Montag, 01. Juni 2020

Der lange Fall des 1.FC Kaiserslautern

1. April 2020 | noch keine Kommentare | Kategorie: Freizeit & Hobby, Ratgeber, Rote-Teufel-Betze-News, Sport, Sport Regional, Südwestpfalz und Westpfalz

FCK-Anhänger sind treue Fans.
Foto: pfalz-express.de

Da aktuell der Ball in allen Ligen Deutschlands, Europas (mit Ausnahme von Weißrussland) und eigentlich der ganzen Welt ruht, ist die Zeit ideal, um sich mal mit anderen Seiten des Fussballs zu befassen.

Es scheint zu überraschen, wie unwichtig Sport in diesen heftigen Zeiten geworden ist, dies soll aber nicht davon ablenken, spannende Geschichten auszupacken. Oder in diesem Fall eher ernüchternde Geschichten. Denn wer sich mit Kaiserslautern in den vergangenen Jahren ein wenig befasst hat, der wird wissen, dass nicht alles immer ein Happy Ending hat.

Nie mehr 1.Liga?

Der Verein stieg im 2018 zum ersten Mal in der Geschichte in die dritte Liga des deutschen Fußballs ab. Der 1901 als FC Palatia Kaiserslautern gegründete Verein gewann viermal die deutsche Meisterschaft und zweimal den deutschen Pokal.

Darüber hinaus bildete Kaiserslauterns Kader der 1950er Jahre das Rückgrat der deutschen Nationalmannschaft, die 1954 die Weltmeisterschaft im sogenannten Wunder von Bern in Deutschland gewann.

Und dann ist da natürlich auch noch die Geschichte der Aufstiegsmannschaft die direkt zur Meisterschaft führte, mit König Otto an der Spitze. Vielleicht ist diese Vergangenheit auch ein Grund dafür, warum man 2006 Teil der WM-Stadien geworden ist, denn sportlich und geografisch gibt es nicht allzu viele Gründe. Die Weltmeisterschaft nach Kaiserslautern zu bringen, sollte der langfristig der Region helfen.

Heute haben die meisten Städte in Deutschland, in denen die Weltmeisterschaft 2006 ausgetragen wurde, auf verschiedene Arten von der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 profitiert. Kaiserslautern ist vielleicht die einzige bemerkenswerte Ausnahme. Zu viele Fehden gibt es im Hintergrund, sodass man sich schwerlich auf das Sportliche konzentrieren kann.

Fritz Walter-Stadion auf dem Betze.
Foto: Pfalz-Express

Schuldenberg statt Betzenberg

Nach 2006 ging es aber dann schnell bergab. Um die Schulden abzubauen, wurde sukzessive das Vereinssilber verramscht, nachdem schon die Miete für das Stadion runtergesetzt wurde, um dem Verein entgegen zukommen.

Im Gegenzug zur reduzierten Miete verkaufte Kaiserslautern jedoch die Jugendakademie und legte das Geld auf ein Konto, das den Unterschied ausmachen sollte. Dieser Deal wurde später von der deutschen Steuerunion angefochten, die das Abkommen als illegale Subvention bezeichnete.

Trotzdem blieb der Deal bestehen, aber das Geld auf dem Konto ging im März 2018 aus, was die Zukunft des Stadions in Zweifel zog, und irgendwann wurde sogar darüber gesprochen, das Stadion abzureißen, um das Land zu verkaufen.

Fokus auf andere Bereiche

Ob es also jemals wieder wirklichen Profifussball in Kaiserslautern geben wird, sei mal dahingestellt. Auch, weil der Trend scheinbar in andere Richtungen geht. So ist die Esportsszene in der Pfalz immer stärker im Kommen und auch weniger abhängig von geopolitischen Faktoren.

Auch Anbieter wie Blitzino haben aktuell ein größeres Interesse daran, in virtuelle Events zu investieren als Sponsor ein strauchelndes Drittligisten ohne wirkliche Ambitionen zu haben. Wenn man am Betze also jemals wieder mit Blick nach oben arbeiten will – oder überhaupt kann, denn die Finanzen sind nicht sonderlich rosig – dann muss zunächst vor der eigenen Haustür gekehrt werden, um den Fokus zu ermöglichen.

Zwar war die Mannschaft vor der Zwangspause auf einem guten Weg, aber für Nachhaltigkeit gehört mehr als nur der sportliche Erfolg. in der Pfalz sollte man sich daher vielleicht öfters zusammensetzen um zu sehen, welcher Weg der richtige ist.

Denn auch wenn es unwahrscheinlich klingt, dass man in der Zukunft wieder einen Spieler á la Fritz Walter in den eigenen Reihen haben wird, so kann man die nächsten Jahre dennoch selbstständig und erfolgsorientiert gestalten.

Fritz Walter: Der unvergessene Spielführer des FCK. Nach ihm wurde das Stadion auf dem „Betze“ benannt. (Fotosammlung Betzenberg)
Quelle: Pfalz-Express

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