
Ohne ihn wäre die deutsche Einheit ein Traum geblieben: Michail Gorbatschow
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den verstorbenen ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow als „großen Staatsmann“ gewürdigt.
„Deutschland bleibt ihm verbunden, in Dankbarkeit für seinen entscheidenden Beitrag zur deutschen Einheit, in Respekt für seinen Mut zur demokratischen Öffnung und zum Brückenschlag zwischen Ost und West, und in Erinnerung an seine große Vision von einem gemeinsamen und friedlichen Haus Europa“, so Steinmeier in einem Kondolenzschreiben. „Wer ihn in den letzten Jahren erlebt hat, konnte spüren, wie sehr er daran litt, dass dieser Traum in immer weitere Ferne rückte.“ Heute liege der Traum in Trümmern, „zerstört durch den brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine“.
Gorbatschow habe eine andere Zukunft gewollt, „wir wollen eine andere Zukunft“, so der Bundespräsident. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). „Er war ein mutiger Reformer und ein Staatsmann der vieles gewagt hat“, sagte der Kanzler am Mittwochmorgen in Meseberg. Leider sei Gorbatschow in einer Zeit gestorben, in der „nicht nur die Demokratie“ in Russland „gescheitert“ sei.
Auch andere Spitzenpolitiker würdigten den verstorbenen Staatsmann – vor allem über Twitter. „Michael Gorbatschow hat sich in Schicksalsmomenten unserer Geschichte von Frieden und der Verständigung zwischen den Menschen leiten lassen“, schrieb Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Das Ende des Kalten Kriegs und die deutsche Einheit seien sein Vermächtnis. „Wir trauern um einen Staatsmann, dem wir dafür ewig dankbar sind.“
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) würdigte den Verstorbenen unterdessen als „Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges und eine treibende Kraft der Deutschen Einheit“. Ähnliche Töne kamen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Deutschland hat ihm viel zu verdanken“, schrieb der CSU-Chef. Auch international gab es Trauerbekundungen. So bezeichnete zum Beispiel US-Präsident Joe Biden Gorbatschow als Mann „mit bemerkenswertem Weitblick“.
EU-Ratspräsident Charles Michel schrieb, dass der Russe sein Leben dem öffentlichen Dienst „mit einem tiefen Engagement für Frieden und Freiheit gewidmet“ habe. Gorbatschow war Ende der 1980er-Jahre Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und von März 1990 bis Dezember 1991 Staatspräsident der Sowjetunion und gilt als einer der „Väter der deutschen Wiedervereinigung“.
So lehnte er diese zwar zunächst ab, gab seinen Widerstand später aber auf. In der sowjetischen Politik setzte er mit Glasnost („Offenheit“) und Perestroika („Umbau“) neue Akzente und leitete in Abrüstungsverhandlungen mit den USA das Ende des Kalten Krieges ein. 1990 erhielt er den Friedensnobelpreis. In den Folgejahren war er in Deutschland immer wieder gern gesehener Gast. In Russland dagegen war Gorbatschows Ruf weit schlechter. So wurde ihm oft vorgeworfen, den Zusammenbruch der Sowjetunion und die folgende Phase wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit verursacht zu haben. (dts Nachrichtenagentur)
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



Moskau – Michail Gorbatschow ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Das meldete am Dienstag die russische Nachrichtenagentur Tass. Das Klinische Krankenhaus ...
Zürich – Nach Ansicht von Michail Gorbatschow, ehemaliger Staatspräsident der Sowjetunion, sind die Sanktionen, die im Zuge des Ukraine-Konflikts von mehreren westlichen ...
Moskau – Der letzte Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, malt ein düsteres Bild der russisch-westlichen Beziehungen. „Ich würde es so sagen: Der ...
Landau. Die Stadt Landau in der Pfalz hat einen ganz besonderen Bezug zu den Olympischen Spielen – geht doch das olympische Motto ...
Mainz – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Deutschen nach der Bundestagswahl zu mehr Einheit aufgefordert. Am Wahlabend habe der Blick auf ein ...
Kiel – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Tag der Deutschen Einheit den Opfern der SED-Diktatur gedacht. „In dieser Stunde möchte ich ...
Potsdam – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung liegt Deutschland nach Ansicht des Bundespräsidenten in vielerlei Hinsicht zurück. „Wir sind noch längst nicht ...
Berlin – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wendet sich in der Coronakrise mit einer Fernsehansprache an die Bevölkerung, die am Samstagabend von ARD und ...
Berlin – Polen hat nach Ansicht von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wegen des Zweiten Weltkriegs keinen Anspruch auf Reparationen gegen Deutschland. Die ...
Berlin – Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat bestürzt auf den Tod von EU-Parlamentspräsident David Sassoli reagiert. „Europa verliert einen engagierten Parlamentspräsidenten, Italien ...
Berlin – Unmittelbar vor dem internationalen Gedenken zum Ende des Zweiten Weltkriegs warnt CDU-Generalsekretär Mario Czaja vor Denkmalstürmerei. Angesichts von Forderungen, sowjetische ...












