
Ein selbstgefertigtes Schild aus Holz macht am Eingang zum Rotwild-Gehege auf das Tier des Jahres 2026 aufmerksam, daneben stehen von links: Uta Holz, Geschäftsführerin Verein SÜW e.V., Landrat Dietmar Seefeldt, Reinhard Adam, Reinhard Adam und Thomas Gruber, Vorsitzender beziehungsweise Geschäftsführer der Vereinigung „Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald-Süd“ und Daniel Kraus, Geschäftsführer Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße.
Foto: KV SÜW
SÜW. Der Rothirsch ist das Wildtier des Jahres 2026! Mit bis zu 1,50 Meter Schulterhöhe ist er das größte Landsäugetier, das natürlich in Deutschland lebt. Auf die Waage bringt er bis zu 250 Kilogramm.
Im Landkreis Südliche Weinstraße kommt das Rotwild gleich zweimal vor: in freier Wildbahn in den Hinterwäldern der Verbandsgemeinden Annweiler, Bad Bergzabern, Edenkoben, Landau-Land und Maikammer sowie im Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße in Silz.
Doch der Rothirsch hat auch mit immer mehr Problemen und Herausforderungen zu kämpfen. Um auf diese aufmerksam zu machen, haben sich Landrat Dietmar Seefeldt, Daniel Kraus, Geschäftsführer des Wild- und Wanderparks, Uta Holz, Geschäftsführerin Südliche Weinstrasse e. V. sowie Reinhard Adam und Thomas Gruber, Vorsitzender beziehungsweise Geschäftsführer der Vereinigung „Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald-Süd“ kürzlich im Wild- und Wanderpark (WWP) zu einem Pressetermin getroffen.
„Der Rothirsch ist mehr als ein beeindruckendes Wildtier – er ist Teil unseres natürlichen Lebensraums und heimischen Naturerbes. Als Wildtier des Jahres lenkt er den Blick auf die Verantwortung, Lebensräume zu erhalten, Rückzugsräume zu sichern und einen respektvollen Umgang mit der Natur zu fördern“, fasste es Landrat Dietmar Seefeldt in seiner Begrüßung zusammen.
In Bedrängnis
Aufgrund der zersiedelten Landschaft wurde das Rotwild – ursprünglich ein Steppentier – immer mehr in die Wälder gedrängt. „Eigentlich müsste der Rothirsch König der Steppe heißen“, so Daniel Kraus, der die Tierart gut kennt. Als Geschäftsführer des WWP ist er für aktuell circa 115 ältere Rotwild-Tiere und 35 Kälber verantwortlich. Seit 54 Jahren ist das Rotwild dort eine der Leittierarten.
Doch selbst im letzten gebliebenen Lebensraum, dem Wald, ist das Rotwild nicht für sich. Der sogenannte Freizeitdruck, zum Beispiel durch Ausflügler, nimmt mehr und mehr zu. Jede und jeder Einzelne kann Rücksicht nehmen: Ruhezonen akzeptieren, auf den Wegen bleiben, sich nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit durch den Wald bewegen.
„Dass der Rothirsch Wildtier des Jahres ist, sollte auch als ein Appell für den Artenschutz verstanden werden“, erklärt Kraus, der eine Lobby für den Rothirsch schaffen möchte, da dieser neben Tieren wie Luchs und Wolf in der öffentlichen Aufmerksamkeit bislang noch weit zurückliege.
„Er steht als Symbol dafür, dass wir den heimischen Arten Platz lassen sollten. Inzwischen benötigt das Rotwild in freier Wildbahn dringend aktive Hilfe des Menschen. Die Inselbiotope, wo noch Rotwild vorkommt, sollten besser als bisher durch mehr Korridore und Wildbrücken vernetzt werden. Denn die genetische Verarmung ist ein großes Problem und kann zu Missbildungen führen. Es gibt zu wenig Austausch.“
Rotwildgebiete oder -bezirke sind diejenigen Flächen, auf denen die Tiere geduldet werden. Im Kreis SÜW wird das bestehende Rotwildgebiet beispielsweise im Norden durch die Bundesstraße (B) 10 begrenzt. Auf anderen Flächen gilt oft ein striktes Abschussgebot, um Schäden an der Wald- und Landwirtschaft zu verhindern. Denn Rotwild knabbert mit Vorliebe junge Pflänzchen, Knospen, Blätter und Zweige, schält aber auch gerne Bäume, wovon insbesondere die Kiefer betroffen ist.
Daniel Kraus – selbst Jäger – sowie Reinhard Adam und Thomas Gruber von der „Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald-Süd“, die 26.000 Hektar mit 62 Jagdrevieren abdeckt, in denen in mehr als der Hälfte Rotwild vorkommt, wünschen sich, dass diese starren Grenzen erweitert werden und die Jagd behutsam an die Lebensraumbedürfnisse des Wildes angepasst wird.
„Der Tagesablauf von Rotwild ist stark von den fünf bis acht Äsungszyklen geprägt, also den Zeiten, in denen es Nahrung aufnimmt und in einer Art Ruhebereich wiederkäut. Wird es dabei gestört – egal ob von Wanderern, Mountainbikern, Jägerinnen oder Jägern –, sucht es sich andere Gebiete und verursacht dort oft wirtschaftliche Schäden“, erläuterte Adam beim Pressetermin.
Hätten die Tiere also insgesamt in Deutschland mehr zusammenhängende Fläche zur Verfügung, würden sie das Futter wohl weniger punktuell aufnehmen und weniger Schäden im Wald anrichten. Adam spricht sich für einheitliche, gut durchdachte und großflächige (mehr als 3000 Hektar) Jagdkonzepte über die Reviergrenzen hinaus aus, denn: „Es ist besser nicht zu jagen, als falsch zu jagen.“
„Wenn sich die Lage verschlimmert, bedeutet das das Aus“
Aktuell untersucht eine Universität in Brandenburg in einer populationsgenetischen Studie, in welcher Verfassung das Rotwild in Deutschland ist, so Adam. Ergebnisse würden bis Ende des Jahres erwartet. Der südliche Pfälzerwald befinde sich – bezogen auf die Ampelfarben – noch im gelben Bereich, sagt der Vorsitzende der Hegegemeinschaft: „Wir müssen also darauf achten, dass der genetische Austausch zwischen den Populationen, von den Vogesen bis in den Pfälzerwald, wieder ermöglicht wird, sonst bedeutet das irgendwann das endgültige Aus für einen gesunden Rotwildbestand im Pfälzerwald.“
Auch die Touristiker in der Pfalz und Südpfalz seien sich ihrer Verantwortung bewusst, betonte Uta Holz, Geschäftsführerin des Vereins Südliche Weinstrasse e.V.: „Natur ist das, was unsere Südliche Weinstraße ausmacht – sowohl für die Einheimischen als auch für die Gäste.“
Die Pfalztouristik als Dachverband habe während der Corona-Pandemie die Kampagne „#Uffbasse – für Rücksicht und Naturschutz“ gestartet, die auf gegenseitige Rücksichtnahme in der Natur, Aufklärung und Sensibilisierung setze. Aufklärung sei auch im Wild- und Wanderpark ein großes Thema, unter anderem über die beliebte und mehrsprachige Lauschtour-App, so Holz. Auch sie hoffe, dass das Rotwild künftig in der Südpfalz nicht mehr nur dort vorkomme, sondern weiterhin Teil des Pfälzerwaldes bleibe.
Brunft ein Spektakel im Wild- und Wanderpark
Übrigens: Ab Mitte September bis etwa Ende Oktober gibt es im Wild- und Wanderpark ein besonderes Naturschauspiel zu beobachten: die Brunft. Der stärkste Hirsch, der Platzhirsch, übernimmt während der Paarungszeit die Führung über ein Rudel von Hirschkühen. Er verteidigt das Rudel gegen andere Männchen, röhrt lautstark und kämpft bei Bedarf auch gegen Nebenbuhler. Tipp: Je kühler es draußen wird, desto mehr Fahrt nimmt das Geschehen auf. Gerade nach kalten Herbstnächten lohnt ein Besuch.

Im Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße in Silz gibt es aktuell 115 ältere Rotwild-Tiere und 35 Kälber.
Foto: WWP
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