Dienstag, 13. April 2021

Positive Bilanz von Corona-Selbsttests an Grundschulen – Germersheimer Modell macht landesweit Schule

Forderung nach Impfung des gesamten Lehrpersonals bekräftigt

25. März 2021 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Eine Schülerin wendet den Selbsttest an.
Fotos: KV GER

Kreis Germersheim – 30 Schulen, 4.315 Grundschüler und 904 Lehrkräfte oder Schulbedienstete haben sich in den vergangenen 14 Tagen im Kreis Germersheim am Pilotversuch „Corona-Selbsttests für Schulen“ beteiligt.

Bei sieben positiv getesteten Schülern wurde eine Corona-Infektion in diesem Zeitraum mit einem anschließend durchgeführten PCR-Test bestätigt und somit frühzeitig erkannt. Der Anteil der Kinder, deren Eltern sich mit einer Testung nicht einverstanden erklärt haben, liegt kreisweit bei unter 10 Prozent. Von knapp 20 Prozent fehlt bislang noch die Einverständniserklärung. Lediglich zwei Grundschulen im Landkreis haben bis dato noch keinen Schulungstermin mit dem DRK vereinbart.

An fast allen 30 Schulen haben inzwischen die Unterweisungen stattgefunden, so dass die meisten Grundschulkinder gelernt haben, wie sie die Tests selbst durchführen können. Überall dort, wo eine Umsetzung bereits stattgefunden hat, verliefen die Tests absolut reibungslos, so die Kreisverwaltung. Nun hat auch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) erklärt, nach den Osterferien mit derartigen Selbsttests an allen Schulen im Land beginnen zu wollen. Dass das Germersheimer Modell in Kürze landesweit ausgerollt werden soll, freut die Kreisspitze im Landkreis.

Landrat Dr. Fritz Brechtel sagte, man habe die Erfahrungen, die mit den Corona-Selbsttests seit dem 8. März gesammelt worden seien, immer wieder an das Land weitergegeben und stets gefordert, dass dieses Modell auch an weiterführenden Schulen eingeführt werden solle. „Es stimmt uns zuversichtlich zu hören, dass dieser Appell nun gefruchtet hat und wir nach den Osterferien allen Schulen im Kreis diese Tests anbieten können. Bleibt zu hoffen, dass genügend Kits zur Verfügung stehen, um weiterhin zweimal pro Woche – und nicht wie vom Land vorgesehen nur einmal – diese Selbsttestungen anbieten zu können.“

„Schulpersonal soll geimpft werden“

Schuldezernent Christoph Buttweiler bekräftigt in dem Zusammenhang eine weitere Forderung, der man in Mainz bislang noch nicht nachgekommen ist: „Ich appelliere erneut an das Bildungsministerium, Lehrkräften und Bediensteten an weiterführenden Schulen ein Impfangebot unterbreiten zu können. Ich hoffe, dass darauf noch reagiert und unserer Forderung entsprochen wird. Nur so können wir die Sicherheit an den Schulen nachhaltig gewährleisten und dauerhaft einen Präsenzunterricht aufrechterhalten.“

Die Ungleichbehandlung zwischen bereits geimpften Lehrern, die in Baden-Württemberg wohnen und in Rheinland-Pfalz unterrichten und denen, die hier wohnen und denen daher eine Impfung seitens der Landesregierung untersagt werde, will man in Germersheim nicht akzeptieren. „Wir sind nicht gewillt, diese Benachteiligung länger hinzunehmen und fordern das Land auf, hier rasch entsprechende Korrekturen vorzunehmen, so dass wir noch während der Osterferien mit der Umsetzung beginnen können“, so Brechtel und Buttweiler.

Sowohl das erweiterte Impfangebot wie auch die Schnelltests an allen Schulen sind Teil eines 5-Punkte-Plans, den Landrat Brechtel initiiert hatte, um der Corona-Pandemie im Kreis Herr zu werden. Mit Genehmigung des Landes konnte seit Anfang des Monats mit dem Pilotprojekt „Selbsttests“ begonnen und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt werden.

Eltern und Kinder brauchen Unterstützung

Auch beim Umgang mit positiv getesteten Kindern habe das Germersheimer Modell wichtige Erkenntnisse geliefert, hieß es. So sei es essentiell, dass eine behutsame und kindgerechte Herausnahme aus der Gruppe und eine unverzügliche Mitteilung an die Eltern erfolgte, was in allen positiv gemeldeten Fällen habe umgesetzt werden können. Von elementarer Bedeutung sei eine reibungslose und zeitnahe Zusammenarbeit von Schule, Gesundheitsamt und den betroffenen Eltern. Brechtel: „Wir konnten sicherstellen, dass die Eltern innerhalb weniger Stunden einen Termin in unserem Testzentrum erhielten, um mit einem PCR-Test das erste Ergebnis zu verifizieren.“

Schaubild: Vorgehen bei positivem Schnelltest<— hier klicken zum öffnen.

Auch viele falsch-positive Ergebnisse

Von insgesamt 16 positiven Selbsttests wurde bei sieben Kindern eine Infektion durch einen anschließenden PCR Test nachgewiesen. Die anderen neun durften unverzüglich wieder zurück in ihre Klasse. Gemeinsam mit dem DRK will man nun versuchen, die Rate der falschen Positivtests zu reduzieren. Eine erste Untersuchung ergab beispielsweise, dass ein falsch positiv getestetes Kind einen Herpesvirus in sich trug, der das Ergebnis verfälscht hatte. Künftig wird daher bei positiven Ergebnissen zunächst nochmals ein zweiter Selbsttest durchgeführt. Erst wenn auch dieser positiv ausfällt, erfolgt eine Meldung an das Gesundheitsamt, das dann wiederum direkt einen Termin für Eltern und Kind in einem Testzentrum arrangiert.

Eine Vorgehensweise, die sich bewährt habe und die auch landesweit so umgesetzt werden sollte, findet der Landrat: „Das Land sollte sich gut überlegen, ob es nicht hilfreich ist, in dieser Situation Eltern unmittelbar zur Seite zu stehen und durch diese Sofortmeldung einen besseren Überblick über das Infektionsgeschehen an Schulen zu erhalten. Wenn Eltern hier alleine gelassen werden und eigenständig einen PCR-Test arrangieren sollen, erschwert dies nicht nur die Arbeit der Ermittler, sondern sorgt zudem für Verunsicherung bei den Eltern, deren Kind in direktem Kontakt zu dem positiv getesteten Schüler stand.“

Erst wenn ein positiver Selbsttest durch das Testzentrum und den dort durchgeführten PCR Test bestätigt wird, hat das Auswirkungen auf die Mitschüler, die in direktem Kontakt mit dem betroffenen Kind standen, zum Beispiel die Verhängung von Quarantänen, um die Infektionsketten zu unterbrechen.

Die Zusammenarbeit zwischen Schule, Gesundheitsamt, DRK und Kreisverwaltung verlaufe „äußerst reibungslos“, wie Brechtel in einer ersten abschließenden Bewertung des Germersheimer Modells bestätigt: „Das DRK hat das gesamte Projekt hervorragend koordiniert und eine perfekte Schnittstelle zwischen Schule und Verwaltung gebildet.“ Auch habe die Dokumentation des DRKs wichtige Erkenntnisse für die Region und für das Land geliefert. „Es tut gut zu sehen, dass wir mit unserer Strategie erfolgreich waren und hoffentlich Vorbild für das ganze Land sein dürfen.“

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