Köln – Nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hat die Polizei laut NRW-Innenminister Ralf Jäger drei Verdächtige ermittelt.
Details zu den Tatverdächtigen wollte Jäger nicht nennen, um die schwierigen Ermittlungen nicht zu gefährden.
Unterdessen steigt die Zahl der Anzeigen: Bislang seien knapp über 100 Anzeigen erstattet worden, teilte die Kölner Polizei mit. In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt worden.
Ausgangspunkt für die Übergriffe soll eine Gruppe von etwa 1.000 Männern gewesen sein. Es habe zahlreiche Sexualdelikte gegeben, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. „Auch in sehr massiver Form. Frauen sind angefasst, angegangen worden.“
Laut Medienberichten soll auch eine Vergewaltigung passiert sein.
Die Straftaten seien aus einer Gruppe von Menschen heraus begangen worden, „die von ihrem Aussehen her überwiegend aus dem nordafrikanischen beziehungsweise arabischen Raum stammen“, so Albers weiter.
Auch rund um die Hamburger Reeperbahn und am Stuttgarter Hauptbahnhof waren mehrere Frauen belästigt und bestohlen worden.
Unterdessen hat die Reaktion der Kölner Oberbürgermeistern Henriette Reker mit ihrer Empfehlung für einen Verhaltenskodex für Frauen für Empörung gesorgt.
Reker hatte nach den Übergriffen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof angekündigt, Verhaltensregeln zu aktualisieren, wie Frauen sich auf öffentlichen Feiern wie Karneval verhalten sollten. Zu den Regeln gehöre zum Beispiel, zu Fremden eine Armlänge Distanz zu halten.
Reker erntete dafür in den Medien, aber auch besonders im Netz Spott und Hohn.
Alice Scharzer: „Vorschläge wahnsinnig naiv“
Die Publizistin und „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer hat Rekers „Verhaltensregeln“ für Frauen und junge Mädchen als gut gemeint, aber „natürlich wahnsinnig naiv“ kritisiert.
„Bei diesen Jungs, die da Terror gemacht haben, ist natürlich eine Armlänge gar nichts“, so Schwarzer in der Sendung „hr1-Start“.
„Statt potentiellen Opfern Ratschläge zu geben, würde ich lieber dafür sorgen, dass die Täter nicht mehr zu Tätern werden können. Und da hat eine Oberbürgermeisterin eine Menge zu tun“, sagte die Publizistin.
Schwarzer, die fünf Fußminuten vom Kölner Hauptbahnhof wohnt, wehrte sich im Interview auch gegen Kritik, dass in der Medienberichterstattung die Herkunft der mutmaßlichen Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum betont werde: „Der wirkliche Rassismus ist, dass man es nicht sagt.“
de Maiziére: „So kann Polizei nicht arbeiten“
Innenminister Thomas de Maiziére (CDU) hatte inzwischen das Vorgehen der Polizei kritisiert. Es könne nicht sein, dass erst der Vorplatz des Bahnhofs geräumt werde „und dann finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann Polizei nicht arbeiten.“
De Maiziére zeigte sich zudem verwundert darüber, dass die Kölner Polizei am Neujahrstag getwittert habe, die Nacht sei friedlich verlaufen. Diese Fehleinschätzung hat die Kölner Polizei inzwischen eingeräumt.
Polizeigewerkschaft: „Kein guter Stil“
Vertreter der Polizeigewerkschaften haben Kritik am Polizeieinsatz in der Silvesternacht in Köln zurückgewiesen.
„Ich glaube nicht, dass es ein guter Stil ist, wenn der Bundesinnenminister in aller Öffentlichkeit die Landespolizei und die Einsatzleitung dort kritisiert“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt.
Die Polizeibehörden seien generell unterbesetzt.
(dts Nachrichtenagentur/red)

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