
Norbert Meyerer im Gespräch mit dem Verfasser.
Foto: W. G. Stähle
Hauenstein (Südwestpfalz). Aufgerüttelt durch die Folgen der jüngsten Hitzeperiode in Deutschland und Europa, greift Norbert Meyerer seine Intention wieder auf, auf dem Gebiet seiner Heimat-Verbandsgemeinde Hauenstein müssten Windkraftanlagen errichtet werden.
Nicht zuletzt durch Klimatisierung werde der Bedarf an elektrischer Energie stark steigen, sieht der langjährige Kommunalpolitiker voraus.
Wir brauchen Klimaanlagen
Die letzte Hitzewelle habe in Deutschland 6.350 Menschen das Leben gekostet, argumentiert Norbert Meyerer. Das sei „ein Schock“. Die Betroffenen seien vor den hohen Temperaturen nicht genügend geschützt gewesen. Da stelle sich die Frage, ob wir auf die nächste „Hitzeflut“ vorbereitet seien.
„Laut Aussagen von Wissenschaftlern liegt Europa genau im Bereich dieser Klimawellen. Die Temperaturen werden massiv steigen, die Wellen kommen schneller und es wird viele Menschenleben kosten, es sei denn, wir bereiten uns darauf vor.“
Das bedeute: „Wir brauchen Klimaanlagen, in jedem Haus, jeder Schule, jedem Geschäft, jeder Amtsstube, jedem Krankenhaus, jedem Altenheim und so weiter“, erwartet Norbert Meyerer. Der resultierende hohe Energiebedarf soll „möglichst aus ‚grünem Strom‘ gedeckt werden, den die Natur uns schenkt“, wünscht er sich.
Bemühe mich um Aufstellung von Windrädern
„Vor drei bis vier Jahren bemühte ich mich um die Aufstellung von Windrädern in der VG Hauenstein. Sie wurden abgelehnt, da wegen des Biosphärenreservats kein Bedarf bestünde. Viele Argumente wurden angeführt“, blickt Kommunalpolitiker zurück (wir berichteten).
„Der Begriff ‚Klimawandel‘ war damals noch nicht tief genug in uns eingedrungen. Die fast wöchentlichen Meldungen von Experten in den Nachrichten wurden kurz abgenickt und verdrängt“, vermutet er, doch nun habe sich etwas geändert.
Der von Windkraft unregelmäßig erzeugte Strom könne zwischengespeichert werden, ist Norbert Meyerer überzeugt. Derzeit erfolge dies in Batterien die Lithium benötigen, das mühsam dem Boden abgerungen werde und endlich sei. Es gäbe aber bereits andere Möglichkeiten: „Wir können den Strom auch speichern, indem wir Wasser trennen in Wasserstoff und Sauerstoff, mittels Elektrolyse. Wasserstoff wird zum Energieträger.“ Die nahegelegene Stadt „Pirmasens plant bereits erfreulicherweise eine Windkraftanlage mit einer solchen Technik; ein kluges Vorhaben“, verweist er. (Siehe unten Stichwort Elektrolyseanlage Pirmasens.) Bei Realisierung könne Pirmasens „im Ernstfall von der überregionalen Energieversorgung unabhängig“ werden.
„Die neu einsetzende Diskussion über Atomstrom wird uns nichts nützen. Bei der Kernspaltung entsteht Hitze, die durch Wasser gekühlt werden muss. Ein Großteil dieser Wärme trägt dazu bei, dass sich die Erderwärmung beschleunigt. In Frankreich werden mittlerweile die Kernkraftwerke im Sommer abgeschaltet“, fügt Norbert Meyerer an.
Wir müssen uns schützen
„Wir müssen uns schützen“, apelliert Norbert Meyerer. „Dabei ist die Windkraft eine wichtige Stütze. Für die VG Hauenstein wäre der Langerkopf (610 m ü. NN, Teil des bewaldeten Höhenzuges Mosisberg) als Standort ideal, läge da nicht das Biosphärenreservat.
Es gibt viele Gründe dies zu verhindern. Sie sind bekannt und sollten gewürdigt werden. Es gibt aber ein einziges schwerwiegendes Argument für den Bau: Wir retten Menschenleben durch die Energie die auf diese Art erzeugt wird. Diese Frage stellt sich uns, vor allem den Verantwortlichen in den politischen Gremien, was ist uns wichtiger?“
Stichwort Elektrolyseanlage Pirmasens
Um den Aufbau der Wasserstofftechnologie zur klimaneutralen Energieversorgung kommunaler Einrichtungen voranzutreiben beteiligt sich die Stadt Pirmasens laut Auskunft an einem Wettbewerb des Landes Rheinland-Pfalz, der im Fall einer Zusage eine 90-prozentige Förderung vorsieht. Der Stadtrat stimmte am 15. Juni zu. Bei Förderzusage soll das Modell-Projekt noch im laufenden Jahr starten.
Im Rahmen dieses Projektes soll unter anderem eine Wasserelektrolyseanlage zur Bereitstellung von Wasserstoff realisiert werden, für die Methanisierung und Einspeisung ins Erdgasnetz und zum Eigenverbrauch (u. a. Fahrzeugflotte, Blockheizkraftwerk) sowie von Sauerstoff für die Kläranlage Felsalbe.
Das Konzept beinhaltet Lösungsansätze für den Einsatz der Wasserelektrolyse zur Langzeitspeicherung (mehrere Monate) zum Ausgleich der jahreszeitlich und wetterbedingten Energieerträge regenerativer elektrischer Energie. (Werner G. Stähle)
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