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Neue Technik im Photovoltaikbereich AGRO: Info- und Diskussionabend lockte viele Zuhörer

24. November 2019 | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße

Fotos: Isa Scholtissek, Energieagentur RLP und Michael Linder, ISE e.V.

Klingenmünster – Mehr als 100 Interessierte an der neuen Technik im Photovoltaikbereich sind am 19. November nach Klingenmünster in die Keysermühle gekommen, um sich von den Fachleuten bei der Podiumsdiskussion informieren zu lassen und auch selbst mitzudiskutieren.

Die Veranstaltung wurde von der Initiative Südpfalz-Energie e.V. in Kooperetion mit der Energieagentur RLP und der Bürgerstiftung Pfalz organisiert.  „Bei der nächsten Veranstaltung müssen wir die SAP-Arena anmieten“, kommentierte Wolfgang Thiel, Vorsitzender der ISE e.V. scherzhaft in seiner Begrüßung das große Interesse.

In ihrem Grußwort hob Kathrin Flory, Ortsbürgermeisterin von Klingenmünster, die Bedeutung des Klimaschutzes hervor, den sie auch in ihrer Gemeinde voranbringen will. “Wir sind stolz, dass eine solche Veranstaltung mit dieser Resonanz in unserem Dorf stattfindet“ sagte sie.

Im Einführungsvortrag des ISE e.V.-Vorsitzeden stand das Klimaschutzkonzept für Deutschland, dass von Mitgliedern des gemeinnützigen Vereins mit Zielen und Umsetzung entwickelt wurde, im Vordergrund: Bis 2040: Raus aus den Fossilen und 100 % Erneuerbare. „Eine tragende Rolle dabei muss die Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen spielen“, sagte er.

Es geht um sogenannte Synergie-Projekte:

1. Die aufgeständerten PV-Module produzieren CO2-freien Strom, das ist Klimaschutz!
2. Die aufgeständerten PV-Module sorgen für eine partielle Verschattung für die landwirtschaftlichen Produkte am Boden, das ist Klimaanpassung!
Das bedeutee, dass ein neues Geschäftsmodell geboren wurde: Ökowirt = Landwirt + Energiewirt.

Staatssekretär Dr.  Thomas Griese vom Umweltministerium RLP gab in seinem Statement der Landesregierung eindeutige Signale zum Klimaschutz. „Für uns ist es jetzt wichtig, dass die Erneuerbaren zügig ausgebaut werden. Wir von der Landesregierung werden alles Nötige dazu beitragen. Wir werden auch über den Bundesrat auf die Gesetzgebung des Bundes hinwirken, dass alle Hürden, die die Klimaschutzziele von Paris behindern aus dem Weg geräumt werden. Mit dem Solar-Speicher-Programm des Landes Rheinland-Pfalz wollen wir wieder Schwung in den Ausbau der PV-Anlagen bringen. Deshalb begrüßen wir sehr die Initiative dieser Veranstaltung“, so der Staatssekretär.

Damit wurde der Übergang zum eigentlichen Thema des Abends eingeläutet: „Photovoltaikanlagen auf Agra-Flächen (AGRO-PV)“ am Bespiel der Pilotanlage Heggelbach bei Stockach am Bodensee. Bevor die beiden Vortragenden Stephan Schindele, technischer Projektleiter des Fraunhofer Instituts für solare Energie (ISE) aus Freiburg und Prof. Petra Högy, landwirtschaftliche Projetleiterin der Uni Hohenheim über sehr viele Details berichteten, wurde das Projekt in einem kurzen Video des Bayrischen Rundfunks vorgestellt.

Fazit beider Vorträge: Die bisherigen Ergebnisse der Forschungsarbeiten zeigten überzeugend klar auf, dass diese Technologie große wirtschaftliche Ergebnisse für die Landwirtschaft bringe und eine bedeutsame Zukunft für den Klimaschutz haben werde, so Thiel. Hier können bisher veröffentlichte Infos abgerufen werden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Experten aus Wissenschaft, Landwirtschaft und Politik wurden viele Fragen und Anregungen der Teilnehmer auch aus dem Plenum diskutiert:
Podium

Dr. Thomas Griese, Staatssekretär Umweltministerium RLP
Prof. Petra Högy, Professorin für Pflanzenökologie und Ökotoxikologie, Uni Hohenheim, Projekt AGRO-PV Heggelbach
Stephan Schindele, Projektleiter AGRO-PV Heggelbach, ISE, Fraunhofer Freiburg
Prof. Ulrich Fischer, Institutsleiter Weinbau und Oenologie, DLR Rheinpfalz
Reinhold Hörner, Vorstandsmitglied der Landwirtschaftskammer RLP und Weinbaupräsident Pfalz, Bauern- und Winzerverband RLP
Thomas Weiter, Vizepräsident, Weinbauverband Pfalz
Christian Synwoldt, Referent für Erneuerbare Energien, Energieagentur Rheinland-Pfalz
Wolfgang Thiel, Moderator und Vorsitzender von ISE e.V.

Fragen und Statements

Wie können wir den Verbrach von landwirtschaftlichen Flächen reduzieren? Warum habt ihr in euerem Konzept zum Klimaschutz die Forstwirtschaft vergessen? Wie sieht es aus mit Bio-Diversität unter den AGRO-PV-Modulen? Warum gibt es immer noch Maisanbau für Biogas-Anlagen? Sind PV-Module recyclebar? Ist die AGRO-PV-Technik auch im großflächigen Ackerbau noch wirtschaftlich? Wer profitiert von den AGRO-PV-Anlagen: Die Eigentümer oder Pächter von landwirtschaftlichen Flächen?  Macht es Sinn auch im Weinbaubereich die AGRO-PV einzusetzen? U.v.m. Die Fragen wurden von den Podiumsteilnehmern fast immer zur Zufriedenheit der Fragesteller beantwortet.
Das Resümee von Reinhold Hörner war ganz klar: „Wir Landwirte sind Unternehmer. Wenn wir neue Geschäftsmöglichkeiten erkennen, die einen wirtschaftlichen Ertrag bringen, sind wir sehr aufgeschlossen“.

„Eine sehr gute und erkenntnisreiche Veranstaltung“, fasste ein erfahrener Energiewendler den Abend zusammen. „Wir werden die Anregungen in unsere Arbeit von ISE e.V. einbringen und dafür sorgen, dass die gewonnenen Erkenntnisse in politisches Handeln umgesetzt werden“, sagte der ISE e.V.-Vorsitzende.

Ein Workshop mit interessierten Landwirten ist für März 2020 angedacht. Sie können sich beim Regionalbüro der Energieagentur Rheinland-Pfalz oder bei ISE e.V. melden und erhalten rechtzeitig eine Einladung mit den Details.
(W.T./red)

 

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