
Firmeninhaber Marco Feig, Albrecht Hornbach, Mario Brandenburg, Anette Schrittenloher, Dr. Gebhart und Landrat Seefeldt (v.l.)
Foto: Pfalz-Express/Ahme
Altdorf. In diesem Jahr traf sich die IHK Tischrunde Südpfalz bei der Firma Feig Fahrzeug GmbH unter dem Motto „Was benötigt die Wirtschaft vor Ort“ zum regionalen Austausch.
Die Vorsitzende der IHK-Tischrunde Südpfalz, Anette Schrittenloher begrüßte die Gäste unter denen sich auch der Präsident der IHK Pfalz, Albrecht Hornbach, Landrat Dietmar Seefeldt, sowie die beiden MdBs Dr. Thomas Gebhart (CDU) und Mario Brandenburg (FDP) befanden.
Albrecht Hornbach wies auf das 175-jährige IHK-Jubiläum hin, das viele Mitmach-Aktionen beinhaltet.
Danach stellte Marco Feig, Mitglied der IHK-Vollversammlung, seine Firma vor, die sich in Altdorf in einer strategisch günstigen Lage befindet. „Man könnte sagen, wir befinden uns hier je nach Betrachtungsweise beim Tor zur Vorderpfalz oder zur Südpfalz“, so Marco Feig. „Das haben Sie in Bad Bergzabern nicht“.
13 Mitarbeiter hat das Unternehmen zur Zeit. 1933 gründete Jakob Feig in einer „desaströsen volkswirtschaftlichen Situation“ (36 Prozent Arbeitslosigkeit) das Unternehmen, das sich dem Beschlagen von Pferden und dem Bau von Kutschen widmete.
Richard Feig, Manfred Feig und jetzt Marco. Der Volkswirtschaftler, der die Firma 78 Jahre nach ihrer Gründung übernommen hate, möchte sie auch weiter in die fünfte Generation führen.
2011 habe es einen Strukturwandel gegeben, berichtet Feig. Nun macht man über 50 Prozent des Umsatzes mit dem Bau von Rollcontainern und Feuerwehrfahrzeugen für den Katastrophenschutz.
Das mobile Mehrzweckfahrzeug steht im Mittelpunkt. In Deutschland gibt es vielleicht noch drei Firmen, die das können. Die Firma Feig ist erfolgreich durch langsames, aber stetes Wachstum.
Im Lauf des Abends wurde die Theorie durch einen kleinen Firmenrundgang ergänzt. Die Gäste der Tischrunde, selbst alles Unternehmer, zeigten sich begeistert und auch ein wenig erstaunt, was sich so im Norden der Südpfalz, fast etwas unbemerkt, an wirtschaftlichem Standing entwickelt hat.
Gastredner und Landrat Dietmar Seefeldt, 100 Tage im Amt, möchte wissen: Wo drückt die Unternehmer der Schuh? Als Chef einer Behörde mit über 500 Mitarbeitern, sei es wichtig eine Führungskultur zu etablieren, so Seefeldt. „Ich möchte auch für Sie da sein“, wandte er sich an die Zuhörer.
Die Südpfalz habe eine sehr positive wirtschaftliche Entwicklung genommen“, konstatierte Seefeldt. „Wir haben eine Steuerkraft, die es so noch nie gab“.
Doch trotz dieser Steuerrekordeinnahmen sei der Landkreis immer noch im Defizit, was am kommunalen Finanzausgleich läge: „Die Kommunen müssen mehr Geld bekommen“.
Die Investitonsbereitschaft der Unternehmen sei jedenfalls vorhanden.Die Arbeitslosenquote beträgt in der Südpfalz nur 3,9 Prozent. Dem Fachkräftemangel möchte man mit einer grenzüberschreitenden Mobilität begegnen. Auf dieses Thema ging später Marc Watgen von der IHK Landau noch besonders ein.
Man habe gute duale Schulsysteme in der Südpfalz und habe dabei vor allem die Berufsbildenden Schulen im Blick. „Wir sind mit unserem Schulsystem im Kreis Südliche Weinstraße ordentlich aufgestellt“, so Seefeldt, der durch seine Zeit als Dezernent für das Schulwesen im Landkreis Germersheim die Situation besonders gut beurteilen kann.
Was den Breitbandausbau betrifft, so müsse man auf den endgültigen Förderbescheid des Bundes warten. Seefeldt schätzt, dass dieser spätestens im dritten Quartal vorliegen werde.
Die Gewerbeflächenentwicklung in Landau sei sehr erfreulich; im Landkreis SÜW gäbe es dagegen kaum Flächen: „Es gibt sehr enge Vorgaben der Raumplanung“. Annweiler sei für den Rhein-Neckar-Raum das „Naherholungsgebiet“, dagegen sei Hauenstein mit sechs bis sieben Hektar Gewerbefläche gut dabei.
MdB Dr. Gebhart betonte, dass sich Politik und Wirtschaft austauschen müssten. „Wir leben in einer Top-Region“, so Gebhart.
„Wir brauchen um die Region noch attraktiver zu machen, eine Steigerung der Lebensqualität“, so Gebhart. Die könne durch eine Kombination aus guten Arbeitsmöglichkeiten und Wohnen und Freizeit-Angeboten erreicht werden.
MdB Mario Brandenburg betonte die große Bedeutung der Digitalisierung, die man in Deutschland verschlafe. „Es gibt eine große Geschwindigkeit des Wandels und die Größe einer Firma schützt nicht vor deren Scheitern“. Brandenburg gab auch Beispiele dafür (Quelle, Studi VZ oder auch Nokia).
In Deutschland fehle die Infrastruktur und man sei deshalb Schlusslicht in diesem Bereich.
In der Diskussion wurde deutlich, dass man in größeren Dimensionen und globaler denken müsse. Gerade im Grenzbereich Frankreich/Deutschland sei auch die Beherrschung der Nachbarsprache sehr wichtig: „Das ist eine enorme Hürde“, so Gebhart.
Zum Arbeiten braucht man Sprachkompetenz. Aber immer weniger junge Elsässer können deutsch. Grenzüberschreitendes Arbeiten gibt es schon länger. So arbeiten viele Elsässer in Wörth bei Daimler und lassen viel Geld in der Südpfalz.
Diese muss aber gut erreichbar sein und da kommt die Ertüchtigung der 1. Rheinbrücke ins Spiel. Gebaut wurde sie 1966 für 30.000 Autos pro Tag, jetzt befahren sie 80.000 Fahrzeuge im gleichen Zeitraum.
Von August 2018 bis September 2019 soll die Brücke „ertüchtigt“ werden, dazu gehören laut Marc Watgen, Vollsperrungen an vier bis sechs Wochenenden. (desa)

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