
Rathaus in Speyer.
Foto: Pfalz-Express
In Speyer steht die Stadt als Industriestandort nach zwei einschneidenden Unternehmensentscheidungen innerhalb kurzer Zeit unter Druck. Denn nun hat auch der US-Konzern TE Connectivity das Aus für die Produktion angekündigt.
Das Unternehmen teilte mit, die Fertigung am Standort in der Siemensstraße bis Dezember 2028 schrittweise einzustellen und auf andere Standorte zu verlagern. Nach Angaben des Unternehmens sollen rund 140 Arbeitsplätze in Engineering und Verwaltung erhalten bleiben, während etwa 630 Beschäftigte in der Produktion betroffen sind.
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) bewertet die Entwicklung als deutliches Warnsignal. Innerhalb von nur drei Wochen hätten sich mit MANN+HUMMEL und TE Connectivity zwei große Industriebetriebe weitgehend aus der Produktion in Speyer zurückgezogen.
Beide Unternehmen hätten ihre Entscheidungen nahezu identisch begründet, nämlich mit schwacher Nachfrage in Westeuropa, Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie der Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig sei betont worden, dass die Leistung der Beschäftigten nicht infrage stehe. „Was wir hier sehen, ist nicht mehr ein einzelner Fall, es gleicht einem System der Standortverlagerung“, sagte Seiler.
Die Stadt kritisiert insbesondere die Folgen für die Beschäftigten. Wenn international tätige Konzerne Industrieproduktion aus Deutschland verlagerten, treffe das Menschen, die sich vor Ort eine Existenz aufgebaut hätten, so die Oberbürgermeisterin. Es gehe um Familien, die nun vor existenziellen Unsicherheiten stünden, und um eine Stadt, die über Jahrzehnte verlässliche Rahmenbedingungen für industrielle Produktion geschaffen habe. „Das ist kein Standortwettbewerb mehr, das ist die Abgabe der gemeinsamen Verantwortung für den Industriestandort Rheinland-Pfalz“, erklärte Seiler.
Hinter den genannten Zahlen – rund 600 bei MANN+HUMMEL und etwa 630 bei TE Connectivity – stünden Menschen, die über viele Jahre hinweg verlässliche Arbeit geleistet hätten. „Ich stehe an der Seite jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters, die jetzt um ihren Arbeitsplatz bangen“, sagte Seiler.
Die Stadt fordert die Unternehmensleitungen auf, die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen ergebnisoffen zu führen und alle Optionen sorgfältig zu prüfen, bevor endgültige Entscheidungen umgesetzt werden. Auch Land und Bund müssten die industriepolitische Entwicklung stärker in den Blick nehmen und mit konkreten Maßnahmen reagieren. Der Strukturwandel, insbesondere in der Automobilzulieferindustrie, könne nicht allein auf kommunaler Ebene abgefedert werden.
„Speyer wird sich nicht damit abfinden, dass innerhalb kurzer Zeit über 1.200 Industriearbeitsplätze auf der Streichliste stehen“, sagte Seiler abschließend. Die Stadt werde ihrer Verantwortung gerecht werden. Wie konkret das aussehen soll, sagte Seiler (noch) nicht. Man erwarte jedoch zugleich, dass auch die Unternehmen ihrer Verantwortung für Standort und Beschäftigte nachkommen.

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