
Fuchs in einem Käfig (aufgenommen in einer Pelztierfarm).
Quelle: Four Paws
Bern/Hamburg– Die Schweiz setzt einen neuen Maßstab im Kampf gegen Tierleid in der Pelzindustrie. Das Schweizer Parlament hat am 2. Oktober 2026 endgültig ein Import- und Handelsverbot für Pelze und Pelzprodukte aus tierquälerischer Produktion beschlossen.
Nach Ablauf der Übergangsfristen dürfen entsprechende Produkte weder kommerziell in die Schweiz eingeführt noch dort verkauft werden. Nach Angaben der Schweizer Behörden wurden bislang jährlich mindestens 300 Tonnen Pelze und Pelzprodukte in die Schweiz importiert – mit einem Warenwert von umgerechnet etwa 32,3 Millionen Euro. Künftig müssen Anbieter von Echtpelz auf dem Schweizer Markt nachweisen können, dass dieser nicht unter Bedingungen erzeugt wurde, die nach Schweizer Maßstäben als tierquälerisch gelten. Dafür schafft die Schweiz ein staatlich kontrolliertes Zertifizierungsprogramm.
Die Anforderungen gehen deutlich über die heute in der internationalen Pelzindustrie üblichen Produktionsbedingungen hinaus. Künftig sollen unter anderem Pelze aus Käfighaltung mit Gitterböden sowie aus besonders leidvollen Fangmethoden wie Tellereisen, Schlingen- und Unterwasserfallen vom Schweizer Markt ausgeschlossen werden. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung. Die Schweiz setzt ein starkes Signal.
Tierquälerei darf kein Geschäftsmodell sein, auch dann nicht, wenn sie außerhalb der eigenen Landesgrenzen stattfindet. Wer künftig Pelz in der Schweiz verkaufen will, muss die Einhaltung der hohen Schweizer Anforderungen nachweisen. Für große Teile der heutigen Pelzindustrie dürfte damit der Zugang zum Schweizer Markt enden“, sagt Leon Rein, Verantwortlicher für Pelz-Kampagnen bei VIER PFOTEN Deutschland.
VIER PFOTEN lehnt die Gewinnung von Echtpelz grundsätzlich ab – unabhängig davon, wie dieser gewonnen wurde.
Ein Erfolg in zwei Etappen – künftig gelten strengere Regeln
Bereits 2025 hatte der Schweizer Bundesrat ein Importverbot auf Verordnungsebene beschlossen. Mit der Entscheidung des Parlaments wird dieser Grundsatz nun dauerhaft im Tierschutzgesetz verankert und zusätzlich auf den Handel innerhalb der Schweiz ausgeweitet.
Nach den vorgesehenen Übergangsfristen greift das Importverbot ab Juli 2029, das Handelsverbot ab Juli 2030 vollständig. Bislang konnten Pelzprodukte aus dem Ausland grundsätzlich auch dann in der Schweiz verkauft werden, wenn die Produktionsbedingungen dort den Schweizer Tierschutzanforderungen nicht entsprechen würden.
Genau diese Lücke soll das neue Gesetz schließen. International ist dieser Schritt außergewöhnlich: Nach Israel, das den Handel mit Pelz 2021 weitgehend über ein Genehmigungssystem eingeschränkt hat, ist die Schweiz erst der zweite Staat weltweit, der den Pelzhandel auf nationaler Ebene weitreichend beschränkt.
Für Modeunternehmen, insbesondere Luxusmarken, sowie Onlinehändler auf Plattformen wie Amazon oder eBay ist das eine erhebliche Veränderung: Wer weiterhin Produkte mit Echtpelz in der Schweiz verkaufen möchte, muss nachweisen können, dass der verwendete Pelz aus Tierhaltungssystemen bzw. Jagdformen stammt, die die Schweizer Vorgaben erfüllen.
Ein Leben im Käfig für ein Modeprodukt
Wie gravierend die Tierschutzprobleme in der Pelzproduktion sind, zeigt auch die wissenschaftliche Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA aus dem Jahr 2025. Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas werden in der kommerziellen Pelzproduktion überwiegend in Käfigsystemen gehalten.
Nach Einschätzung der EFSA bieten diese Käfige den Tieren viel zu wenig Platz, sind reizarm und schränken natürliche Verhaltensweisen stark ein. Die Drahtgitterböden der Käfige und fehlende Rückzugsmöglichkeiten verschärfen das Tierleid.
„Wir sprechen hier über Wildtiere, deren Lebensraum für ein Modeprodukt auf einen Käfig reduziert wird. Deshalb reicht es nicht, Pelzfarmen im eigenen Land zu schließen und das damit verbundene Tierleid anschließend über Importe wieder auf den heimischen Markt zu holen. Genau diese Lücke schließt das neue Schweizer Gesetz“, sagt Rein.
VIER PFOTEN fordert jetzt entschiedenes Handeln der EU-Kommission
Auch die Europäische Union steht vor einer grundlegenden Entscheidung über die Zukunft der Pelzindustrie. Die Europäische Bürgerinitiative Fur Free Europe fordert ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung sowie des Inverkehrbringens von Pelz aus Pelztierfarmen.
Mehr als 1,5 Millionen gültige Unterschriften wurden dafür gesammelt. Aus Sicht von VIER PFOTEN zeigt die Entscheidung der Schweiz, dass ein Verbot von Pelztierfarmen nur dann konsequent ist, wenn zugleich auch verhindert wird, dass entsprechende Produkte weiterhin importiert und verkauft werden.
Die globale Tierschutzorganisation fordert die EU-Kommission deshalb auf, die Pelztierhaltung sowie den Verkauf von Zuchtpelz zu beenden. Deutschland sollte sich zudem in Brüssel deutlich stärker für eine ambitionierte europäische Lösung einsetzen. In Deutschland gibt es seit 2019 keine aktive Pelztierfarm mehr. Import und Verkauf von Pelzprodukten sind jedoch weiterhin grundsätzlich erlaubt.
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