
Beispiel im Lockdown: Die unbelebte Neustadter Innenstadt
Fotos: Pfalz-Express/Ahme
Berlin- Deutschlands Versandhändler weisen die Verantwortung für Existenzprobleme von stationären Einzelhändlern von sich und greifen in dem Zusammenhang Politik, Vermieter und Gewerkschaften an.
„Wir sind nicht der Totengräber der Innenstädte“, sagte der Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH), Gero Furchheim, der „Welt“.
„Natürlich macht der Onlinehandel Druck im Wettbewerb und kann seine Marktanteile stetig steigern, aktuell sogar ganz besonders.“ Angriffe auf die Innenstadt gebe es aber von sehr vielen Seiten.
Furchheim nannte zum Beispiel die Konkurrenz von Discountern, Outlets und Shoppingcentern. Zudem hätten aktuelle und noch zu erwartende Leerstände in den Innenstädten mit viel zu hohen Mieten zu tun, mit unzureichenden Verkehrskonzepten und mit Einschränkungen bei den Öffnungszeiten wie dem Verbot von einzelnen verkaufsoffenen Sonntagen.
„Vermieter, Politik und Gewerkschaften sind aber gut darin, auf den Onlinehandel zu zeigen, wenn es der Innenstadt schlecht geht.“ Gleichzeitig sieht Furchheim die stationären Händler selbst in der Pflicht. „Es gibt viele Einzelhändler, die eifrig experimentiert und nach Antworten in diesem Wettbewerb gesucht haben. Da würde ich nie von einer Schuld oder Mitschuld sprechen, wenn die Geschäfte nicht so laufen wie erhofft.
Aber man muss auch sagen, dass es genug Händler gibt, die im Herzen irgendwie gehofft haben, dass das mit dem Internet irgendwann wieder vorbeigeht und deswegen gar nichts ausprobiert haben“, sagte er.
Dass es Vorschläge aus der Politik gibt, allen voran von CDU und CSU, den Innenstadthandel durch eine Paketsteuer zu schützen, hält Furchheim für fatal.
„Damit bestraft man am Ende ja nicht die großen Online-Riesen, die man vielleicht im Kopf hatte, sondern in erster Linie den mittelständischen Handel, der sich ein Online-Standbein aufgebaut hat“, so der Unternehmer.
Jeder weitere Schritt hin zum E-Commerce werde für diese Händler noch zusätzlich belastet. Der Vorschlag, der auch vom Handelsverband Deutschland (HDE) abgelehnt wird, habe ihn daher fassungslos gemacht. (dts Nachrichtenagentur)
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