
RLP-Antisemitismusbeauftragter Dieter Burgard.
Foto: über Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium
Germersheim
Germersheim – „Haben Sie Angst vor der AfD?“, fragt Sarah Bolz. Die Schülerin der Klasse 10c des Goethe Gymnasiums (GGG) sitzt in der Sporthalle und blickt in Richtung Rednerpult.
Dieter Burgard, der Beauftragte der Ministerpräsidentin für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen des Landes Rheinland-Pfalz, muss nicht lange überlegen und unterstreicht, dass die „sogenannte Alternative für Deutschland“ sich sogar mit jüdischen Mitgliedern in der Partei schmücke, man sich aber fragen müsse, inwieweit diese wirklich den jüdischen Glauben lebten. Außerdem hetze die Partei gegen Flüchtlinge und wolle ein Germanentum.
Aber nicht nur durch Sarah Bolz´ Frage wurde der aus Wittlich stammende Sozialdemokrat während der neunzigminütigen Veranstaltung rund um den 9. November herausgefordert, sondern durch viele weitere Themen. Anlässlich des „Schicksalstag der Deutschen“, der 1923 mit dem Hitler-Putsch und 1938 mit der Reichspogromnacht sehr negativ besetzt ist, aber mit der Ausrufung der ersten deutschen Demokratie 1918 und der Revolution in der DDR von 1989 auch sehr positiv in Erinnerung ist, hatte das Johann-Wolfgang-Goethe-Gymnasium Germersheim den Antisemitismusbeauftragten zum „Tag des historischen Gesprächs“ eingeladen, um über den historischen und aktuell existierenden Antisemitismus zu sprechen.
Miriam Malthaner (10y) wollte wissen, ob die Einrichtung von jüdischen Schulen den Abstand zwischen den einzelnen Religionen nicht vergrößern würde, woraufhin Dieter Burgard antwortete, dass dies leider mit einem Sicherheitsaspekt zusammenhänge und sehr zu bedauern sei.
Zuvor hatte der ehemalige Landtagsabgeordnete über die zahlreichen Facetten des Antisemitismus in Deutschland, Rheinland-Pfalz und Germersheim anhand von Fotos und Statistiken informiert. Das Engagement des Goethe-Gymnasiums, sich aktiv für eine Verlegung von Stolpersteinen in Germersheim im Februar 2022 einzusetzen, lobte der ehemalige Bürgerbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz ausdrücklich.
Dieter Burgard war bereits im Januar 2019 zur Diskussion, wie weit Kunstfreiheit gehen darf, am GGG. Damals stand die durch die Rapper Kollegah und Farid Bang ausgelöste Debatte um antisemitische und frauenfeindliche Texte im Vordergrund.
Nach vielfältigen Fragen aus dem Plenum bedankte sich die Vorsitzende der Fachschaft Geschichte, Anna Lena Buchlaub, bei den Schülern für das Interesse und beim Beauftragten der Ministerpräsidentin für seinen Besuch. (Dirk Wippert/red)

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