Mittwoch, 28. Juli 2021

Haseloff sieht sich als „der letzte Lutheraner“ in Wittenberg

29. Oktober 2016 | Kategorie: Politik
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Foto: dts nachrichtenagentur

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).
Foto: dts nachrichtenagentur

Berlin  – Sachsen-Anhalts katholischer Ministerpräsident Reiner Haseloff fühlt sich dem Reformator Martin Luther stärker verbunden als viele Protestanten.

„Heute bin ich der letzte Lutheraner hier“, sagte Haseloff der „Welt“ mit Blick auf seinen Wohnort Wittenberg. Als Beleg für seine Luther-Treue nannte Haseloff, dass er sich genau wie seinerzeit Luther im Gottesdienst bekreuzige.

„Luther hat gebeichtet, sich bekreuzigt und das Magnificat gebetet“, sagte Haseloff und verwies auf den Besuch der dänischen Königin Margrethe II. in der Wittenberger Schlosskirche Anfang Oktober. „Als der Segen gesprochen wurde, waren wir beide – die echte Lutheranerin und der Katholik Haseloff – die einzigen, die sich bekreuzigt haben. So wie es Luther vorgegeben hat.“

Insgesamt aber könne er evangelischen Gottesdiensten wenig abgewinnen. Die seien ihm „zu langweilig“, sagte Haseloff. „Ich brauche meinen Weihrauch.“ Doch könne er als Katholik „Luther nicht als Gegner sehen“.

Dies habe mit seiner Jugend in der DDR zu tun, wo die Christen beider Konfessionen hätten zusammenhalten müssen. „Ich persönlich habe keine Spaltung erlebt. Wir Christen waren so wenige, so marginalisiert, dass wir einander immer stützen mussten.“

Der christliche Glaube bleibe auch für die Menschen in Ostdeutschland trotz der dort verbreiteten Konfessionslosigkeit wichtig. Denn „untrennbar zusammen“ gehören nach Ansicht von Haseloff „das Verständnis unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und die Auseinandersetzung mit den christlichen Prägungen unserer Vergangenheit“.

Das Land brauche „diese Rückbindung an die Religion auch weiterhin, damit Tabus, an denen wir aus transzendenten Gründen festhalten, nicht eines Tages geschleift werden“. In der DDR habe er „ein System erlebt, in dem viele Tabus offiziell nicht existierten“.

Das Christentum müsse aber auch gegenüber dem Islam gestärkt werden. Denn sonst könnten „sich in einer Gesellschaft, die ihre bisherige Leit-Religion marginalisiert, bei fortgesetztem Zustrom von Anhäng! ern eine s anderen Glaubens die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Religionen sehr schnell ändern“. Dass diese Gefahr bestehe, könne man sich „leicht ausrechnen“, wenn wie in vielen Gegenden Ostdeutschlands „nur noch fünf Prozent unserer Kinder getauft werden“, sagte Haseloff. (dts Nachrichtenagentur)

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