Dienstag 13.Oktober 2026

Sie kommt aus dem Dorf der Hundertjährigen: Josefine Seiler wird am 8. August 105 Jahre alt

8. August 2026 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Leute-Regional

Josefine Seiler wird 105 Jahre alt.
Foto: Heinz Lambert

Edenkoben/Flemlingen. Am Samstag, 8. August, feiert Josefine Seiler geb. Minges, die aus Flemlingen stammt und seit 2010 im Seniorenheim Ludwigshöhe in Edenkoben lebt, ihren 105. Geburtstag.

Ihr Heimatdorf, dass gerade mal knapp 400 Einwohner beherbergt, scheint ein gutes Pflaster zu sein, um richtig alt zu werden, denn neben Josefine Seiler, haben mit der 103 Jahre alten Rosa Maria Bieth und der 101-jährigen Berta Bürckmann zwei weitere Damen aus Flemlingen die einhundert Jahre schon überschritten und genießen ihren Lebensabend im Dorf.

Auch die verstorbene Angela Anselmann war einhundert Jahre alt geworden. An der „Allee der Hunderjährigen“ auf dem Klima-Arboretum in Flemlingen, pflanzte die Gemeinde, auf Josefines Bitte hin, auch für ihren Vater Eugen Minges, der 1979 im Alter von 102 Jahren starb, einen Baum. Ihre Schwester Hildegard Bieth geb. Minges starb am 5. Juli diesen Jahres mit 97 Jahren, sodass ihr das Erreichen des hundertsten Lebensjahres nicht vergönnt war, bedauert Josefine.

Wie in jener Zeit üblich erblickte Josefine Minges am 8. Augst 1921 im Haus der Eltern in Flemlingen das Licht der Welt. Sie ging hier in die „Kinnerschul“ und in die Grundschule, verbrachte hier ihre Jugendzeit.

Während des Krieges, als viele Flemlinger Männer zum Fronteinsatz abkommandiert wurden, übernahm als Leiterin die Post- und die Raiffeisenfiliale am Ort. Dabei zeichnete sie auch für alle Steuer- und Verwaltungsangelegenheiten verantwortlich. Bekannt war sie für ihr akribisches Arbeiten mit höchster Sorgfalt und Genauigkeit.

Eine ihrer unangenehmsten Pflichten hatte sie ebenfalls in der Kriegszeit zu erfüllen, musste die junge Josefine doch den Angehörigen die Todesnachrichten überbringen, wenn deren Söhne und Ehemänner an der Front gefallen waren. Dennoch erzählt sie immer noch gerne über die damalige Zeit und ihre Erlebnisse.

So über ihren Bruder Heinrich Minges, der als 19-jähriger eingezogen wurde und in russische Gefangenschaft geriet. 1955 kam er als einer der letzten Kriegsheimkehrer aus Russland zurück. „Damals wurden in Flemlingen die Glocken geläutet. Das ganze Dorf erwartete meinen Bruder am Zug und jubelte ihm zu, als er ausstieg“, erinnert sie sich gerne an diesen wundervollen Tag. Sie waren sechs Geschwister, fünf Mädchen und ein Junge. Nun ist sie die letzte der sechs, die noch unter uns weilt.

In späteren Jahren trat Georg Seiler aus Ludwigshafen in ihr Leben. Sie heirateten 1958 und wohnten dann zusammen in der Chemiestadt. Sie aber wollte immer zurück nach Flemlingen. Schließlich konnte sie ihren Gatten zum Umzug in ihr Heimatdorf bewegen, wo sie sich ein Eigenheim bauten. Leider musste sie aber schon bald von ihrem Mann Abschied nehmen, den nach 30 Jahren Ehe ereilte ihn der plötzliche Herztod.

Sie lebte dann bis 2010 alleine in ihrem Haus, ehe sie im gleichen Jahr in das Seniorenheim nach Edenkoben übersiedelte.

Im Alter von 100 Jahren steckte sie sich mit dem Coronavirus an. Dank ihres immer noch großen Kämpferherzens bekämpfte sie das Virus erfolgreich.

Viele Jahre las sie gerne und schaute sich im TV „Wer wird Millionär“ mit Günther Jauch an. Leider ist ihr dies seit rund eineinhalb Jahren nicht mehr möglich, da ihre Kräfte Altersbedingt etwas nachgelassen haben und sie viel Schlaf benötigt. Auch der Handarbeit, die ihr immer viel Freude bereitete, kann sie nicht mehr nachgehen.

Dass für sie der Tag mitunter recht lang ist und auch nicht gerade vor Unterhaltung strotzt, wird deutlich, wenn sie sagt: „Ich habe mehr Zeit als Lust. Mein Vater sagte schon: Alt sein ist nicht mehr jung!“

So ganz wohl fühlt sie sich nicht im Seniorenheim, es ist eben einfach nicht so wie zu Hause. Was ihr aber schmeckt ist das Essen hier, besonders die leckeren Suppen haben es ihr angetan. Immer noch gönnt sie sich mit Genuss ihr tägliches Achtel Rotwein, dass ihr auch kein Arzt verbietet.

Josefine Seiler wollte nie etwas Besonderes sein. Sie lebte stets bescheiden und fand bei ihren Mitbürgern hohe Anerkennung. Mit ihrem Mann hatte sie keine Kinder, sie freut sich aber über elf Nichten und Neffen. Eine der Nichten ist Regina Schenk aus Burrweiler, deren Patentante sie ist. Regina besucht die alte Dame drei Mal in der Woche. Aber auch alle anderen Verwandten kommen regelmäßig zu Tante Josefine in das Seniorenheim Ludwigshöhe. (Heinz Lambert, Burrweiler)

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