Berlin – In Deutschland ist das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe größer als in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich.
Dies zeigt eine repräsentative Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die der „Welt“ (Dienstag) vorliegt.
Demnach gaben bei der Anfang November 2015 durchgeführten Umfrage 10,9 Prozent der Befragten an, zu jener Zeit aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig zu sein. Dieser Wert, so die Studienautoren, sei noch höher als im Bereich von Sport und körperlicher Bewegung, wo der Ehrenamtlichen-Anteil 10,1 Prozent betrage.
Zu den Tätigkeitsbereichen der Ehrenamtlichen gehören demnach die Hilfe bei der Ausgabe von Kleidung und Essen, die Unterstützung eines Flüchtlingsheims in der Nähe, die Begleitung bei Behördengängen, weiterhin Kinderbetreuung und – allerdings nur zu einem Prozent – die Aufnahme von Flüchtlingen in den eigenen vier Wänden.
Darüber hinaus ergab die Studie eine hohe Spendenbereitschaft: 37 Prozent erklärten, Sachspenden entweder bereits vor der Umfrage oder im aktuellen Befragungszeitraum geleistet zu haben. Geld spendeten vor oder während der Befragung 17 Prozent.
Zugleich aber hatten 52 Prozent der Bürger „bisher noch keine Erfahrungen“ mit Flüchtlingen gemacht. Bei denjenigen Befragten, die bereits Kontakt zu Flüchtlingen hatten, überwogen oft die guten Eindrücke. 26,2 Prozent gaben an, „eher positive“ oder „sehr positive“ Erfahrungen gemacht zu haben.
Gemischt sowie negativ oder sehr negativ war der Eindruck bei 21 Prozent. In der Studie wurde ebenfalls abgefragt, welche Sorgen die Deutschen angesichts der vielen Flüchtlinge umtreiben. An erster Stelle steht dabei eine Befürchtung, die sich auf die Einheimischen bezieht: Dass „der Rechtsextremismus wachsen wird“, glauben 85 Prozent der Befragten.
Auch sonst scheinen die Bürger die größten Sorgen bezüglich gesamtgesellschaftlicher Veränderungen zu haben: 77 Prozent befürchte n Schwierigkeiten bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung.
70 P rozent denken, es komme demnächst zu staatlichen Einsparungen in anderen Bereichen. Es gibt laut der Umfrage aber auch große Sorgen, die konkret die Flüchtlinge betreffen. 77 Prozent glauben, dass „viele dieser Menschen keinen Arbeitsplatz finden“ werden.
Nur wenig geringer ist der Anteil derer (70 Prozent), die meinen, dass man für die Flüchtlinge nicht genügend angemessene Unterkünfte und Versorgungsleistungen bereitstellen könne und dass „Behörden und Polizei die Situation nicht bewältigen“ (63 Prozent).
Viele machen sich zudem Sorgen um die Sicherheit in Deutschland: Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass man sich künftig „in bestimmten Gegenden nicht mehr so frei bewegen“ könne.
Eine Zunahme der Kriminalität befürchten 60 Prozent, ein Anwachsen der Zahl extremistischer Muslime fast 70 Prozent. 45 Prozent glauben, dass „die meisten Flüchtlinge unberechtigt zu uns kommen“.
Und gut 40 Prozent meinen, die muslimische Kultur werde künftig „unseren Alltag dominieren“. (dts Nachrichtenagentur)

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