
Vertreter der Stadt waren ebenfalls gekommen, um das neue Kunstwerk zu besichtigen. In der Mitte der Erschaffer der „Reinigung“, Benjamin Burkard, links Stadtbürgermeister Michael Niedermeier.
Fotos: v. privat
Kandel – Der Kandeler Künstler Benjamin Burkard hat am Samstagmorgen zusammen mit Stadtbürgermeister Michael Niedermeier sein neues Kunstwerk „Die Reinigung“ vor der Stadthalle enthüllt. So mach einer dürfte mächtig gestaunt haben, denn das Werk ist – eine goldfarbene Guillotine.
Der Hintergrund: Die Stadt hat sich auf Vorschlag von des Stadtbürgermeisters mit einem einstimmigen Beschluss des Stadtrats dafür ausgesprochen, sich dem Netzwerk „Cities for Life / Städte für das Leben – Städte gegen die Todesstrafe“ anzuschließen.
Damit reiht sich die Stadt Kandel ein in eine internationale Gemeinschaft von Städten, die sich gemeinsam gegen die Todesstrafe aussprechen. Das aus der französischen Revolution bekannt gewordene Hinrichtungsinstrument passt als Mahnmal dazu, auch wenn es vielleicht auf den ein oder anderen irritierend, provozierend oder gar schockierend wirkt.
Burkard selbst sieht in künstlerischen Konstrukten unter anderem etwas, das durch seine Platzierung im öffentlichen Raum etwas verändert. „Es irritiert die Wahrnehmung und lässt uns zu mancher Zeit unsere Gewohnheit ungewohnt erscheinen. Kunst muss Irritieren. Kunst muss kritisieren. Kunst muss Ästhetisieren. Und im besten Fall alles zusammen. Kunst ist so gesehen das schönste und das hässlichste in einem Atemzug.“
Künstlerische Freiheit im Ausdruck und in der Kreativität seien nicht überall auf der Welt selbstverständlich, so Burkard. Es sei von großen Wert, in diesem Teil der Welt nach freier Kunst leben zu dürfen.“ Und sie ist wichtig, fast schon so wichtig, dass wir gar vergessen, was wir daran haben.“
Freiheit sei schon fast selbstverständlich geworden. Die Selbstverständlichkeit eines friedlichen und freiheitlichen Gefühls sei aber auch gleichsam ein Problem, weil man sich mögrlicherweise darauf ausruhen würde. „Und wer sich ausruht, der wächst nicht.“
Die Todesstrafe, die getaktete, bewusste und vorsätzliche Beendigung eines Lebens aufgrund eines Verbrechens, zeige ein eher mittelalterliches Relikt, das auch Jahre 2019 in 56 Ländern noch intakt ist, so der Künstler. „Auge um Auge, Zahn und Zahn. Ein Leben für ein Leben. Ist das noch zeitgemäß? Sind wir als Menschen nicht nur technisch, sondern auch moralisch gewachsen? Oder haben wir uns auf unserer Selbstverständlichkeit von Freiheit ausgeruht? Oder haben wir es nur auf sich beruhen lassen, sich ständig daran zu erinnern? Wir müssen uns solchen Fragen immer und immer wieder stellen, um zu wachsen.“

Die Reinigung“ sei ein Sinnbild für ein solches Wachstum. „Es ist eine Skulptur, welche einer mittelalterlichen Guillotine nachempfunden ist. DAS Sinnbild schlechthin für die Todesstrafe zur Zeit der französischen Revolution.
Tatsächlich war die Guillotine das erste Mordinstrument in der Geschichte der Menschheit, das auf „humane“ Art die Hinrichtung hunderter Menschen abfertigte, schnell und effektiv.
Doch Benjamin Burkard hat letztendlich zwei Dinge verändert. „Einmal habe ich eine Vergoldung hinzugefügt, und zum anderen das Schnittmesser entfernt. Ich habe ihm einen „Wert“ gegeben, und ich habe ihm gleichermaßen die Zähne gezogen. Es ist ein Mahnmal gegen die Todesstrafe geworden, ein Mal, welches daran erinnern soll, dass man stets daran arbeiten muss, aus dem Vergangenem zu lernen. Es zu überwinden, und es zu nutzen, die eigene Moral immer und immer wieder auf die Probe zu stellen. Nur so bleibt man wach und geht offen durch die Welt.“
Die heutigen Werte, auf denen unsere Gesellschaft beruhe und zusammen gewachsen sei, seien nicht selbstverständlich, erinnert Burkard.
„Und um uns dessen bewusst zu bleiben, soll ab heute diese Guillotine als extremes, aber auch absurdes Signal stehen bleiben. Sie soll irritieren, sie soll den gewohnten Gang durch unsere kleine, heimelige Stadt durchbrechen, sie soll Menschen mit diesem Bild konfrontieren. Und mit etwas Glück zum nachdenken anregen. Wenn die Kunst spricht, und wir zuhören, können wir es wagen, ein Stück besser zu werden. In diesem Sinne freue ich mich, dass „Die Reinigung“ hier ihren Platz gefunden hat.“
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