
Quelle: Verband der Hessisch-Pfälzischen
Zuckerrübenanbauer e.V.
Pfalz. Die Schilf-Glasflügelzikade, ein kleines Insekt mit großer Schadwirkung, hat neue Wirtspflanzen erobert: Spargel und Rhabarber. Dies meldet der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. aus Worms.
Die Zikaden übertragen zwei bakterielle Erreger, die schwere Pflanzenkrankheiten auslösen und für Landwirte erhebliche Ertragsverluste bedeuten können. Für Menschen sind die Insekten und Krankheiten ungefährlich.
Neue Vermehrungsorte entdeckt
Das Forschungsteam des Verbandes, unter der Leitung von Dr. Christian Lang, hat nachgewiesen, dass die Zikaden in verfrühten Spargel- und Rhabarberkulturen, die mit Folien oder Vlies abgedeckt sind, optimale Bedingungen finden.
„Die höheren Bodentemperaturen beschleunigen die Entwicklung der Zikaden, sodass sie früher ausfliegen“, erklärt Natasha Witczak, die am Julius-Kühn-Institut in Siebeldingen forscht. Seit wenigen Tagen wurden ausfliegende Zikaden beobachtet, die von Spargel- und Rhabarberfeldern in benachbarte Rüben- oder Kartoffelfelder gelangen oder in den Dauerkulturen bleiben, um Eier abzulegen.
Bereits zuvor hatte das Team Karotten und Rote Bete als Wirtspflanzen identifiziert. Da Spargel und Rhabarber ähnliche unterirdische Speicherorgane wie Zuckerrüben oder Kartoffeln besitzen, lag die Vermutung nahe, dass sie ebenfalls betroffen sein könnten. In Zusammenarbeit mit Johannes Ritz von der Bioland-Beratungsdienst GmbH wurde nun der Nachweis aller Entwicklungsstadien der Zikaden in diesen Kulturen erbracht.
Erhebliche Schäden für die Landwirtschaft
Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt die Erreger Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani, die Krankheiten wie die „Bakterielle Gemüsewelke“ auslösen.
Besonders Rhabarber zeigt in Süddeutschland seit Jahren Symptome, die zu Flächenverlusten und sogar zur Aufgabe des Anbaus geführt haben. „Dauerkulturen wie Spargel und Rhabarber bieten den Zikaden dauerhafte Vermehrungsorte, was die Bekämpfung erschwert“, betont Ritz. Besonders für Bio-Betriebe ist die Lage schwierig, da ihnen geeignete Pflanzenschutzmittel fehlen.
Forschung im Fokus
Das Forschungsteam hat Zelte in Spargel- und Rhabarberfeldern aufgestellt, um ausfliegende Zikaden zu fangen und ihre Anpassungsfähigkeit zu untersuchen. „Die Zikaden überraschen uns immer wieder durch ihre Flexibilität“, sagt Lang. Wie lange sie bereits Dauerkulturen befallen, ist unklar. Die Wissenschaftlerin Natasha Witczak führt derzeit Untersuchungen durch, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
Die Landwirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz, Daniela Schmitt, lobte die Forschungsteams für ihren Einsatz und betonte die Notwendigkeit von Lösungen, um einen Zusammenbruch der heimischen Agrarwirtschaft zu verhindern. Rheinland-Pfalz habe sich als Impulsgeber für die internationale Praxisforschung etabliert.
Ausblick und Herausforderungen
Die Forscher warnen, dass ein Befall weiterer Dauerkulturen wie Wein oder Obst dramatische Folgen haben könnte. Sie fordern mehr Unterstützung für die Praxisforschung, um Gegenmaßnahmen zu entwickeln. „Dies ist ein Problem von europäischer Dimension“, betont Lang.
Aktuell ist kein flächendeckender Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erforderlich, da die Zikadenpopulationen noch beobachtet werden. Ein Großteil der Insekten stammt weiterhin aus Wintergetreide, das auf Zuckerrüben folgt.
Hintergrund: Engagement des Verbandes
Der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. ist seit Jahren in der Forschung aktiv und beteiligt sich an mehreren europäischen Innovationsprojekten. Durch eine Stiftung konnten Forschungsarbeiten und Promotionen gefördert werden, die zur Entdeckung neuer Wirtspflanzen führten. Gemeinsam mit der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft wurde die Stelle einer Koordinatorin für Forschungsnetzwerke geschaffen, besetzt mit Helen Pfitzner.

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