Freitag 23.Oktober 2026

Kandel: Tilman Birr durchleuchtet deutsche Mentalitäten

Kabarettabend im vollbesetzten Kultursaal – Kukuk-Jahresprogramm 2025 liegt vor

11. November 2024 | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Kultur

Timan Birr bot zwei Stunden beste Unterhaltung.
Foto: Pfalz-Express

Kandel – „Ich heiße tatsächlich so, das ist kein Künstlername“, stellte Tilman Birr klar und erntete die ersten Lacher. Im vollbesetzten Kultursaal der Stadthalle präsentierte der fernsehbekannte Kabarettist am 9. November auf Einladung des Vereins für Kunst und Kultur in Kandel e.V. (Kukuk) sein aktuelles Programm „Birr Royal“.

Manche verwechselten seine Namen und sprächen ihn mit „Herr Tilman“ an, in Frankreich mit Akzent auf der letzten Silbe: Tilmán. „Ich habe sowieso den Eindruck, in Frankreich ist es gesetzlich verboten ein Wort anders zu betonen als auf der letzten Silbe“, vertiefte der Spötter das Thema: „Jeder nichtfranzösische Name wird sofort unverständlich, sobald ein Franzose ihn ausspricht.“ Die erheiternden Beispiele, die Birr gab, sollte man live hören, die schriftliche Wiedergabe wäre ein matter Abglanz.

Aber der Blick nach Frankreich war nur Vorspiel, Aufwärmphase sozusagen, eine ironische Hommage an den nahen Nachbarn. Denn Birrs eigentliches Subjekt sind die Deutschen und ihre Schwächen, natürlich auch beim Fremdsprachengebrauch. „Wenn Deutsche Fremdsprache sprechen, merkt man nicht nur, dass sie aus Deutschland kommen, sondern auch noch, woher aus Deutschland.“ Es scheint da Abstufungen zu geben. Birr machte das vor. Der gebürtige Frankfurter imitierte einen Hessen, der Shakespeare zitiert. Das Publikum hatte seinen Spaß.

Foto: Pfalz-Express

Wichtig für einen Akzent sei aber auch, dass man die regionale Grundhaltung dahinter richtig hinbekommt, die Lebenseinstellung, die „Attitude“, wie der Fachmann sich ausdrückt.

Die hessische Attitude charakterisierte Birr als „eine Mischung aus Unverständnis, aber gleichzeitig absoluter Selbstüberzeugung: „Ich versteh des alles net, aber sache mer mol so: An mir kann es nit liche.“ Köstliche Imitationen in anderen Dialekten folgten. Und der Röntgenblick des Komikers drang in immer tiefere Bereiche des Alltags vor.

Im flotten Wechsel zwischen Wort- und Liedbeiträgen am E-Piano brillierte Birr zwei Stunden als Kabarettist der ersten Liga. Trotz teils beklemmender Befunde zu Freizeitbeschäftigungen, Arbeitswelt, FKK und anderen Themen gelang es dem Komiker, das Publikum in nachhaltig heitere Stimmung zu versetzen. Humor ist, so wurde klar, eine Lebenseinstellung, die hilft, mit vielem zurechtzukommen.

Es war der letzte Kabarettabend des Kukuk im laufenden Kalenderjahr, wie die Vorsitzende Sabine Aufdermauer bei der Begrüßung ausführte. Aber der Kukuk war fleißig und hat für 2025 ein neues Jahresprogramm zusammengestellt. Karten für kommende Veranstaltungen sind jetzt schon – auch als Weihnachtsgeschenk – im Vorverkauf zu erwerben.

Foto: Pfalz-Express

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