Jockgrim – Selma Karaismailoglu ist stolz auf ihre Leistungen. Das sieht jeder, der ihren Salon „Petra“ in der Trifelsstraße 4 in Jockgrim betritt. Links neben der Eingangstür zieht das Blinken der unzähligen Pokale die Aufmerksamkeit auf sich. Daneben Urkunden, Medaillen – und auf einem kleinen Tisch direkt vor dem Fenster der Worldcup-Pokal.
Der Titelgewinn mit der Friseur-Nationalmannschaft Ende Oktober beim CMC-World-Cup in Neapel sei die Krönung ihrer Karriere, sagt Selma. „Das Team hat in Frankfurt ein Jahr lang hart dafür trainiert. Es macht mich einfach wahnsinnig glücklich, dass sich die Mühe am Ende gelohnt hat.“
Es soll nicht der letzte Titel gewesen sein – die sympathische Friseurmeisterin freut sich schon auf die nächsten Turniere. 2018 wird die der Worldcup voraussichtlich in der Türkei stattfinden, 2019 in Japan.
Seit 2003 nimmt Selma an Turnieren teil, seit damals sammelt sie Titel um Titel. Das blieb nicht unbemerkt: Der cat Deutschland wurde auf sie aufmerksam und lud sie ein, Teil des fünfköpfigen Teams zu werden, das sich in Neapel mit den besten Friseuren aus aller Welt gemessen hat.
„Am Anfang war ich schon nervös“, erinnert sie sich und lacht. „Das ist noch untertrieben“, wirft ihre Tochter Tülin Karaismailoglu ein. „Du warst völlig unter Strom und wolltest unbedingt sofort auf die Bühne.“ Die 26-Jährige war als Frisur-Modell in Neapel dabei und ist merklich stolz auf ihre Mama.
Im Rampenlicht lief die Friseurmeisterin gemeinsam mit den anderen vier Friseuren des Teams zur Höchstform auf: Insgesamt 15 Minuten hatten sie Zeit – jeweils drei Minuten für zwei unterschiedliche Frisuren pro Modell bei insgesamt zehn Modellen – um die Jury mit ihrer Performance zu begeistern. Kriterien waren selbst genähte Kostüme, Choreografie, Musik – und selbstverständlich handwerkliches Können.
Das gelang: Schon das Intro ebnete den Weg zum Titel. Die Modelle trugen kreative Hüte aus Echthaar im Avantgarde-Stil. Selma ließ zum krönenden Abschluss und großen Staunen der Zuschauer Licht aus ihrem Haarteil wachsen.
Im Einzelwettbewerb trat sie in der Kategorie Acconciatura Sposa – Brautfrisuren – an und überzeugte auch dort trotz starker Konkurrenz aus Italien, Russland, der Ukraine und Japan. Am Ende stand der verdiente Worldcup-Sieg.
Nach der rauschenden Feier in Italien ging es zurück in den „normalen“ Alltag. Ein bisschen schwer fiel ihr die Umstellung schon, gibt Selma zu: „Am Anfang dachte ich, gleich gehen die Scheinwerfer an und die Musik setzt ein – aber das war nicht schlimm, im Gegenteil. Ich will sowieso bei jeder Kundin das Beste herausarbeiten – also eigentlich ist jeder Tag wie ein Tag auf der großen Bühne, nur ohne Musik und Choreografie.“
Neben dem Titel hat sie vom Worldcup auch Inspirationen mitgenommen – und trainiert schon fleißig für die nächsten Jahre. Einmal in der Woche fährt sie dazu nach Kaiserslautern. „Das ist wie wenn ein Fußballer ins Training geht. Man arbeitet fokussiert auf das nächste große Turnier.“
Selma will den Erfolg bestätigen – und selbst wenn sie eines Tages die Schere an den Nagel hängt, steht der talentierte Nachwuchs schon in den Startlöchern: Ihr Sohn Okan macht bei ihr seine Ausbildung. Ob er es irgendwann so weit bringen wird wie seine Mutter?
Es steht zu vermuten: Bei der Landesmeisterschaft Baden-Württemberg in Esslingen, der Südwestdeutschen Meisterschaft in Landstuhl und beim Festival de la coiffure in Straßburg hat er schon Titel gewonnen. „Den Ehrgeiz habe ich von ihr. Wenn ich weiter fleißig trainiere, kann ich es schaffen. Mama ist sehr akribisch, ich lerne jeden Tag etwas Neues.“
Wenn Mutter und Sohn ihre Ziele erreichen, steht eines jedenfalls fest: Der Salon „Petra“ braucht ein neues Regal für die vielen Pokale. (hse)
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