
Symbolfoto: Stephan Hinni
Niendorf/Timmendorfer Strand – Mehrere Tage lang steckte ein Buckelwal auf einer flachen Sandbank vor Niendorf in der Lübecker Bucht fest, beobachtet von Schaulustigen, der Presse und begleitet von einem aufwendigen Rettungseinsatz.
In der Nacht auf Freitag dann die entscheidende Wende: Das Tier ist frei und schwimmt wieder in tieferem Wasser.
Seit Wochenbeginn hatte der Wal in unmittelbarer Küstennähe ausgeharrt. Aus der Sandbank kam er nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Fachleute und Einsatzkräfte standen vor einem schwierigen Problem, denn anders als an der Nordsee gibt es in der Ostsee kaum Gezeiten, die einem festliegenden Tier helfen könnten.
Um dennoch eine Chance für den Wal zu schaffen, wurde schweres Gerät eingesetzt. Bagger gruben eine mehrere Dutzend Meter lange Rinne von der Sandbank in Richtung tieferes Fahrwasser. Die Hoffnung: Ein leicht steigender Wasserstand könnte ausreichen, damit der Wal die künstliche Schneise nutzt.
Genau das geschah offenbar in der Nacht. Ohne direkte Hilfe von Menschen verschwand der Wal aus dem flachen Bereich. Am Morgen bestätigten Beobachter, dass sich das Tier nicht mehr auf der Sandbank befindet. Später wurde es weiter draußen in der Lübecker Bucht gesichtet.
Ganz entspannt ist die Lage jedoch nicht. Experten weisen darauf hin, dass sich der Wal weiterhin in einem für ihn ungeeigneten Lebensraum befindet. Buckelwale gehören in den offenen Atlantik, die Ostsee gilt als Sackgasse mit zu geringen Tiefen und schwierigen Orientierungsbedingungen. Ziel ist es nun, das Tier möglichst Richtung Kadetrinne und weiter in die Nordsee zu lenken.
Warum sich der Wal überhaupt in die Ostsee verirrt hat, ist noch unklar. Diskutiert werden Orientierungsprobleme, gesundheitliche Schwächen oder äußere Einflüsse wie Lärm oder Fischereigerät. Beobachtungen zufolge trug das Tier auch Reste eines Netzes im Maul, was zusätzlich auf Stress oder Verletzungen hindeuten könnte.
Walstrandungen sind für die Tiere in der Regel lebensbedrohlich. Durch ihr enormes Eigengewicht werden innere Organe zusammengedrückt, hinzu kommen Kreislaufprobleme und die Gefahr der Überhitzung. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Buckelwal die kritische Situation vor Niendorf offenbar überstanden hat.

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