
V.li.: Dorothea Kischkel, die Vorsitzende des Freundeskreises Ruhango-Kigoma, Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron, Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und Dietmar Wenzel, ehrenamtlicher Helfer im Ruhango-Markt, bei der Übergabe des Loebschen Stilllebens.
Foto: Stadt Landau
Landau – Ein kleiner stadthistorischer Schatz ist beim Ruhango-Markt in Landau abgegeben worden.
Nur 24 auf 31 Zentimeter misst das „Stillleben mit Klatschmohn und Margeriten“, das vor allem durch seine Künstlerin zu etwas ganz Besonderem wird. Olga Loeb, begeisterte Hobbymalerin, war die frühere Besitzerin des heutigen Frank-Loebschen Hauses aus der jüdischen Familie Frank-Loeb. 1939 musste sie vor den Nationalsozialisten aus Landau nach Luxemburg fliehen. Der Freundeskreis Ruhango-Kigoma um die Vorsitzende Dorothea Kischkel möchte das Werk gerne wieder im Frank-Loebschen Haus wissen und hat es aus diesem Grund der Stadt geschenkt.
Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron und Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer nahmen das Stillleben bei einem Vor-Ort-Besuch im Ruhango-Markt in der Straße Im Justus in Empfang.
„Der Ruhango-Markt des Freundeskreises Ruhango-Kigoma ist wirklich eine herausragende und einzigartige Einrichtung in unserer Stadt“, betont Dr. Ingenthron, gleichzeitig stellvertretender Freundeskreis-Vorsitzender. „Er dient wohltätigen Zwecken und setzt ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Dass es hier viele Schätze und so manches Schnäppchen zu entdecken gibt, das wusste ich bereits – nun danke ich ganz herzlich für diesen fantastischen Fund, den wir als Stadt sehr gerne annehmen und entsprechend präsentieren werden. Es ist so wichtig festzustellen, dass es den Nationalsozialisten eben gerade nicht gelungen ist, das Andenken an das reichhaltige jüdische Leben in unserer Stadt auszulöschen, sondern dass wir diese Erinnerung bis zum heutigen Tag wachhalten. Dass das von Olga Loeb gemalte Bild nun wieder dorthin zurückkehrt, wo es einst gemalt wurde, ist ein symbolträchtiges Zeichen für die Erinnerungskultur in unserer Stadt.“
Vereinsvorsitzende Kischkel berichtet, dass das kleine Kunstwerk dem Team des Ruhango-Markts – namentlich Dietmar Wenzel – bei der Warenannahme gleich aufgefallen sei: „Auf der Rückseite des Bildes befindet sich eine handschriftliche Notiz, die auf Olga Loeb verweist. Für uns war gleich klar, dass es sich um ein vielleicht nicht unbedingt kunsthistorisch, aber doch stadthistorisch wichtiges Zeugnis handelt. Und es ist uns ein Anliegen, dass das Bildnis wieder ins Frank-Loebsche Haus zurückkehrt.“
Stadtarchivarin Kohl-Langer bedankt sich beim Team des Ruhango-Markts für das „wache Auge“. „Wir haben eine engere Zusammenarbeit vereinbart, falls im Ruhango-Markt noch weitere historisch wertvolle Fundstücke abgegeben werden“, freut sich Kohl-Langer.
Was das Loebsche Stillleben angeht, hat sie bereits mit der Recherche begonnen. „Wie der Bildrückseite zu entnehmen ist, war das Gemälde im Besitz von Hedwig Charlotte Hagen, der 1902 in Landau geborenen Tochter von Prof. Julius Hagen, der bis 1936 das Stadtarchiv und das Stadtmuseum leitete. Wie das kleine Gemälde von Olga Loeb in ihren Besitz gelangte, ist heute leider nicht nachvollziehbar.“ Aber: Kohl-Langer und ihr Team suchen im Archiv nach weiteren Hinweisen auf das Bild, um dieses bei der Rückkehr ins Frank-Loebsche Haus in einen historischen Kontext zu stellen – eine Geschichte zu erzählen, wie Kohl-Langer betont.
Der Freundeskreis Ruhango-Kigoma veranstaltet seit dem Jahr 1997 einen Gebrauchtwarenmarkt, dessen Erlös dem ruandischen Partnerbezirk zugutekommt. Etwa 30 Helferinnen und Helfer sind dienstags von 15 Uhr bis 18:30 Uhr beim Verkauf im Einsatz; angenommen werden Sachspenden donnerstags von 13:30 Uhr bis 17 Uhr.
Der Vereinsvorsitzenden Kischkel ist wichtig zu betonen: „Im Ruhango-Markt bieten wir nicht nur Schnäppchen für wenige Euro an, sondern auch so manchen hochwertigen und seltenen Second-Hand- bzw. Flohmark-Artikel. Zum Beispiel führen wir seit kurzem in einer neuen Abteilung im ersten Obergeschoss exklusive Designer-Mode, aber auch in unserer Kunst- oder Geschirrabteilung finden sich viele sehr hochwertige Stücke.“
Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.freundeskreis-ruhango-kigoma.de.
Zum Hintergrund:
Olga Loeb wird am 4. Juli 1876 in Landau geboren. 1927 erbt sie den Besitz ihrer Mutter, darunter das heutige Frank-Loebsche Haus. Im März 1939 findet sie bei Verwandten in Luxemburg Unterschlupf. Trotzdem wird sie 1941 im Kloster Fünfbrunnen interniert und von dort 1943 nach Theresienstadt deportiert. Sie wird befreit und kehrt nach Luxemburg zurück, wo sie am 16. September 1946 stirbt.
Olga Loebs Mutter Sophie Loeb war eine Schwester von Michael Frank, dem Großvater von Anne Frank.

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