
Rundumschlag zum politischen Gegner: Altkanzler Helmut Kohl.
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) macht in einem demnächst erscheinenden Buch die rot-grüne Regierung unter seinem Nachfolger Gerhard Schröder (SPD) für die Schuldenkrise in Europa verantwortlich.
Kohl kreidet der Nachfolgeregierung zwei schwere Fehler an. Sie habe Griechenland zu früh in die Eurozone aufgenommen und den Euro-Stabilitätspakt aufgeweicht. „Beide Entscheidungen gehören zu den wesentlichen Fehlentwicklungen, die wir in der EU, im Euroraum, in einzelnen Mitgliedstaaten und darüber hinaus insgesamt erleben müssen und zu Recht beklagen“, schreibt Kohl in einem von der F.A.S. veröffentlichten Auszug.
Diese Fehlentwicklungen seien dann von Fehlentscheidungen an den Finanzmärkten noch verstärkt worden. Kohl geht mit der rot-grünen Regierung hart ins Gericht: „Was hier passiert ist, ist wirklic h ein Schandstück deutscher Politik und zugleich ein Verrat an der engen deutsch-französischen Zusammenarbeit, die sich – wie hier geschehen – niemals gegen den Stabilitätspakt hätte wenden dürfen.“
Der frühere Bundeskanzler weist die Kritik zurück, Konstruktionsfehler beim Euro oder beim Bau Europas hätten zur Schuldenkrise geführt. Er sei vielmehr froh darüber, „den Euro als feste Klammer für Europa zu haben“.
Die mit dem Euro verbundenen Hoffnungen für eine tiefere europäische Zusammenarbeit würden sich erfüllen, „wenn wir beim Euro Schritt für Schritt, aber schnellstmöglich wieder zu einer Gemeinschaft der Stabilität und der Rechtstreue zurückkehren“, mahnt Kohl.
Er schreibt, dass die EU nun solidarisch zu Griechenland stehen müsse. Zugleich betont er, dass es mit ihm als Bundeskanzler keine Zustimmung gegeben hätte, Griechenland von Anfang an in den Euroraum aufzunehmen. Das Land habe sich schon damals in einer Situation befunden, „die jedem, der genauer hinsah, nicht verborgen geblieben sein konnte, und an Warnungen hat es auch nicht gefehlt“, so Kohl.
Kohls Buch „Aus Sorge um Europa“ erscheint am kommenden Mittwoch. Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker stellt es am Montag in Frankfurt gemeinsam mit Kohl vor. (dts Nachrichtenagentur)

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