
Ferat Kocak
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Ein Chat mit dem Sohn des bekannten Berliner Clan-Chefs Issa Remmo bringt den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak zunehmend unter Druck. Inzwischen kommt Kritik nicht nur von der SPD. Auch die langjährige Linken-Politikerin und frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau stellt Koçaks Erklärung offen infrage.
Auslöser der Debatte war zunächst der Auftritt von Issa Remmo bei einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln. Der Bezirksverband erklärte anschließend, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden. Politische oder persönliche Beziehungen zu ihm gebe es nicht.
Chat mit Remmo-Sohn veröffentlicht
Kurz darauf bekam die Geschichte eine neue Wendung. Firas Remmo, ein Sohn von Issa Remmo, veröffentlichte einen Screenshot eines Nachrichtenaustauschs mit Ferat Koçak. Darin ließ der Bundestagsabgeordnete „Grüße mit Respekt“ an Issa Remmo ausrichten.
In einem weiteren Austausch bat Koçak Firas Remmo, ein Video einer seiner Bundestagsreden zu verbreiten. Die beiden sprachen sich dabei als „Bruder“ an.
Brisant ist auch das Thema dieser Rede: Koçak hatte sich im Bundestag mit dem Begriff der Clankriminalität beschäftigt und davor gewarnt, Menschen allein wegen ihres Nachnamens einer kriminellen Struktur zuzuordnen.
Firas Remmo versah den veröffentlichten Chat nach dem Berliner Wahlsieg der Linken mit einer eigenen Botschaft. Er schrieb unter anderem, man stehe zusammen und kämpfe gemeinsam für seine Ziele.
Koçak entschuldigt sich
Koçak bestätigte anschließend den Kontakt und räumte einen Fehler ein. Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet würden, seien „durch nichts zu rechtfertigen“, erklärte er.
Gleichzeitig erklärte der Abgeordnete, er habe zunächst nicht gewusst, mit wem er schrieb. Über seine sozialen Netzwerke kommuniziere er jede Woche mit Hunderten Menschen aus Neukölln. Firas Remmo habe sich im Zusammenhang mit einem Aufruf zu einer politischen Aktion bei ihm gemeldet. Den Gruß an dessen Vater habe er aus Höflichkeit erwidert. Erst kurz danach habe er erfahren, um wen es sich handelte.
Dass er Firas Remmo anschließend noch um die Verbreitung seiner Bundestagsrede gebeten habe, sei ein Fehler gewesen. Koçak kündigte an, sein Kommunikationsverhalten gemeinsam mit seinem Team aufzuarbeiten und für Transparenz zu sorgen.
Petra Pau glaubt nicht mehr an „Naivität“
Diese Erklärung überzeugt selbst in den eigenen Reihen nicht jeden. Besonders deutlich wurde Petra Pau. Die langjährige Linken-Bundestagsabgeordnete und frühere Bundestagsvizepräsidentin schrieb öffentlich an Koçak: „Mir reicht es langsam.“ Als Bundestagsabgeordneter trage er Verantwortung, sie könne „nicht mehr an Naivität glauben“.
Pau deutete außerdem an, dass ihre Zweifel nicht erst mit dem jetzt veröffentlichten Chat entstanden seien. Sie habe bereits im Sommer auf eine Mail Koçaks nicht geantwortet, weil sie offenbar entsprechende Befürchtungen gehabt habe. Worum es in dieser Mail ging, erklärte Pau nicht. In einem weiteren Beitrag forderte sie Koçak auf, Verantwortung zu übernehmen.
SPD fordert „klare Konsequenzen“
Auch aus der SPD wächst der Druck. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, hält Koçaks Entschuldigung für unzureichend.
„Diese Verbrüderung zwischen einem Bundestagsabgeordneten und einem Mitglied der Organisierten Kriminalität ist absolut inakzeptabel“, sagte Wiese den Funke-Medien. Die Entschuldigung reiche nicht aus und wirke aus seiner Sicht unglaubwürdig. Wiese forderte Koçak deshalb auf, „klare Konsequenzen“ zu ziehen. Welche Konsequenzen er konkret erwartet, ließ er offen.
Der Fall trifft die Berliner Linke unmittelbar nach ihrem Wahlerfolg. Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte sich bereits vom Auftritt Issa Remmos bei der Neuköllner Wahlparty distanziert und erklärt, dieser sei nicht eingeladen gewesen. Mit organisierter Kriminalität habe ihre Partei nichts zu tun.
Der nun bestätigte Kontakt zwischen Koçak und Firas Remmo wirft deshalb neue Fragen auf. Der veröffentlichte Chat belegt allerdings keinen direkten Nachrichtenaustausch zwischen Koçak und Issa Remmo. (red / dts Nachrichtnagentur)
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