Montag 14.September 2026

Vorreiter in der Westpfalz: ADAC weiht erste nachhaltige Luftrettungsstation ein

11. August 2026 | Kategorie: Donnersbergkreis, Kaiserslautern, Regional, Regional, Südwestpfalz und Westpfalz

Der hochmoderne ADAC Rettungshubschrauber des Typs H145 („Christoph 66“) vor der neuen Luftrettungsstation in Dörnbach. In Sachen Energienutzung und Ressourcenschonung ist der Bau ein Vorreiterprojekt.
Quelle: ADAC Luftrettung

Rockenhausen. Die gemeinnützige ADAC Luftrettung hat in Rockenhausen/Dörnbach die erste nachhaltige Luftrettungsstation errichtet und in Betrieb genommen.

Am 10. August wurde die neue Station des ADAC-Rettungshubschraubers „Christoph 66“ feierlich eingeweiht. Anwesend waren unter anderem Staatssekretär Dirk Herber vom Ministerium des Innern, für Integration und Verkehr, Landrat Rainer Guth sowie Stadtbürgermeister Michael Vettermann.

Der Neubau ist von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) für effiziente Energienutzung und Ressourcenschonung zertifiziert. Damit ist die Versorgung mit schneller Hilfe aus der Luft bis ins Jahr 2048 für die Region und darüber hinaus gesichert.

Geschäftsführer Frédéric Bruder kritisierte die zunehmenden Finanzierungsschwierigkeiten für gemeinnützige Organisationen: „Die Finanzierung solcher Projekte wird für gemeinnützige Organisationen wie die ADAC Luftrettung indes immer schwieriger.“ Der Sparkurs des Bundesgesundheitsministeriums mit einem starren Kostendeckel führe zu einer dauerhaften Unterfinanzierung der Luftrettung und gefährde die Notfallversorgung insgesamt.

Bruder forderte: „Wir erwarten, dass der Gesetzgeber bei der Reform der Notfallversorgung im Herbst eine Öffnungsklausel für die medizinische Notfallrettung schafft.“

Vorgaben und Standortfaktoren konsequent berücksichtigt

Planung und Bau der Station in Dörnbach waren fester Bestandteil einer europaweiten Ausschreibung des rheinland-pfälzischen Innenministeriums für den Luftrettungsstandort Westpfalz vom Juni 2022.

Diese forderte ein Nachhaltigkeits- und energetisches Konzept. Mit einer Stationierung über 25 Jahre handelte es sich um eine der bundesweit größten Vergaben im Luftrettungsdienst. Die ADAC Luftrettung setzte sich mit ihrem Konzept durch und realisierte das schlüsselfertige Projekt in weniger als zwei Jahren.

Dabei arbeitete sie eng mit lokalen Partnern zusammen, beauftragte Bauunternehmen aus der Region und berücksichtigte Empfehlungen der örtlichen Feuerwehr im Brandschutzkonzept. Aufgrund der langen Laufzeit wurde die Station mit einem Doppelhangar geplant. So lässt sich bei Bedarf die Kapazität durch einen zweiten Rettungshubschrauber erhöhen und rasch auf Großschadensereignisse wie Naturkatastrophen reagieren.

Stationsgebäude und Hangar entstanden in Holzbauweise; auf Kunststoffe wurde verzichtet. Im Erdgeschoss befinden sich ein Medizin- und ein Desinfektionsraum für den täglichen Betrieb der Crews sowie zwei Büroräume. Im Obergeschoss gibt es einen Schulungsraum für bis zu 30 Personen und zehn Ruheräume mit erhöhtem Schallschutz für Pausen zwischen den Einsätzen.

Nachhaltigkeitskonzept

Ein Gründach schützt vor extremen Temperaturen und ermöglicht zusammen mit einem Regenwassertank einen sparsamen Wasserverbrauch. Die Beheizung erfolgt über eine Wärmepumpe mit geothermischer Unterstützung.

Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher deckt bis zu 75 Prozent des Eigenstrombedarfs. Bei Stromausfall kann die Station über eigene Aggregate weiterbetrieben werden. Ergänzt durch Ausgleichsmaßnahmen wie großzügige Brachflächen und Streuobstwiesen gilt die Station als Vorreiterprojekt für effiziente Energienutzung und Ressourcenschonung.

Mit dem neuen Standort wertet die ADAC Luftrettung die regionale Rettungsdienstinfrastruktur deutlich auf. „Christoph 66“ ist der einzige notarztbesetzte Rettungshubschrauber mit Rettungswinde in Rheinland-Pfalz. Insbesondere im ländlichen Raum ist er oft das einzige Rettungsmittel, das Notärztinnen und Notärzte zu Patienten bringen und diese bei Bedarf in ein Krankenhaus transportieren kann.

Crew und Einsatzgebiet

Am Standort Dörnbach sind drei Piloten der ADAC Luftrettung sowie drei Notfallsanitäter mit der Zusatzqualifikation Winde (TC HHO) tätig. Den Personalstamm komplettieren 15 Notärztinnen und Notärzte der Uniklinik Homburg und des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern.

Das Einsatzgebiet umfasst die Stadt und den Landkreis Kaiserslautern, die Landkreise Kusel und Birkenfeld sowie den Donnersbergkreis. Für Patientenverlegungen kommt der Hubschrauber landesweit in Rheinland-Pfalz zum Einsatz.

Zudem fungiert er als offizieller Intensivtransporthubschrauber des Saarlandes. Der tägliche Rettungsbetrieb läuft von Sonnenaufgang (frühestens 7 Uhr) bis Sonnenuntergang. Alarmiert wird „Christoph 66“ von der Rettungsleitstelle Kaiserslautern.

Der moderne Hubschrauber des Typs H145 ist der leiseste seiner Leistungsklasse. Künftig könnten bei Bedarf auch Einsätze in der Dämmerung oder Dunkelheit möglich sein. Im vergangenen Jahr wurden die Crews 1530-mal alarmiert, davon 112-mal mit der Rettungswinde. Seit der Stationierung in der Westpfalz 2019 – zunächst in Eßweiler (Landkreis Kusel) und ab 2021 in Imsweiler (Donnersbergkreis) – absolvierte der ADAC-Rettungshubschrauber mehr als 11.000 Einsätze.

Symbolbild: Pfalz-Express

 

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