Samstag, 18. November 2017

Unwahrheiten über die Wärmedämmung

4. Februar 2013 | noch keine Kommentare | Kategorie: Bauen & Sanieren, Ratgeber

Wärmedämmung bei einer Gebäudefassade. Foto: Engoman23

„Hohe Brandgefahr bei Wärmedämmung mit Polystyrol-Platten“ lautete die Meldung im Sommer letztes Jahres.

Sie verunsicherte viele Häuslebauer und Sanierwillige und brachte die gesamte Wärmedämmung in Verruf. Aber: „Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Hausbesitzer bei der Wärmedämmung unabhängigen und fachkompetenten Rat einholen“, rät Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Der Experte erklärt, was Dichtung und was Wahrheit ist:

„Dämmung erhöht die Brandgefahr“:
Das hängt vom Dämmstoff und der korrekten Verarbeitung beim Einbau ab. Mineral- und Steinwolle, Mineralschaumplatten sowie Perlite sind zum Beispiel überhaupt nicht brennbar. Bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) und deren Ausführung mit Polystyrolplatten muss aber zwingend ein sogenannter Brandriegel mit Mineralwolle eingefügt werden, um das Risiko einer schnellen Brandausbreitung über die Fassade zu reduzieren. Werden Dämmmaßnahmen korrekt durchgeführt und alle Brandschutzbestimmungen beachtet, besteht keine erhöhte Feuergefahr. Im Vergleich mit der Gesamtzahl aller Hausbrände spielen Wärmedämmverbundsysteme als besonderer Problembereich praktisch keine Rolle.

„Die Außenwände veralgen“:
Hier sind vorrangig die WDVS als Verursacher an den Pranger gestellt worden. Richtig ist, dass die äußere Putzschicht bei gedämmten Wänden eine niedrigere Temperatur hat und damit das Abtrocknen von Regen- und Kondenswasser verzögert. Grundsätzlich sind für den mikrobakteriellen Befall jedoch noch weitere Faktoren ausschlaggebend: Die Bewitterung, die Himmelsrichtung, die Nähe zu Bäumen und Sträuchern und der fehlende Schutz durch vorspringende Bauteile wie Dachüberstand, Fensterbank, Erker oder Vordach. Bei Neubauten sollte daher ein konstruktiver Witterungsschutz mit geplant werden. Auch die Wahl eines dickeren Deckputzes kann zu etwas höheren Temperaturen der Putzoberfläche führen, weil er die Strahlungswärme besser speichert.

„Dämmung amortisiert sich nicht“:
Richtig ist: Dämmung lohnt sich, insbesondere bei einem schlechten Ausgangszustand. Je nach Maßnahme dauert das aber seine Zeit. Ob sich eine Maßnahme amortisiert, hängt von den Kosten der Dämmung, der eingesparten Energie und vor allem den künftigen Steigerungen der Energiepreise ab. Nötig sind immer eine Betrachtung des Einzelfalls im Rahmen einer Energieberatung und anschließend die richtige Ausführung der Dämmmaßnahmen durch die Handwerker. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt für eine Maßnahme nicht zu verpassen. Wenn zum Beispiel schon ein Gerüst steht und ohnehin der Putz erneuert oder die Fassade neu gestrichen werden muss, so fallen die zusätzlichen Kosten der Dämmung deutlich weniger ins Gewicht. Der kontinuierliche Anstieg der Energiepreise sorgt dafür, dass die Einsparungen mit der Zeit lukrativer werden. Außerdem ist die Investition heute kalkulierbar, während hinsichtlich der Energiepreise wenig Planungssicherheit herrscht. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sollte berücksichtigen, dass viele Sanierungsmaßnahmen beispielsweise wegen neuer Standards oder der Instandhaltung irgendwann ohnehin angegangen werden müssen. Unter Umständen können dafür auch Fördermittel in Anspruch genommen werden.

Unabhängige Hilfe bei allen Fragen zum baulichen Wärmeschutz bieten die Energieberater der Verbraucherzentrale kostenlos und anbieter­unabhängig in über 60 Orten in Rheinland-Pfalz. Die Beratungsorte und –zeiten finden Interessierte im Internet unter www.energieberatung-rlp.de. Telefonisch ist die Energieberatung der Verbraucherzentrale unter 01805 60 75 60 25 zu erreichen (0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz, aus den Mobilfunknetzen max. 0,42 Euro pro Minute). Telefonzeiten sind Montag und Donnerstag von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr sowie Dienstag 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung. (vz)

 

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