Mittwoch, 22. September 2021

Internationaler Rohstoffmangel bedroht deutsche Wirtschaft

2. August 2021 | Kategorie: Bauen & Sanieren, Ratgeber, Wirtschaft

Tankstelle für E-Autos
Foto: Pfalz-Express

Holz, Stahl und Kunststoffe sind momentan so knapp wie lange nicht mehr. Die Gründe dafür sind vielseitig.

Der Mangel könnte jetzt auch die Erholung der deutschen Wirtschaft verlangsamen. Besonders Hausbauer sind betroffen.

Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Konjunktureinbruch durch den zweiten Corona-Lockdown bereit für einen Aufschwung. Eigentlich. Doch da die gesamte Weltwirtschaft unter Lockdowns mit Produktionsstopps und Lieferausfällen litt und sich die meisten Industrienationen erst jetzt wieder erholen, werden plötzlich überall Ressourcen benötigt, die teilweise noch nicht wieder produziert werden.

Besonders betroffen ist die Hausbaubranche. Denn aufgrund des weltweiten Konjunkturaufschwungs ist plötzlich die ganze Welt im Baufieber. Besonders Holz, Stahl und Dämmmaterialien sind so gefragt wie nie. Manche Holzarten verzeichneten einen Preisanstieg von über 500 % in den letzten Monaten.

Der allgemeine Preis für Holz stieg an der Börse seit Oktober um 200 %. Besonders in Russland und Kanada, welche traditionell das meiste Holz exportieren, sind die Produktionen größtenteils noch nicht einmal wieder angelaufen. Viele Käufer weichen deshalb auf europäisches Holz aus. Somit gibt es auf dem Weltmarkt momentan eine enorm hohe Nachfrage, aber ein eher kleines Angebot.

Der deutsche Holzmarkt wird z.B. gerade von den USA leer gekauft. Dort hat Präsident Joe Biden gerade ein eine Billion Dollar schweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, welches Infrastruktur erneuern und mehr bezahlbare Wohnungen schaffen soll.

Und da in den USA Holz noch immer das beliebteste Baumaterial ist, ist das Interesse an dem eigentlich simplen Baustoff durch die Decke gegangen. Dies ist ein Problem für private Hausbauer, aber auch für kleine und mittelständige Unternehmen.

Stark betroffen sind etwa Hersteller von Papier und Verpackungsmaterial, Säge- und Hobelwerke sowie die Möbelindustrie. Da es aber auch an Mineralien, Stahl und Kunststoffen fehlt, wirkt sich der Rohstoffmangel auf die gesamte deutsche Wirtschaft aus. Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage des Münchner ifo-Instituts plant etwa jedes dritte Unternehmen seine Preise zu erhöhen.

Viele Betriebe verlängern zudem ihre bereits zum Lockdown aufgenommen Kredite, verzichten auf eigentlich preiswertes Gewerbeleasing von momentan nicht benötigten Firmenwagen, oder schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Neben dem Rohstoffmangel ist auch die Erhöhung von Importkosten ein Grund für viele Unternehmen die Preise anzuziehen.

Besonders Lieferungen aus Asien sind in den letzten Monaten um ein Vielfaches teurer geworden. Zu Beginn der Pandemie hatten viele Reedereien ihre Kapazitäten gesenkt. Die schnelle Erholung der Weltwirtschaft ist nun besonders für Logistikunternehmen, die einen Großteil ihrer Transportmittel bereits eingelagert haben, eine Überraschung. Bis zur vollständigen Rückkehr zu vollen Kapazitäten könnte es noch einige Monate dauern.

Aber nicht nur der Bauboom führt zu einer Verknappung von Rohstoffen. In der Technikbranche ist Kupfer aufgrund von Covid-19 noch teurer geworden. Die Bank of America rechnet mit einer Verdopplung in den nächsten drei Jahren.

Damit würde eine Tonne Kupfer rund 17.000 Euro kosten. Noch schlimmer ist es bei Silikon. Die Nachfrage nach Computerchips ist in der Pandemie sogar gestiegen, da sich viele Menschen einen Laptop oder Heimcomputer angeschafft haben, um besser im Home-Office zu arbeiten. Auch die Autobranche benötigt immer mehr Chips für moderne Autosysteme, die nicht nur in den immer mehr produzierten Elektroautos zum Einsatz kommen.

Silikon, was ohnehin schon als schwer zu verarbeiten gilt, wird dadurch zur globalen Mangelware. Der Engpass in diesem Wirtschaftsbereich ist so groß, dass viele Experten von einer Krise reden. Einige Autobauer mussten die Produktion mancher Modelle sogar anhalten, da wichtige Elektrobauteile fehlen.

Auch der Klimaschutz trägt Schuld am Ressourcenmangel. Zum einen werden tausende Tonnen Kupferkabel benötigt, um allein in Deutschland Windräder, Solarplatten und Elektroautos zu bauen. Zum anderen werden tausende neue Strommasten und etliche neue Umspannwerke benötigt, damit der neue Strom auch da ankommt, wo er benötigt wird.

Hinzu kommt, dass sowohl Minen, welche seltene Erden und Mineralien abbauen, als auch Schmelzwerke, in welchen die Rohstoffe weiterverarbeitet werden, momentan in vielen Bereichen umrüsten. Umweltfreundliche Abbaumethoden und effiziente Lichtbogen- statt schmutziger Kohleöfen sind für viele Unternehmen in der Branche überlebenswichtig, da sonst oftmals strenge Sanktionen drohen.

Eine vollständige Erholung der deutschen Wirtschaft auf einen Zustand vor der Pandemie wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern. Denn wie die momentane Krise zeigt, sind alle Länder aufeinander angewiesen. Wenn es überall auf der Welt Rohstoffprobleme gibt, kommen diese irgendwann auch nach Deutschland.

Und solange alle Länder infolge des globalen Konjunkturwachstums Ressourcen in Massen benötigen, werden diese auch für alle Länder noch einige Zeit bestehen bleiben. Eine Besserung der Lage ist momentan noch nicht in Sicht.

Verbraucher sollten also erst mal mit einem Hausbau warten, um dann mitten im Bau nicht von einem enormen Kostenanstieg überrascht zu werden. Auch mit der Anschaffung eines Neuwagens oder eines neuen Computers sollte erst einmal gewartet werden.

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