
Ortsvorsteher Gerhard Becker, Dr. Ingenthron und Rolf Übel (v.l.) freuten sich über den guten Zuspruch der Veranstaltung.
Foto: red
Mörzheim. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal in der Mörzheimer Alten Schule beim Vortrag von Historiker Rolf Übel. Eingeladen hatte der SPD Stadtverband und der SPD Ortsverein Mörzheim. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Dr. Maximilian Ingenthron erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass die von Rolf Übel geschilderten Ereignisse zum Ende des 2. Weltkrieges genau 70 Jahre zurückliegen.
Der Referent Rolf Übel stellte im Laufe seines Vortrages die drei Arten der Anlagen vor und legte dabei den Schwerpunkt auf die stützpunktartig ausgebaute Verteidigungsstellung um Mörzheim mit zwei Höckerlinien und verschiedenen Bunkertypen. Hierzu zeigte Übel Karten, v.a. die Original-Karte aus dem „Dritten Reich“, und weitere Karten aus der Nachkriegszeit. Sehr instruktiv waren Luftaufnahmen der 9. USAAF, Aufklärungsbilder aus dem Frühjahr 1945. Übel erläuterte den Aufbau der Höckerlinie in ihrem Originalzustand, ging auf die Typen der Bunker ein und zeigte Pläne und Fotos von analogen Anlagen. Am Ende des Vortrags ging er anhand der Gefechtsberichte (after action reports) der 10. US-Panzerdivision auf die Ereignisse in der Südpfalz und um Mörzheim im März 1945 ein.
Zum Hintergrund:
In der Pfalz werden gemeinhin alle Reste der ehemaligen „Westbefestigungsanlagen“ des „Dritten Reichs“ fälschlicherweise mit dem Begriff „Westwall“ bezeichnet. Hierbei wird übersehen, dass es sich um zwei getrennte Verteidigungssysteme handelt: Den „Westwall“ als über 600 km lange, lineare Verteidigungslinie und die „Luftverteidigungszone West“ als eine eher stützpunktartig ausgebaute Abwehrstellung gegen einfliegende Flugzeuge, die aber auch als zweite Linie des Westwalls diente. Der Westwall wurde im Auftrag des Heeres errichtet, die Luftverteidigungszone in dem der Luftwaffe. Beide Systeme konnten zusammen eine Tiefe von bis zu 70 km haben.
Das Bunkersystem des Westwalls, verstärkt durch Panzergräben und Höckerlinien, verlief in unserem Raum vom Bienwald über Steinfeld, Kapsweyer, Oberotterbach, Dörrenbach und Böllenborn in den Pfälzerwald als durchgehende Linie. Zwischen Steinfeld und Oberotterbach befand sich einer der am stärksten ausgebauten Teile des Westwalls überhaupt, der „Otterbachabschnitt“.
Zu der weiter nördlich gelegenen zweiten Bodenverteidigungslinie, sie aber Teil der „Luftverteidigungsanlage West“, gehören die heute noch erhaltenen Teile der Höckerlinie bei Landau-Mörzheim, wie auch die im benachbarten Göcklingen.
Weiter nördlich schlossen sich die Stellungen der Flakbatterien an, die einfliegende Bomber bekämpfen und durch Beschuss auf größere Höhe zwingen sollten, was den Spritverbrauch erhöhte und die Zielgenauigkeit beim Bombenabwurf verringerte. Diese Anlagen dienten nicht mehr dem Bodenkampf, sondern waren Geschützstellungen mit Feuerleit-, Kommando- und Munitionsbunkern. Mit dem Bau der Luftverteidigungsanlagen wurde 1938 begonnen, er wurde 1940 eingestellt. In den Folgejahren ging man bei der Luftverteidigung von Stellungen in der Fläche auf die direkte Verteidigung der Städte, etwa Mannheim/Ludwigshafen, über. 1944/45 konnten die Anlagen von Westwall und Luftvereidigungsanlage wegen Personal- und Materialknappheit nicht mehr ausreichend ausgerüstet werden. Die Bunker wurden nach Kriegsende gesprengt und in den folgenden Jahrzehnten abgetragen. (hk)

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