland sind wir noch nicht so weit wie in den USA oder Großbritannien, wo es Gehörlosen-Unis gibt – auch bei uns werden aber immer mehr Veranstaltungen für Gehörlose angeboten.“

In ihrem kleinen Exkurs erläuterte Gold auch, dass die Mimik bei der Gebärdensprache eine wichtige Rolle spiele – so würden Fragen etwa durch das Heben der Augenbrauen signalisiert. „Faszinierend“, befanden Heckel und Klemm. Beide regten an, künftig regelmäßig Zooführungen für Gehörlose anzubieten und dieses Angebot vielleicht sogar auf Führungen und Workshops speziell für gehörlose Kinder auszubauen.

Gold betonte aber auch, dass gehörlose Menschen oft eine schlechtere Schulbildung hätten als Menschen ohne Behinderung. Daher stellte sie eine Pressemeldung für die bevorstehende Führung in vereinfachter Sprache vor. „Gebärdensprache arbeitet viel mit Bildern. Daher ist es wichtig, immer Beispiele zu nennen. Wörter wie „nunmehr“ ergeben für Gehörlose keinen Sinn – sie habe ich ersetzt oder ganz weggelassen.“

Die Führung für Gehörlose findet am 21. August ab 14 Uhr statt. Unter dem Motto „So läuft’s im Zoo – auch hinter den Kulissen“ erfahren gehörlose Menschen unter anderem alles über die Artenschutzbemühungen des Zoos sowie über die Fütterung der Zootiere.

Die Führung ist kostenlos, lediglich der reguläre Zooeintritt ist zu entrichten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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