Sonntag, 08. Dezember 2019

„DEMOKRATUR“ oder „Die Wahl der Qual“: Lutz von Rosenberg Lipinsky begeistert im „Kulturpalast Hainfeld“

11. November 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Kultur

Lutz von Rosenberg Lipinsky sprach Tacheles.
Foto: Heinz Lambert

Hainfeld. Ein Feuerwerk politischen Kabaretts brannte Lutz von Rosenberg Lipinsky am Freitagabend im Sportheim Hainfeld ab. Vor ausverkauftem Haus im „Kulturpalast“, wie Manfred Schweig, Vorsitzender des veranstaltenden SPD-Ortsvereins, die Location titulierte, überzeugte der gebürtige Ostwestfale mit Spitzen in Richtung AfD, scheute sich aber auch nicht den Regierungsparteien immer wieder kräftig eine abzuwatschen.

Der zu Beginn noch verhaltene Beifall der fast 90 Gäste bei „Kultur pur in Hainfeld“, ließ den 54-jährigen zur Feststellung hinreisen: „Für mich, der in Hamburg lebt, ist das schon ein sehr freundlicher Applaus.“
Das sollte sich im Verlauf des mehr als zweistündigen Programms grundlegend ändern. Am Ende fehlte nicht viel zu „Standing Ovations“.

„Ich bin zum ersten Mal hier und weiß nicht wo. Ein Auftritt für die SPD. Meine Frau denkt schon ich gehe fremd“ stieg er ein. Sein Programm „Demokratur“ oder „Die Wahl der Qual“ beleuchtet unter anderem Regierungsformen von vorgestern bis heute. So stellte er zur einigermaßen großen Überraschung fest: „Die Monarchie ist der Sonntag unter den Gesellschaftsformen. Die Demokratie ist der Montag!“ um fortzufahren „Mit der Demokratie einschlafen und mit der Diktatur einschlafen, das kennen viele von zu Hause her. Dazu noch die Kinder, die FDP unter den Familienmitgliedern, also die Wendehälse. Der Mann ist dabei nicht mal mehr Opposition!“

Das Wort Demokratie setzt sich zusammen aus den altgriechischen Worten Demos für Staatsvolk und Krátos, was so viel wie Gewalt, Macht oder Herrschaft bedeutet, erklärte der Künstler. Kurz gesagt also Volksherrschaft.

Daraus abgeleitet traf er die Feststellung, dass die Wähler früher das gewesen seien, was heute die Politiker sind. „Demokratie ist nichts für Anfänger. Demokratie ist nicht sicher, sie ist fragil, aber sie ist eine starke Idee!“ Auch dies eine weitere grundlegende Erkenntnis.“

Das Thema Asyl fand ebenfalls Eingang ins Programm. Die Anekdote, wie man in einem Hamburger Nobelviertel Asylsuchende dazu brachte in ihr Heimatland zurückzukehren, sorgte für Lachsalven.  „Da brachten die dort wohnenden noblen Omas den jungen Männern jeden Tag Leberwurstbrote, bis die Herren wirklich die Flucht ergriffen. Sozusagen also Leberwurst als Fluchtgrund für Asylsuchende.“

In diesem Zusammenhang erklärte er auch das Wort „Duldung“. „Du bekommst von deiner Frau kein Geld und darfst auch nicht aus dem Haus!“

Das deutsche Wahlsystem wurde erläutert, um am Ende festzuhalten: „Protestwähler sind nicht wählerisch, auch Erstwähler haben eine Zweitstimme. Das ist abstrus.“ Projiziert auf Hainfelder GroKo-Verhältnisse fragte er: „Darf der SPD-Vorstandsmann eigentlich die CDU-Vorstandsfrau heiraten? Das ist doch unnatürlich.“

Dann folgte ein Schwenk auf seine privaten Familienverhältnisse und die Sprache der Jugend. „Subjekt, Prädikat, Objekt, das findest du heute nicht mehr in einem Raum. Bildung ist doch heutzutage eine Form von Verblödung.“

Köstlich seine Erfahrungen aus Elternabenden, wo er eher zufällig als Vorsitzender des Elternausschusses gewählt wurde. Da fühlten sich viele an die Abende mit ermüdend vor sich hin flüsternden Lehrkräften im Schulsaal ihrer Kinder erinnert.

Chartverdächtig seine Hits zur Politik. So zum Beispiel „Die Demokratie ist ein seltsames Spiel, die Wähler wandern von einer zur anderen“ frei nach Connie Francis, oder auch „Dieses Volk wird kein leichtes sein, dieses Volk ist mürrisch und schwer“ dessen Original von Xavier Naidoo bestens bekannt ist.

Auch eine Anleihe beim westpfälzischen Songwriter Mark Forster wurde gemacht. Die Botschaft an die Bundesregierung hieß: „Es wird „nichts mehr sein wie es war, schickt sie weg, au revoir.“

Die Erfahrungen als einziger Gast eines Hotels im tiefsten Schwarzwald, wo man in der Nacht niemand mehr antrifft, aber als Glatzenträger immerhin auf eine Duschhaube zurückgreifen kann, brachten den Saal zum Beben.

Da hatte er in seiner Unterkunft in Edenkoben etwas mehr Glück.
Auf die Frage der Hotelchefin wann denn sein Zug ginge, antwortete er „um 11 Uhr“, worauf sie meinte „Sehr schön, bei uns gibt es Frühstück bis 8 Uhr.“ Seine Begeisterung kannte keine Grenzen.

Schließlich dankte er seiner Frau und seinen Kindern, „die das Ganze hier heute Abend nötig gemacht haben.“ (Text und Bild: Heinz Lambert)

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