Freitag, 20. Mai 2022

Bad Bergzabern: Kampf und Hoffnung für den „Engel“

19. September 2016 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Politik regional, Regional
Historische Kostüme bei der Unterschriftensammlung: v.li.: Rolf Ulshöfer, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums, Alfred Burckhardt, Mitarbeiter des Stadtmuseums, Frank Naumann, Laienschauspieler "Bergzaberner Spektakel", Anne Naumann, Mitarbeiterin des Stadtmuseums und Laienschauspielerin "Bergzaberner Spektakel", Klaudia Sippel-Mahr, Kunsthistorikerin und Gästeführerin. Auf dem Foto fehlt Heike Grill. Foros: v. privat

Historische Kostüme bei der Unterschriftensammlung: v.li.: Rolf Ulshöfer, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums, Alfred Burckhardt, Mitarbeiter des Stadtmuseums, Frank Naumann, Laienschauspieler „Bergzaberner Spektakel“, Anne Naumann, Mitarbeiterin des Stadtmuseums und Laienschauspielerin „Bergzaberner Spektakel“, Klaudia Sippel-Mahr, Kunsthistorikerin und Gästeführerin. Auf dem Foto fehlt Heike Grill.
Foros: v. privat

Bad Bergzabern – Die Bezirksgruppe Bad Bergzabern des Historische Vereins der Pfalz kämpft für den Erhalt des Stadtmuseums und hat am Freitag auf dem Wochenmarkt eine große Unterschriftenaktion gestartet.

Das Museum ist in einem der schönsten Renaissancegebäude der Pfalz untergebracht, das von 1556 bis 1579 von den Pfalzgrafen von Zweibrücken erbaut wurde.

Dokumentiert werden dort unter anderem die Stadt- und Regionalgeschichte. Das Museum erinnert an eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten, die in Bergzabern lebten, und organisiert Sonderausstellungen zu regionalen und überregionalen Themen. Im Wintergarten gibt es Mineralien und Versteinerungen zu besichtigen.

Keine Gaststätte – weniger Besucher

Das Problem: Seit etwa zwei Jahren ist die ursprünglich im Erdgeschoss betriebene Gaststätte „Zum Engel“ geschlossen. Dadurch sind die Besucherzahlen im Schnitt um etwa zwei Drittel gesunken. Rund ein Fünftel der Gaststättenbesucher sei dann eben doch gerne „ins Museum hochgekommen“, sagte ein Vertreter des Vereins dem Pfalz-Express.

In den letzten sieben Jahren habe es aber etliche „Tiefs“ gegeben, da die Gaststätte in dieser Zeit nicht besonders gut geführt worden sei. Seit der Schließung bleiben noch mehr Museumsbesucher aus. Habe man früher etwa 2.000 Besucher im Jahr verzeichnen können, seien es heute nur noch 500 bis 1.000.

Gaststätte und Museum gehörten jedoch zusammen, seien wir „Pferd und Reiter“, so der Verein.

Die Stadt hatte vor zwei Jahren bei einem Stadtplanungskonzept, an dem der Stadtplaner Prof. Hans Dennhardt maßgeblich beteiligt ist, auch das Problem des „Engels“ aufgegriffen und den Schwerpunkt auf das Museum gelegt. Statt eines Restaurants sollte im unteren Bereich ein kleines Bistro den Museumsbesuchern zu Verfügung stehen.

Für das Stadtkonzept wurden Förderungen beim Land beantragt.

Bei der letzten Stadtratssitzung allerdings hatte Bürgermeister Dr. Fred-Holger-Ludwig von seinen Gesprächen in Mainz zum Thema „Engel-Zuschüsse“ berichtet – und die seien nicht allzu positiv verlaufen: Ein Museum sei finanziell nicht tragfähig, eine Gaststätte nicht förderwürdig, alternativ sei ein Ausbau von Wohnungen in dem historischen Gebäude denkbar.

Stadtförderung sogar erhöht

Der SPD-Abgeordnete für den Kreis Südliche Weinstraße, Alexander Schweitzer, der auch Fraktionschef im Landtag ist, sagte dem Pfalz-Express, dass er aus dem Innenministerium auf Nachfrage andere Informationen bekommen hätte. Bürgermeister Ludwig habe das Gespräch möglicherweise etwas verkürzt wiedergegeben.

Das Land unterstütze die Stadt und somit auch den „Engel“ sogar mit 7,4 Millionen Euro anstatt der ursprünglich zugesagten 7 Millionen.

Es sei nicht gesagt worden, dass es keine Gastronomie oder kein Museum geben dürfe. Dennoch werde geprüft, wie es mit der Wirtschaftlichkeit bestellt sei: „Da spielen auch die Prämissen des Rechnungshofs eine Rolle“, so Schweitzer. Deshalb müssten auch alternative Konzepte angeschaut werden. Das alles sei jedoch ein standardisierter Vorgang, der immer bei Förderungen durchgeführt werde – und keine Förderabsage.

In der Kurstadt wird man das gerne hören. Bei der Unterschriftenaktion jedenfalls war jede Menge Betrieb am Stand des Vereins. 260 Unterschriften hat man an diesem Vormittag gesammelt, nicht eingerechnet diejenigen, die noch diese Woche auf ausgelegten Listen in den Geschäften dazukommen: Es gibt anscheinend doch noch berechtigte Hoffnung, dass der „Engel“ bald wieder von vielen Besuchern belebt wird.

Schweitzer will Bürgermeister Ludwig, die Beigeordneten und die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen zu einem Gespräch nach Mainz einladen. Dort sollen die Fördermöglichkeiten nochmals erläutert werden. (cli)

Bedeutendes Renaissance-Gebäude: Der "Engel".

Bedeutendes Renaissance-Gebäude: Der „Engel“.

 

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Ein Kommentar auf "Bad Bergzabern: Kampf und Hoffnung für den „Engel“"

  1. Burckhardt, Alfred sagt:

    Bad Bergzabern: Kampf und Hoffnung für den „Engel“

    Vielen Dank für die detaillierte Aufarbeitung der Problematik durch das Team vom Pfalz-Express.