
Der Gutshof Ziegelhütte in Edenkoben. Auch Inhaber Thomas Langhauser gehört zu den Unterzeichnern.
Foto: privat
Edenkoben/ Landau/ Rhodt. Hoteliers der Region schlagen Alarm. Nadine und Alexander Kurz (Das Prinzregent Edenkoben), Thomas Langhauser (Gutshof Ziegelhütte), Petra und Holger Hirsch (Maximilians Boutique Hotel Landau), Oliver Hasert (Parkhotel Landau), Benedikt und Matthias Goldberg (Soho Hotel Landau) und Sonja Schäfer (Wohlfühlhotel Alte Rebschule Rhodt), haben sich jetzt in einem Offenen Brief an Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing, Landrat Dietmar Seefeldt und OB Thomas Hirsch gewandt.
Die Hoteliers danken zunächst den Adressaten ihres Offenen Briefes, die „in den letzten Tagen, Wochen und ganz aktuell so viel geleistet und bewegt haben.“
Die sechs Betriebe sind für den Tourismus an der Südlichen Weinstraße ein nicht zu unterschätzender Faktor, bringen sie doch rund 230 Arbeitsplätze, 650 Betten, 5 Millionen Euro Investitionsvolumen und ein Umsatzvolumen von etwa 14,1 Millionen Euro in 2019 auf die Waage.
Doch die Entwicklung in der Corona-Krise, wie sie sich jetzt zeigt, wirkt sich verheerend auf die Betriebe aus: „Wir sind – offen gesagt – am Ende: Unsere Betriebe sind zum Teil noch sporadisch geöffnet, den Großteil unserer Mitarbeiter haben wir jedoch in die Kurzarbeit geschickt. Ein Mittel für uns, Arbeitsplätze zu erhalten. Doch wie lange noch, das fragen wir uns alle bang“, schreiben die sechs Vertreter der Hotelbetriebe.
„Wir bekommen auch durch Kurzarbeit unsere Personalkosten nicht auf null: Rezeption ist teilweise besetzt, Reinigungsmitarbeiter und Hausmeister sind hin und wieder da, Azubis müssen weiter bezahlt werden.
Unser Geschäftsmodell ist zudem unbarmherzig, denn das heute leerstehende Zimmer ist nicht zum Jahresende doppelt vermietbar und das abgesagte Mandelblütenfest 2020 kann nicht nachgeholt werden.
Die vollmundigen Zusagen „unbegrenzter Kreditdeckung durch die KfW“, sie nützen uns nicht: Wir sind aufgrund unserer finanziellen Ausstattung als Kleinbetriebe, unserer hohen laufenden Kosten auch in der Nebensaison (wir kommen gerade aus dem Winter) und unserer umfangreichen Investitionen nicht mit den besten Voraussetzungen am Start.
Nicht nur unseren insgesamt rund 230 Mitarbeiter und Auszubildenden ist zurzeit die Beschäftigungsgrundlage entzogen, auch unsere zahlreichen, vorwiegend regionalen Partnern, Lieferanten, Dienstleistern fehlt mit jedem Tag Umsatzverlust auch die Bestellung.
Wir wollen aber konstruktiv sein, denn schließlich sind wir Unternehmer. Unser Fortbestand ist ein wichtiger Faktor in der touristischen Wertschöpfungskette der Region.
Mit unseren Werbebudgets und Vertriebsmaßnahmen, unseren Betten auf booking & Co. sorgen wir dafür, dass Touristen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland in die Region SÜW kommen. Wir bieten die Betten an, die die mittelständische Industrie in der Region braucht, um Kunden und Lieferanten unterzubringen, wir sind es, die die viel besungenen regionalen Feste becatern und Veranstaltungen auf die Beine stellen.
Ohne uns fehlt etwas in der Region, das nicht ohne Weiteres zu ersetzen ist. Gemäß der aktuellen „Tourismusbilanz Südliche Weinstraße“ wies die Region inklusive Stadt Landau im letzten Jahr über 1 Million Übernachtungen auf, eine Steigerung im Vergleich zum Jahr 2018.
Diese Gäste übernachten aber nicht nur, sie kaufen im regionalen Einzelhandel ein, besuchen Wochenmärkte und Weinfeste, sind in Weinstuben und beim Winzer. Dabei gaben insbesondere die Übernachtungsgäste im Schnitt 118,50 Euro am Tag aus.
Unseren Mitarbeitern gegenüber möchten wir sagen können: Wir haben alles versucht, wir haben mit Banken und Versicherungen gesprochen, haben die Arbeitsagenturen um Hilfe gebeten und wir haben auch unsere politischen Vertreter auf die prekäre Lage aufmerksam gemacht.
Wir brauchen jetzt etwas von Ihnen:
– Einen Nothilfefond, um unseren Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken, auch wenn die Mitarbeiteranzahl 30 übersteigt (so der Fall bei mehr als der Hälfte unserer Betriebe).
– Die kurzfristige Antragsbearbeitung und Erstattung der beantragten
Kurzarbeitergelder bis Mitte April bzw. Mitte der Folgemonate, um unsere Liquidität
zu gewährleisten und uns nicht durch volle Lohnbelastung in die Insolvenz zu
zwingen.
– Eine 100%ige Deckung der Kredite durch die KfW, da unsere Hausbanken auch
nicht das Risiko für verbleibende 10% übernehmen und die Zugangsvoraussetzungen unverändert sind.
Wir sind uns vielleicht nicht in allem einig, verfolgen zum Teil unterschiedliche Geschäftsmodelle und Philosophien: Aber wir sind der Region verbunden. Keine(r) von uns wird in den nächsten 5-10 Jahren alles zusammenpacken und seinen Standort in Billiglohnländer verlegen, wir alle werden weiterhin zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region schaffen und wir werden mit unserem Geschäftsziel automatisch auch die Tourismusregion SÜW nach vorne treiben und weiterhin dafür sorgen, dass auch andere Gastronomiebetriebe, regionaler Einzelhandel und nicht zuletzt die Weingüter in der Region davon profitieren.
Das ist sicher. Wenn Sie dabei Ihr möglichstes Tun, unser Überleben zu sichern.“ (desa/red)

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