Berlin – Die Vermüllung an der deutschen Nordsee und deren Küstenabschnitte ist weiterhin besorgniserregend.
Das geht aus einem „Faktenpapier“ des Umweltbundesamtes (UBA) vor, über das die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.
Gegenüber 2012 habe es „keine signifikanten abnehmenden Trends in der Belastung durch Meeresmüll“ gegeben, heißt es in dem Dokument, der aktuelle Untersuchungen der Bundesbehörde und der Küsten-Bundesländer zusammenfasst.
So wurden an den untersuchten Nordsee-Stränden im Durchschnitt 389 Müllteile auf 100 Metern Küstenlinie gefunden. 88,6 Prozent der gefundenen Müllteile bestanden aus Plastik, gefolgt von Glas, Gummi und verarbeitetem Holz.
Ein Drittel der Funde führt die Behörde auf „maritime Quellen“ zurück, vor allem auf die Fischerei. Ein weiteres Drittel der Funde sei Tourismus- und Freizeitaktivitäten an Land und auf See zuzuordnen.
Ein Großteil des Mülls bestand aus Verpackungsmaterialien, etwa Essens- und Trinkverpackungen. Weitere Kleinstfunde konnten nicht zugeordnet werden. Müll am Meeresboden ist laut der Behörde ebenfalls „weit verbreitet“, auch hier würden Kunststoffe bei den Funden dominieren.
Am Meeresboden ermittelten Forscher laut Umweltbundesamt eine durchschnittliche Menge von elf Kilogramm Müll pro Quadratkilometer. Die Ostsee und deren Küstenbereiche in Mecklenburg-Vorpommern wurden in den vergangenen Jahren erstmals untersucht: Hier fanden die Wissenschaftler ebenfalls eine problematische Vermüllung vor: Durchschnittlich seien rund 70 Teile auf 100 Metern Küstenlinie gefunden worden.
Plastikmüll dominiere auch hier mit rund 70 Prozent die Funde am Strand. Als Hauptverursacher wird die „touristische Nutzung der Ostseestrände“ genannt.
Alarmiert zeigen sich Forscher über die „weite Verbreitung von Mikroplastikartikeln“ in und an der Ostsee. Diese bedrohen laut Umweltbundesamt auch Vögel an der Nordsee. So weisen in der letzten Untersuchungsperiode 96 Prozent der tot aufgefundenen Eissturmvögel Kunststoffe im Magen auf.
Zudem wurden in Nord- und Ostsee Hunderte tote Fische auf Plastikpartikel untersucht: 69 Prozent der untersuchten Fischproben wiesen die Aufnahme von Mikroplastik auf.
Für das Umweltbundesamt sind die Ergebnisse „besorgniserregend“, wie UBA-Meeresschutzexpertin Stefanie Werner sagte. „Meeresmüll ist eine Folge unserer heutigen Wegwerfgesellschaft und den vorherrschenden Produktions- und Konsummustern geschuldet“. Jeder Einzelne sei gefragt.
„Produzenten müssen stärker Verantwortung für den weiteren Lebensweg der von ihnen in Umlauf gebrachten und exportierten Konsumgüter übernehmen“, so Werner weiter. Verbraucher müssten verinnerlichen, „dass jegliche Verpackung oder andere Produkte aus Plastik, die in die Umwelt geraten, dort bis zu Jahrhunderte verbleiben und Tier wie auch Mensch schädigen können“. (dts Nachrichtenagentur/red)

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