Rheinland-Pfalz. Jetzt ist die Zeit, in der Wildkatzen ihre Jungen bekommen. „Daher ist es besonders in der Wurfzeit von März bis Mai sehr wichtig, besondere Rücksicht auf diese streng geschützten Tiere zu nehmen. Denn die europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) steht nach wie vor auf der Roten Liste“, betonte Gabriele Neumann, Wildkatzenexpertin der Naturschutzinitiative.
In den ersten Lebenswochen ihrer Jungen wechselt die Wildkatzenmutter mehrmals das Versteck, um die Gefährdung durch Fressfeinde zu vermindern. Das führt zu einem hohen Anspruch an das Revier einer weiblichen Wildkatze in Bezug auf Wurfplatz- und Versteckmöglichkeiten.
In Anbetracht der knappen Verfügbarkeit von natürlichen Wurf- und Ruheplätzen wie z. B. Baumhöhlen suchen sich Wildkatzen für die Aufzucht ihrer Jungen alternative Verstecke, die sie vor Witterungseinflüssen und Prädatoren schützen.
Dabei bieten Holzpolter sowie Totholzhaufen aus Ast- und Kronenmaterial Wildkatzenmüttern geeignete Wurfplätze und Verstecke zur weiteren Jungenaufzucht. Windwurfflächen mit liegendem Totholz und umgekippten Wurzeltellern eignen sich ebenfalls sehr gut als Versteck für den Nachwuchs. Diese sollten daher auch nicht abgeräumt und Totholzhaufen nicht geschreddert werden.
Bei der Zerstörung solcher Verstecke während der Aufzuchtphase von März bis Ende August kommt es leider immer wieder zu Tötungen von Katzenmüttern und Welpen. Aber auch wenn das Geheck entdeckt wurde und die Arbeiten umgehend eingestellt werden, kommt es vor, dass die Katzenmutter ihre Welpen nicht oder nicht vollständig in ein neues Versteck umträgt und dieser Nachwuchs ungeschützt zurückbleibt.
„Aus diesen Gründen und aus Rücksicht auf die streng geschützte und in ihrem Bestand gefährdete Wildkatze bitten wir die Forstämter eindringlich, keine Holzpolter mehr bis Ende September abzuräumen. Die Abfuhr der Holzpolter sollte dann erst wieder ab Oktober erfolgen“, so Gabriele Neumann.
Leider kommt es auch immer wieder vor, dass Wanderer gut gemeint die kleinen
Wildkätzchen, die den getigerten Hauskatzen sehr ähnlich sehen, für ausgesetzte Hauskatzen halten und beim Tierarzt oder in einem Tierheim abgegeben.
„Die kleinen Katzenjungen sollten unbedingt im Wald gelassen werden, da deren Mutter wahrscheinlich gerade auf Nahrungssuche ist. Die einzige Ausnahme ist ein Fund von jungen Wildkatzen bei einer toten Mutter.
In diesem Fall müssen die Welpen so schnell wie möglich in eine Aufzuchtstation gebracht werden, keinesfalls zum Tierarzt, in ein Tierheim oder eine Katzenhilfestation. An diesen Orten droht den Kleinen eine erhöhte Ansteckungsgefahr mit Hauskatzenkrankheiten, gegen die diese keine Abwehrkräfte haben“, erklärte Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann.
Die Naturschutzinitiative informiert über die aktuellen Wildkatzenaufzuchtstationen und bittet alle Bürger, tote Katzen, die Wildkatzen sein könnten, den Naturschutzverbänden oder Naturschutzbehörden zu melden.
Hotline der Naturschutzinitiative: 02626 926 443, Email: info@naturschutz-initiative.de
Todesursache Nr.1 für die Wildkatzen ist der Straßenverkehr. Die Naturschutzinitiative bittet daher auch alle Autofahrer um ein vorsichtiges und umsichtiges Fahrverhalten, besonders in der Dämmerung und nachts in Waldgebieten, strukturreichen waldnahen Wiesenbereichen und Bachtälern. (red)

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