
Bittere Armut: Viele Fabriken nutzen die hoffnungslose Lage eines großen Teils der Bevölkerung aus. Foto: GFDL-cc-by-sa-3.0-Thomas Schoch/wikimedia commons
Köln/Dhaka – Mehrere bekannte deutsche Modeketten sehen sich erneut Kritik wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in Bangladesch ausgesetzt.
Angeblich werden dort in manchen Fabriken, die für den deutschen Markt produzieren, die Arbeiter eingesperrt und auch Kinder sollen an den Nähmaschinen gesichtet worden sein, berichtet der TV-Sender RTL. Es würden Monatslöhne von umgerechnet 30 bis 50 Euro bezahlt. Der RTL-Reporter Alexander Römer hatte mit versteckter Kamera Fabriken in der Nähe der Hauptstadt Dhaka besucht und für seine Recherchen extra eine Scheinfirma gegründet, um dann über Mittelsmänner Zugang zu den Produktionsstätten zu erhalten.
In einer Fabrik arbeiten laut seines Berichts auch Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren. „Im ersten Moment war ich sprachlos, als ich all die Kinder dort arbeiteten sah“, so Römer. Der Fabrikbesitzer soll offen angegeben haben, auch für einen deutschen Textildiscounter zu produzieren, der bereits in der Vergangenheit oft in der Kritik stand, aber Besserung gelobt hatte.
Sogar die späteren Preisschilder für den deutschen Markt sollen schon in Bangladesch angebracht worden sein. Demnach sollten beispielsweise Hosen für das 20-fache der Produktionskosten vor Ort in Deutschland verkauft werden. Der deutsche Textildiscounter verwies in einer Stellungnahme auf „illegales Subcontracting“ – ein Hauptlieferant vor Ort habe mit illegalen Methoden gearbeitet. Den Lieferanten erwarte jetzt eine Konventionalstrafe von 5.000 US-Dollar und man werde die Geschäftsbeziehungen sofort beenden.
Vor Ort schlugen die Recherchen des RTL-Reporters angeblich so hohe Wellen, dass Mittelsmänner sogar mit dem Tod bedroht worden sein sollen. Der Sender habe dazu das Auswärtige Amt eingeschaltet. Die Reportage soll am Mittwoch und Donnerstag in der Sendung „Punkt 12“ gezeigt werden. (dts Nachrichtenagentur)

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