Mainz – Die Opferorganisation Weißer Ring will eine Gesetzesänderung, um Tätern, die wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurden, eine elektronische Fußfessel anlegen zu können.
Nach der Veröffentlichung neuer Zahlen des Bundeskriminalamtes, wonach mehr als 100.000 Frauen in Deutschland pro Jahr Opfer von Gewalt in der Partnerschaft werden, sagte Bundesgeschäftsführerin Bianca Biwer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Hier besteht Handlungsbedarf.“
Ehemalige Partner der Opfer würden sich häufig über Anordnungen von Gerichten hinwegsetzen. Sie ignorierten Verbote, Kontakt mit dem Opfer aufzunehmen, sich ihm zu nähern oder es erneut zu belästigen. „Nicht selten enden solche Verstöße in schweren Attacken auf das Opfer – insbesondere, wenn es sich um frühere Partner handelt“, sagte Biwer.
Würden die Täter mit Fußfesseln überwacht, könnten viele Taten verhindert werden. „Dem Staat muss es ein Anliegen sein, dass die Polizei im Ernstfall schneller einschreiten und Frauen besser schützen kann“, sagte die Geschäftsführerin des Weißen Rings.
Das Gewaltschutzgesetz sieht seit 2002 solche Auflagen vor, um die Opfer vor Gewalt oder Nachstellungen wie Stalking zu schützen.
Am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Beim Weißen Ring melden sich immer mehr Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Von Januar bis Ende September dieses Jahres waren von den insgesamt 5.925 Frauen, die sich an die Opferorganisation wandten und finanzielle Hilfe erhielten, rund 85 Prozent Opfer von Gewalt.
Im Vorjahr 2015 lag dieser Anteil erst bei 84 Prozent, 2014 bei 83 Prozent. Zu Gewalt gegen Frauen gehören Tritte, Schläge oder unfreiwillige sexuelle Handlungen genauso wie Nötigung, Beleidigung, Demütigung und andere Formen psychischer Gewalt.
Der Weiße Ring beruft sich auf eine Studie der Europäischen Union, wonach jede dritte Befragte über 15 Jahren in der EU schon einmal Oper von körperlicher oder sexueller Gewalt wurde. Jede 20. Frau berichtete von Vergewaltigungserfahrungen. (dts Nachrichtenagentur)

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