Mittwoch 14.Oktober 2026

Niederhorbach: Diskussion um geplante Hühnermastanlage – BUND steigt in Debatte ein

24. Juni 2026 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße

Symbolbild( KI): Pfalz-Express

Niederhorbach – Der Konflikt um eine geplante Hühnermastanlage in Niederhorbach bleibt angespannt. Zwar hat der Gemeinderat die Bauvoranfrage für die Anlage mehrheitlich abgelehnt, endgültig entschieden ist damit jedoch noch nichts, da das Verfahren nun bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße liegt.

Nun positioniert sich auch der BUND Südpfalz gegen die Pläne und stärkt damit die Bürgerinitiative „Südpfalz ohne Hühnermast“.

Der junge Landwirt Jonas Jung plant nach eigenen Angaben, die Tiere im Auftrag des Geflügelvermarkters Wiesenhof aufzuziehen. Die Anlage wäre für eine intensive Mast (Haltungsstufe 3, also Stallhaltung mit Außenklima) mit mehreren Durchgängen pro Jahr konzipiert.

Breiter Widerstand im Dorf

Gegen das Vorhaben hat sich in Niederhorbach schnell Widerstand formiert. Eine Bürgerinitiative sammelte mehrere tausend Unterstützer für eine Online-Petition. Zusätzlich wurde ein Bürgerbegehren mit Unterschriften aus dem Ort eingereicht.

Die Kritiker führen eine ganze Reihe von Argumenten an. Im Mittelpunkt stehen Bedenken zum Tierwohl bei einer Haltung von fast 30.000 Tieren in einem Stall. Hinzu kommen Sorgen über zusätzliche Geruchsbelastungen, mögliche Feinstaubemissionen sowie den erwarteten Anstieg des Liefer- und Abholverkehrs durch Lastwagen.

Auch das Landschaftsbild spielt in der Debatte eine Rolle. Gegner befürchten negative Auswirkungen auf das touristisch geprägte Umfeld und die Entwicklung des Orts. Einige Anwohner sehen zudem einen Widerspruch zwischen der geplanten Anlage und bisherigen Naturschutz- und Renaturierungsmaßnahmen in der Region.

Landwirt verweist auf wirtschaftliche Lage

Jung verteidigte bei einer Bürgerversammlung Anfang Juni im „Festspielhaus“ das Vorhaben als wirtschaftlich notwendige Entwicklung seines Betriebs. Der Weinbau sei in einer schwierigen Lage, Einnahmen reichten zunehmend nicht mehr aus, um den Hof langfristig zu sichern. Die Hühnermast sei daher als zusätzlicher Betriebszweig vorgesehen.

Er verweist zudem auf technische Vorkehrungen. Die geplante Halle solle rund 500 Meter von der Wohnbebauung entfernt entstehen und mit Filtertechnik ausgestattet werden, um Gerüche zu reduzieren. 

Auch beim Transport verweist er auf den klaren Zyklus: Küken würden angeliefert, anschließend acht bis zehn Wochen gemästet und danach zur Schlachtung wieder abgeholt. Die Verkehrsbelastung sei deshalb aus seiner Sicht insgesamt überschaubar.

Zugleich betonte der Landwirt, dass die Nachfrage nach Geflügelfleisch hoch sei. Die Produktion sei letztlich eine Reaktion auf bestehende Marktbedingungen. Ohne das Projekt, so seine Einschätzung, würde ein anderer Anbieter diese Nachfrage bedienen.

BUND fordert Umbau der Tierhaltung

Der BUND Südpfalz stellt sich nun öffentlich an die Seite der Bürgerinitiative „Südpfalz ohne Hühnermast“. Zehn bis elf Tiere würden auf einem Quadratmeter zusammengepfercht. Tierhaltung müsse an die Fläche gebunden werden und grünfutter-basiert sein, vor allem durch Weidehaltung, heißt es in einer Mitteilung. Der Verband spricht sich grundsätzlich gegen Formen der industriellen Tierhaltung aus und fordert einen grundlegenden Umbau der Nutztierhaltung hin zu stärker tiergerechten Strukturen.

Dazu zählt aus Sicht des Umweltverbands auch eine staatlich kontrollierte Haltungskennzeichnung, die Verbrauchern klare Informationen über die Bedingungen der Tierhaltung liefern soll. Nach Auffassung des BUND könnten Konsumentscheidungen so bewusster getroffen werden.

Entscheidung liegt bei der Kreisverwaltung

Ob die Anlage tatsächlich gebaut werden kann, ist weiterhin offen. Zwar hat der Gemeinderat das Vorhaben abgelehnt, rechtlich entscheidend ist jedoch die Bewertung der Kreisverwaltung.

Damit bleibt das Projekt ein Streitpunkt in der Gemeinde. Zwischen wirtschaftlichen Argumenten des Landwirts, ökologischen und tierschutzbezogenen Bedenken der Gegner und politischen Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen ist keine schnelle Lösung in Sicht.

Gefällt Ihnen unsere Zeitung?

Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.

⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Zur Startseite

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentare sind geschlossen