
Vor der Bootinstallation (v.li.): Vors. Philipp Schmitt, Künstler Jürgen Batschneider, Kuratorin Nadja Melko, stv. Vors. Achim Stadter und Archäologe Fridolin Reutti.
Fotos: Beil
Rheinzabern – Eine Sonderausstellung, die aus dem Rahmen fällt, ist ab sofort bis Anfang August im Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern zu sehen.
Der international gereiste und mehrfach ausgezeichnete Künstler Jürgen Batscheider aus Memmingen widmet seine Installationen und Bilder einem zeitlosen Thema: Menschliche Mobilität auf dem Meer.
Jürgen Batscheider arbeitet mit Historikern und Archäologen zusammen und geht aus künstlerischer Sicht an die Thematik heran. „boatpeople“ nennt er sein Werk, zu dem er durch einen Freund angeregt wurde, der als vietnamesischer Boatpeople von der Cap Anamur des jüngst verstorbenen Rupert Neudeck aus dem Südchinesischen Meer vor Vietnam gerettet worden war.
Das Meer faszinierte schon immer die Menschen. Einerseits als Nahrungsbasis, Verkehrsweg, Gefahrenquelle, Wetterküche, andererseits als Sehnsuchtsort und Quelle von Mythen wie den sagenhaften Reisen eines Odysseus, dem legendären Thule, dem versunkenen Vineta, der immensen Anziehungskraft von Eldorado oder dem Königreich von Saba.
Wunderbare Bilder, aber auch so manches, was das Meer an Land spült, zeigen dessen Ambivalenz. Hie die unendliche Schönheit, da die gnadenlos zerstörerische Kraft und Gefährdung durch den Menschen.
Im Mittelunkt steht jedoch Jürgen Batscheiders Komposition aus vielen kleinen bemannten Schiffen, die auf dem Wasser zu tanzen scheinen. Der Künstler verwendet dafür Fassdauben.
Mit dieser Komposition war er unterwegs am Meer – in Norwegen, an der Ostsee und der Côte d’Azur – und ließ die „Boote“ aus alten Fassdauben scheinbar auf den Wellen tanzen. Keinen Moment sei Meer ruhig. Keine Welle gleiche der anderen.
Der Künstler schwärmt von seinen Beobachtungen, als er das Meer malen wollte. Das Meer symbolisiert für ihn ewige Veränderung. Die schwarmhafte Anordnung seiner Boote soll soziale Strukturen symbolisieren, wirkt wie ein großes Wesen mit kollektiver Intelligenz.
Batscheider ist auch fasziniert von der Frage, warum der Mensch immer wieder das Meer sucht, es bezwingen will, es liebt, es hasst, durch das er reich wird oder an dem er zerbrechen kann. In jedem steckt wohl ein Odysseus, meint er.
Dies impliziert, dass Aufbruch, Abenteuer, Hoffnung, Flucht, Ankunft ein Leben interessanter machen, als daheim hinterm Ofen zu hocken.
Als Kuratorin der Ausstellung führte die Archäologin Nadja Melko in die Thematik ein und stellte historische Bezüge her, welche die Zeitlosigkeit der Thematik offenbar machen. Sie schlug einen Bogen von Homer über Dante bis in unsere Tage.
Aktuell macht sich der Begriff an den „boatpeople“ übers Mittelmeer fest. Das momentane Zeitgeschehen ist jedoch nur eine Facette eines sich immer wiederholenden Phänomens – der Mobilität.
„boatpeople“ waren auch die Pfälzer Auswanderer im 19. Jahrhundert, betonte Ortsbürgermeister Gerhard Beil in seinem Grußwort, als sie unter elenden Bedingungen im Bauch von Seelenverkäufern über den Atlantik reisten, um ihr Glück zu suchen, angetrieben von Armut, Krieg, Landmangel und der Hoffnung auf ein besseres Leben für die Enkel, gelockt von Freiheit, Chancen und einem friedlichen Leben. „boatpeople“ seien auch die Kreuzfahrer dieser Tage, die in Massen die Faszination Meer suchen.
Ein gelungener Auftakt zu einer außergewöhnlichen Sonderausstellung, die sicherlich Interessenten aus der gesamten Region anziehen dürfte.
Es lohnt sich, eine Stippvisite ins Terra-Sigillata-Museum Rheinzabern zu machen, dessen stellvertretender Vereinsvorsitzender Achim Stadter die Gäste begrüßt hatte, weil die „Rheinzaberner Römer“ am gleichen Tag beim Festzug in Eggenstein unterwegs sein mussten, um Werbung für das Römerdorf zu machen.
Öffnungszeiten: Mittwoch-Samstag: 11 -16 Uhr, Sonn- und Feiertage: 11 – 17 Uhr.
Infos unter Telefon 07272-955993 und auf www.terra-sigillata-museum.de Mail: info@terra-sigillata-museum.de

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