
Jury-Sprecher Michael Landgraf
Quelle: privat
Dannstadt. Ein Aussetzen des Mundartwettbewerbs Dannstadter Höhe auf Zeit, darauf haben sich die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und die Kreisvolkshochschule Ludwigshafen jetzt geeinigt.
Das Moratorium wird den bereits angelaufenen 37. Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe in diesem Jahr betreffen. Dieser wird für 2024 abgesagt und zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.
„Die Verbandsgemeinde hat sich zu dem schweren Schritt entschlossen, da die Mitarbeiter aktuell über die Maßen von aufwändigen, zusätzlichen Aufgaben gefordert werden und
keine weiteren Kapazitäten vorhanden sind“, erläutert Bürgermeister Stefan Veth die Entscheidung. Mitarbeitende verschiedener Fachbereiche der Verbandsgemeindeverwaltung haben bisher die komplette Vorbereitung, Abwicklung und Umsetzung des Mundartwettbewerbs garantiert.
„Das beginnt bei der Ausschreibung über die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Bearbeitung der eingegangenen Bewerbungen, der Vorbereitung von Jurysitzungen und endet beim Ausrichten des großen Finalabends.“
„Die Kreisvolkshochschule Ludwigshafen, die gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Trägerin des Mundartwettbewerbs ist, hat in ihren Reihen keine Möglichkeit, diese Tätigkeiten zu kompensieren“, erklärt Dr. Juliane Kerzel-Kohn, als Leiterin der Kreisvolkshochschule auch Mitglied der Jury des Mundartwettbewerbs Dannstadter Höhe.
Das Pausenjahr solle genutzt werden, um den Wettbewerb neu aufzustellen. Der mit im Durchschnitt 100 Bewerbungen pro Wettbewerb erfolgreiche Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe bietet Künstlern in den Kategorien Gedicht, Prosa und Lied eine Bühne, um ihre Werke vor großem Publikum zu präsentieren.
„Die Entscheidung bedaure ich sehr im Blick auf unsere Autorinnen und Autoren, sie zeigt aber, dass die Durchführung eines Wettbewerbs mit Final einer großen logistischen
Anstrengung bedarf und keine Selbstverständlichkeit ist“, sagt Jury-Sprecher Michael Landgraf, der aber auch Trauer verspürt.
„Dass nach 36 Jahren eine Tradition, die Corona überlebt hat, unterbricht und hoffentlich nicht abbricht, tut jedem weh, der ein Herz für die Mundart hat. Die Veranstaltung war letztes Jahr wieder sehr gut besucht, Dannstadt ist der Wettbewerb mit den meisten Einsendungen, der größten Breite durch Prosa, Lyrik und Lied.“ Die Jury, der neben Landgraf ehrenamtlich unter anderen Harald Schneider als Prosaspezialist, Uli Valnion als Musikexperten und David Emling, der den Bereich Lyrik beherrscht, angehören, arbeite gut und motiviert, gemeinsam mit langjährigen Jurymitgliedern und den Vorjahressiegern.
Landgraf, der als Mitglied des Deutschen Kulturrats bundesweite Vorgänge wahrnimmt, sieht die Ursachen der Absage aber auch auf einer breiteren Ebene. Seit über 20 Jahren versuche man beim Deutschen Kulturrat, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz als Artikel 20b zu verankern, mit dem einfachen Satz: „Der Staat schützt und fördert die Kultur.“
Da gehe es letztlich darum, dass Kultur raus aus der Falle der „freiwilligen Leistungen“ des Staates oder einer Kommune kommt. In Dannstadt passiere genau das: „Die Verwaltung einer Kommune wird mit immer mehr Aufgaben belastet, in der Zeit des Finales sind zusätzlich Kommunal- und Europawahlen, und das Ergebnis ist, dass dann keine personellen und logistischen Kapazitäten mehr für einen Kultur-Wettbewerb da sind“, so der Jury-Sprecher.
Die Mundartwettbewerbe nehmen einen breiten Raum im Erhalt der Mundart ein, erkennt Landgraf. „Ich kann derzeit nur hoffen, dass die Verbandsgemeinde die von ihr ausgerufene „Mission Mundart“ nicht aus den Augen verliert, und dass nicht noch andere Mundart-Wettbewerbe in einer ähnlichen Gefahr stehen.“
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