
Symbolbild: Pfalz-Express
Landau. Ein Bürger aus Landau (Name ist der Redaktion bekannt) hat sich in einem Schreiben an den Pfalz-Express gewandt, um auf eine seiner Meinung nach versteckte Preiserhöhung im neuen Gebührenmodell des Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebs Landau (EWL) für die Abfallentsorgung aufmerksam zu machen.
Das Modell, das ab Januar 2026 in Kraft tritt, soll laut EWL eine faire und umweltfreundliche Abrechnung ermöglichen, indem es die Anzahl der Leerungen berücksichtigt.
Der Betroffene kritisiert jedoch, dass es für viele Haushalte zu einer Verdopplung der Kosten kommen könnte, ohne dass dies im Informationsschreiben klar kommuniziert werde.
Der Bürger, der anonym bleiben möchte, beschreibt seinen Fall: Bisher zahlt er für eine 80-Liter-Restmülltonne ohne Bioabfalltonne 13,80 Euro pro Monat bei zweiwöchentlicher Leerung, was einem Jahresbetrag von 165,60 Euro entspricht. Ab 2026 umfasst die neue Jahresgebühr 118,80 Euro inklusive zehn Leerungen.
Um den gewohnten Rhythmus von etwa 26 Leerungen im Jahr beizubehalten, müssten 16 zusätzliche Leerungen à 13,70 Euro hinzukommen, was zu Gesamtkosten von 338 Euro führen würde – eine Steigerung um über 100 Prozent.
„Man spart nur Geld, wenn man maximal 13 Leerungen im Jahr hat, was allerdings fern jeglicher Realität ist“, erklärt der Bürger.
Er betont, dass seine Familie, die aus vier Personen besteht, keine Bioabfalltonne benötige, da sie einen großen Komposthaufen habe, und die Restmülltonne stets voll sei. „Da werden wir keine Leerung auslassen können. In meinem Fall wird es definitiv eine Erhöhung um 100 Prozent sein.“
Besonders ärgerlich findet er die Darstellung im EWL-Anschreiben: „Dass es sich effektiv für die meisten um eine Preisverdoppelung handelt, wird nicht erwähnt. Es wird nur davon gesprochen, dass man etwas einsparen kann. Es wird hier eine absolut unverschämte Preiserhöhung hinter einer Änderung des Preismodells versteckt.“
Laut offiziellen Angaben sind in der Jahresgebühr zehn Leerungen enthalten, und jede weitere wird separat abgerechnet. Für eine 80-Liter-Tonne ohne Bioabfall beträgt die Basisgebühr 118,80 Euro pro Jahr, zuzüglich 13,70 Euro pro Extra-Leerung.
Das EWL argumentiert in seinem Anschreiben an die Bürger, dass Haushalte durch bessere Trennung – etwa durch Nutzung der Biotonne oder Recycling – Leerungen einsparen und somit Kosten senken könnten.
Tonnen mit Chips erfassen jede Leerung automatisch, und der Abfuhrrhythmus bleibt zweiwöchentlich, wobei die Tonne nur bei Bedarf bereitgestellt werden muss.
Der Bürger vermutet, dass die Präsentation des Modells bewusst so gestaltet sei, dass Viele die tatsächliche Erhöhung nicht bemerken: „Wer das nicht so penibel nachrechnet, wird die Preiserhöhung gar nicht mitbekommen. Ich unterstelle, dass genau das die Absicht bei der Modelländerung war.“
In der zwischenzeit hatte sich noch ein anderer Bürger beim Pfalz-Express gemeldet, der ebenfalls beim EWL deswegen schriftlich seine Bedenken geäußert hat.
Das EWL betont in seinen Materialien, dass das Modell fairer sei und Umweltschutz belohne, da nur etwa 60 Prozent des Inhalts tatsächlich Restabfall seien.
Weitere Details zum Modell finden sich auf der Website des EWL.
Hier die angefragte Stellungnahme des EWL zu diesen Vorwürfen
Ziel und Grundprinzip der Umstellung
Ab 2026 stellt der Entsorgungs- und Wirtschaftsbetrieb Landau (EWL) bei der Entsorgung des Restabfalls auf eine leerungsbasierte Gebührenabrechnung um. Dieses Modell verteilt die Kosten der kommunalen Abfallentsorgung nun verursachungsgerecht auf die Nutzerinnen und Nutzer und setzt zugleich ein klares Lenkungssignal.
Wer künftig noch besser trennt und die Restabfalltonne nur bei Bedarf bereitstellt, kann die Zahl der kostenpflichtigen Restabfallleerungen reduzieren. Das schont Ressourcen und kann die eigene Haushaltskasse entlasten. Jede Leerung wird über einen Chip am Behälter erfasst. Der generelle Abfuhrrhythmus bleibt zweiwöchentlich. Die Tonne muss nur dann bereitgestellt werden, wenn tatsächlich eine Leerung notwendig ist. Dieses Vorgehen folgt dem Verursacherprinzip.
Reaktion auf den Vorwurf einer versteckten Preiserhöhung
Den Vorwurf einer versteckten Preiserhöhung weisen wir zurück. Die Anpassung der Abfallgebührensatzung und die neuen Gebührensätze für das Jahr 2026 wurden am 08.10.2025 im Verwaltungsrat des EWL beschlossen. Die Zustimmung des Stadtrats erfolgte am 18.11.2025.
Die Beschlüsse sind öffentlich erfolgt und wurden auch entsprechend kommuniziert. Ein unmittelbarer Vergleich alter Monats- oder Rhythmusgebühren mit den neuen leerungsbasierten Entgelten ist nicht möglich. Denn im neuen System werden die Tonnen in der Regel seltener bereitgestellt werden –dafür aber jeweils einen höheren Füllstand haben. Die Restabfallmengen in Landau werden also insgesamt sinken und dabei umweltschonend und kosteneffizient auf weniger Leerungen verteilt werden.
Kostenentwicklung und Kalkulation
Gemäß § 8 des Kommunalabgabengesetzes sind wir als Abfallentsorger dem Kostendeckungsprinzip verpflichtet. Die Gebühren müssen die voraussichtlichen Aufwendungen decken und dürfen diese nicht überschreiten. Für das Jahr 2025 haben wir ein Gebührenaufkommen von 5,222 Millionen Euro veranschlagt. Für 2026 rechnen wir mit 6,047 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von 15,8 Prozent. Die Kostensteigerungen entfallen im Wesentlichen auf gestiegene Entsorgungs-, Energie- und Personalkosten, ein erhöhtes Restabfallaufkommen sowie den Anstieg der CO₂-Abgabe. Mit dem neuen Abrechnungssystem verteilen sich diese Kosten nun künftig nach dem Verursacherprinzip, denn jeder Haushalt kann durch Abfalltrennung und -vermeidung seine Abfallgebühren individuell steuern und senken.
Einordnung der Beispielrechnung des Lesers
Für eine 80-Liter-Restabfalltonne ohne Biotonne im zweiwöchentlichen Rhythmus betrug die Monatsgebühr bisher 13,80 Euro. Für das Jahr 2025 ergibt sich daraus eine Gesamtgebühr von 165,60 Euro. Ab 2026 beträgt die Jahresgrundgebühr 118,80 Euro. Darin sind zehn Leerungen enthalten. Jede zusätzliche Leerung kostet 13,70 Euro. Die im Leserschreiben genannte Hochrechnung auf 26 Leerungen und Gesamtkosten von 338 Euro ist rechnerisch korrekt.
Tatsache ist allerdings: Wer im bisherigen pauschalen Jahresgebührensystem bei jeder möglichen Leerung eine zu 100 Prozent gefüllte Restabfalltonne bereitstellte, wurde von anderen Haushalten, die weniger Restabfall produzierten, mitsubventioniert.
Das widerspricht aber jedem Gerechtigkeitsgefühl und dem Verursacherprinzip. Denn in der Praxis wurden im Durchschnitt in Landau 80-Liter-Behälter auch bisher schon im zweiwöchentlichen Tarif nur etwa 23 Mal pro Jahr geleert. Diese bedarfsorientierte Bereitstellung spart künftig Geld: Wer Restabfall vermeidet und die Tonne nur bei tatsächlichem Bedarf bzw. Füllgrad bereitstellt, kann Leerungen künftig gezielt auslassen und dadurch seine Abfallentsorgungskosten senken.
Rolle der Biotonne und rechtlicher Rahmen
Die getrennte Erfassung von Bioabfällen ist gesetzlich vorgeschrieben. Sie dient der Rückgewinnung von Nährstoffen, der Gewinnung von erneuerbarer Energie und der Vermeidung von Klimagasen. Nicht alle Bioabfälle lassen sich umweltgerecht im Garten kompostieren. Insbesondere tierische Küchenabfälle gehören in die Biotonne. Unsere Restabfallanalysen zeigen, dass in Haushalten ohne Biotonne im Durchschnitt mehr als die Hälfte des Restmülls aus wertvollen Bioabfällen besteht.
Vor diesem Hintergrund wurde die bisherige Möglichkeit der Befreiung aus der Satzung gestrichen und die Pflichtbiotonne eingeführt. Neue Befreiungen können seit 2024 nicht mehr erteilt werden. Bestehende Befreiungen entfallen, wenn die Voraussetzungen wegfallen oder sich Eigentumsverhältnisse ändern. Uns ist bewusst, dass Haushalte, die bisher von der Biotonne befreit waren, überdurchschnittliche Gebührensteigerungen verzeichnen. Das ist keine verdeckte Maßnahme. Es ist eine von uns offen kommunizierte Folge der konsequent verursachergerechten Abrechnung und der Pflicht zur getrennten Bioerfassung.
Konkrete Auswirkungen für Haushalte
Auch im bisherigen System wurden Restabfalltonnen im zweiwöchentlichen Tarif nicht von allen Haushalten bei jeder Tour bereitgestellt. Für 80-Liter-Behälter lag die Bereitstellung im Durchschnitt zwischen 85 und 89 Prozent. Das entspricht etwa 22 bis 23 Leerungen pro Jahr. Im leerungsbasierten System kann nun jeder Haushalt mit der Leerung warten, bis die Tonne tatsächlich voll ist.
Dadurch steigt künftig der durchschnittliche Füllgrad pro Leerung, was dazu führen wird, dass im Durchschnitt weniger Leerungen erfolgen müssen. Wer Bio- und Wertstoffe konsequent trennt und die Restabfalltonne nur bei Bedarf bereitstellt, senkt die Zahl der kostenpflichtigen Leerungen in der Regel spürbar. Außerdem wird die Biotonne weiterhin in den Sommermonaten und bis Ende November wöchentlich geleert und entlastet auf diese Weise die Restabfalltonne deutlich.
Wir verstehen, dass die Umstellung auf eine leerungsbasierte Abrechnung Fragen und auch Kritik auslösen kann. Unser Ziel als EWL ist eine rechtssichere, wirtschaftliche und ökologische Abfallwirtschaft für alle Haushalte in Landau. Wir beraten deshalb im Rahmen des neuen Systems gern individuell zu Tonnengröße, Abfalltrennung und optimalem Bereitstellungsverhalten. Gemeinsam finden wir Lösungen, die Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen berücksichtigen.
Das neue Gebührenmodell ist kein versteckter Aufschlag. Es handelt sich um einen transparenten Systemwechsel hin zu einer verursachergerechten und umweltorientierten Abrechnung. Für Konstellationen ohne Nutzung der Biotonne können die Kosten steigen, wenn das bisherige Verhalten unverändert bleibt. Gleichzeitig eröffnet das Modell vielen Haushalten die Möglichkeit, durch bessere Trennung und bedarfsgerechte Bereitstellung zu sparen. Wir stehen für Fragen zur Verfügung und begleiten die Umstellung mit Beratung und Service.
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



SÜW – Im Landkreis SÜW wird die Biotonne künftig schon ab Mai wöchentlich geleert. Das teilte die Kreisverwaltung mit. Mehrkosten für die ...
Kreis Germersheim – Die Bewohner des Landkreises Germersheim können sich über eine Gebührensenkung bei der Biomüll-Abfuhr freuen. Der Verkauf des Müllheizkraftwerks (MHKW) ...
Kreis Germersheim – Ab sofort werden die Biotonnen im Kreis Germersheim wöchentlich geleert. Landrat Dr. Fritz Brechtel kündigte an, dass der Servicezeitraum ...
Landau. Die Kulturabteilung der Stadtverwaltung hat auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und dem Beschluss des Kulturausschusses die moderate Erhöhung der Preise ...
SÜW – Die Bürger des Landkreises Südliche Weinstraße können sich freuen: Ab dem Jahr 2024 werden die Gebühren für die Wertstoffwirtschaft deutlich ...
Landau. Sozialminister Alexander Schweizer, Landaus Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer und Thomas Hirsch, der Verwaltungsratsvorsitzende des EWL werden am Donnerstag (10. April) um 11 ...
Nach der Preiserhöhung zum Jahreswechsel ist die Zahl der Nutzer des Deutschlandtickets um mehr als eine Million eingebrochen. Das berichtet die „Frankfurter ...
SÜW – Diese Nachrichten dürften die Bürger im Landkreis Südliche Weinstraße freuen: Die Müllgebühren können im Jahr 2021 gesenkt werden. Das betrifft ...
SÜW – Ab Januar 2025 können Haushalte im Landkreis Südliche Weinstraße eine Gelbe Tonne für Leichtverpackungen nutzen – jedoch nur auf freiwilliger ...
Wörth – Die geplante Erhöhung der Schulessenpreise an den städtischen Grundschulen sorgt für Diskussionen. Während die Stadtverwaltung eine Anhebung um bis zu 40 ...
Landau. Der Ratssaal zeigte sich mal wieder viel zu klein: Am Ratsdienstag mussten Bürger „draußen“ bleiben. Aus Gründen des Brandschutzes könne man ...
Landau. „Bürger-Information geht anders“, so die Bürgerinitiative „LANDAUER bauen ZUKUNFT“. Die BI findet in ihrer Nachlese zur Bürger-Infoveranstaltung vom 28. April zur ...












