Montag, 23. Mai 2022

Missbrauchsgutachten belastet Landauer Ehrenbürger Kardinal Wetter

21. Januar 2022 | Kategorie: Landau, Regional

Der Vorplatz der Landauer Marienkirche trägt den Namen „Kardinal-Wetter-Platz“.
Quelle (Archiv): Stadt Landau

Landau/München – Ein Gutachten wirft dem früheren Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, 21 Fälle von Fehlverhalten im Umgang mit sexuellem Missbrauch vor. Wetter stand dem Erzbistum München von 1982 bis 2008 vor und wurde dann von Kardinal Marx abgelöst.

Geboren wurde Friedrich Wetter am 20. Februar 1928 in Landau. Dort war man bislang stolz auf den berühmten Sohn der Stadt. Er wurde zum Ehrenbürger ernannt. Im August 2020 wurde sogar ein Platz nach ihm benannt und offiziell eingeweiht: Der Kardinal-Wetter-Platz.

Nun scheint das Ansehen des emeritierten Geistlichen erheblich zu bröckeln. der Grund: Die Gutachter kamen zu der Einschätzung, dass Wetter in 22 Fällen fehlerhaftes Verhalten und in manchen Fällen zumindest kein angemessenes Handeln anzulasten ist, nachdem ihm die Missbrauchsfälle bekannt geworden waren. Nach einer Stellungnahme Wetters wurde die gutachterliche Bewertung um einen Fall gekürzt.

Im Zuge der Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern in der Katholischen Kirche hat auch die Münchener Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl den Kardinal schwer belastet.

In den Gutachten heißt es unter anderem, dass Erzbischof Kardinal Wetter Kenntnis der in den späten 1980er / frühen 1990er Jahren erhobenen Vorwürfe gehabt haben dürfte. Er habe jedoch weder die gebotene Aufklärung des Sachverhalts und der Verdachtsmomente betrieben, noch habe er Maßnahmen veranlasst, um der naheliegenden Gefahr von (weiteren) sexuellen Übergriffen auf Kinder vorzubeugen. Damit seien künftige Geschädigte schutzlos den Priestern ausgesetzt worden – sprich: Wetter schaute und duckte sich weg.

Die Gutachter schreiben weiter, dass Wetter lediglich erklärt habe, von den vor seiner Amtszeit liegenden Fällen keine Kenntnis gehabt zu haben und dass es in seiner Amtszeit keinen Missbrauch gegeben habe. Das sei aber schon allein aufgrund einer umfangreichen Dokumentation in den Ordinatsgremien unwahrscheinlich, so die Gutachter.

Wie es nun weitergeht mit dem Landauer Ehrenbürger und Namensstifter, wird sich zeigen. Mehr dazu demnächst im PEX. Zumindest kommt immer mehr Bewegung in den Prozess der Aufarbeitung – auch wenn es über Jahrzehnte in der Katholischen Kirche nicht um die Betroffenen ging, sondern ums Image. Die Bistümer mauer(te)n massiv gegen die Aufklärung der Verbrechen.  (cli)

[Lesen Sie dazu: Emeritierter Papst Benedikt in Missbrauchsgutachten belastet]

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